Six Years After Millenium – Der Rückblick

Das Jahr geht langsam vorüber, Bestenlisten stehen an, es wird sich geärgert, schöne Erinnerungen steigen auf, ganz wie es 12 Monate bereithielten. Es geht auch ein Kinojahr vorüber. Die Frage ob es besser oder schlechter war, drängt sich mir persönlich zumindest nicht auf, egal welche Qualitäten die gesamte Filmschar vorzuweisen hatte, eines wird es immer geben: wunderbare Perlen, nicht immer Independent, meist jedoch eher unbekannter Natur, die verzaubern, einem das Herz erwärmen und besonders eines ganz deutlich zeigen: der Film lebt noch immer, wird noch immer weiter leben, solange er das Besondere nicht verliert, seinen ganz besonderen Charme, der in seiner vollsten Blüte nur im Kino bewundert werden kann.

Normalerweise würden an dieser Stelle zehn Filme in aller Höhe gelobt werden, am liebsten mit dem „schwächsten“ dieser Auswahl beginnend, doch wo steht der Sinn dieser Aufzählung? Am Ende sieht man auf meiner Excel-Auswertungstabelle (die mit allem möglichen Schnickschnack ausgerüstet ist – dazu aber wann anders) 40 Filme. 40, mal mehr gute, mal mehr schlechte. Einen einzigen bereue ich, denn wenn es schon keinen besten Film gibt, einen schlechten, ja, den habe ich sehr wohl parat: Der DaVinci Code (Sakrileg), jedes Wort schmerzt mir in meiner Seele, jeder Cent im Geldbeutel, im Grunde würde alles auf einen Zerriss hinaus laufen. Ich mochte den Film nicht, dieses inspirationslose Gewurschtel von Ron Howard, mit dem schauerlichen Tom Hanks und der quirligen Audrey Tautou in den Hauptrollen. Dieser filmische Erguss trieb den Zorn in mich.

Nach dem Hass kam das Mittelmaß, wenig erwähnenswerte Schinken, weder im Kino, noch auf DVD der Bringer. Manches plätscherte dahin, das Wort „reine Zeitverschwendung“ trifft die Lage gut, treffender beschreibt allerdings ein schlichtes „pff“ die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens. Lange Nachwirkungen musste man wenigstens nicht fürchten, sonst würden die lieben Tierchen aus „Ab durch die Hecke“ jetzt auf dem Friedhof der Kuscheltiere herum lungern. „Das Parfüm“ demnach immer noch beim netten Händler nebenan stehen. Und Modetechnisch gibt’s ja eh nix zu sagen (der Teufel trägt wahrscheinlich Chucks und einen Hoody, und lümmelt selbstverständlich mit einer Packung Chips auf dem Sofa).

Leichte Besserung trat wenn dann Anfang und Ende des Jahres ein. Im schwitzigen Sommer, Fußball-WM sei dank, hielten sich deutsche Verleiher penetrant zurück, auch nur einen einzigen überzeugenden Hit zu vermelden. Sieht man von der Penelope, die recht sehenswert, allerdings kein Meisterwerk war, ab, bleibt nicht viel, eher schnöde Langeweile, eine Zeit, die sich gut zum Entspannen eignete. Diese Gelassenheit sollte bitter nötig werden, spätestens ab Ende November. Einen Streich auf den anderen setzte man noch vorweihnachtlich, zum Glück nicht in den Sand. In München erfreute sich das Asia-Filmfest großer Beliebtheit und bot einige Hits aus fremden Kulturen und Ländern auf, darunter auch den chinesischen Oscarbeitrag für den besten fremdsprachigen Film, „Riding Alone for Thousands of Miles„, der mit melancholischer Atmosphäre in den Bann zog. Der chinesische „Brokeback Mountain“ mit Frauen, „Die Töchter des chinesischen Gärtners“ (Start hierzulande offiziell im April 07), dagegen konnte nicht vollends überzeugen, die Gefühlswelt der Leidenden blieb zu sehr in den Protagonisten versteckt.

Die letzten Monate boten vielfältige Kost, kein Genre blieb wirklich ungedeckt, harte Männeraction paarte sich mühelos mit steppenden Pinguinen. Der neue Bond, zweifellos ein im vorhinein zweispaltiges Erfreunis, erfüllte selbst Hartgesottene Fans mit Freudentränen in den Augen, Frauenherzen ließ der grobe Daniel Craig mit dem weichen Kern erweichen, die Wiederkehr eines alten Haudegen glückte. Tränen in den Augen verursachte ebenfalls die wunderbare Komödie „Little Miss Sunshine„, mit diesen kuriosen Figuren kann ein Film nur funktionieren und bei einem solch hervorragend witzigen Ende ist ein Lächeln beim Gang aus dem Kinosaal vorprogrammiert. Ähnliche Gefühlsregungen durfte man bei Scorseses Neuem nicht erwarten, mit gewohnter Härte und Qualität stapft er dafür geradewegs auf einen endlich realen Oscarsieg zu. Ein anderer Herr sollte die Hoffnungen nicht aufgeben, seine vollständige Trilogie über das menschliche Zusammenleben würde in jedem Fall die Jahre überdauern.

Fast vergessen die Zeit bis April, die Zeit der Oscarschinken, der „anspruchsvollen“ Literatur. Das mag nicht an den schlechten Filmen liegen, denn das waren sie keinesfalls, allerdings immer dasselbe sehen? Wahrlich, das kann man nicht behaupten. Die irrtümlich schwule Cowboy-Geschichte faszinierte mit wundervollen Kameraeinstellungen, einem countryesken Soundtrack und Jungdarstellern, die sich sehen lassen können. Truman Capote schrieb bis um äußersten, die Stasi spionierte wieder, Cash was on the road again, politisch ging es heiß her.

Wo sollte man sich beschweren? Vielleicht bei sich selbst, vielleicht bei der fehlenden Zeit, aber keineswegs bei einem schlechten Kinojahr. Die Meisterwerke bestanden. „Der Film lebt noch immer„.

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