Hätte „Babel“ für den „Besten Film – Drama“ bei den Golden Globes gar nicht antreten dürfen?

Der Episodenfilm „Babel“ des mexikanischen Regisseurs Alejandro González Iñárritu behandelt bekanntermaßen die kulturellen Differenzen, das Missverstehen der Sprache, in unterschiedlichen Regionen des Erdballs. Erste Bedenken kommen nun, Wochen nach den Golden Globes, über die richtige Kategorisierung als „Bester Film – Drama“ auf.

Die angesprochenen Regionen, in denen „Babel“ spielt sind keineswegs nur in Englisch gehalten, sondern ebenfalls in Spanisch, Französisch, Japanisch und Arabisch. Das hört sich weitaus weniger problematisch an, als es eigentlich ist. Das Regelwerk der Golden Globes besagt, dass ein Film nur als bester Film (Drama und Komödie/Musical) antreten kann, wenn er in Englisch gedreht wurde, ein fremdsprachiger darf demnach nicht englischsprachig sein. Diese Formulierung erweist sich als ausgesprochen lose und undeutlich, wo kann schließlich ein „Babel“ eingegliedert werden?

Differenzen kamen bei der Hollywood Foreign Press Association tatsächlich niemals auf, es war zu keinem Zeitpunkt fraglich “Babel” als fremdsprachig zu klassifizieren, den Platz „Bester Film – Drama“ streitig zu machen. Ganz Zeittechnisch gesehen ist die Hauptsprache natürlich Englisch, sehr knapp allerdings. 45 Minuten bringt der englische Part auf die Waage, mit 33 Minuten zieht Japanisch nach, 24 auf Arabisch, 23 Spanisch und zu guter letzt 10 Sekunden in Französisch.

Die Entscheidung „Bester Film – Drama“ oder „Bester fremdsprachiger“ traf Paramount, die Foreign Press stimmte ohne Widerwillen zu. Obwohl der Großteil nicht in Englisch ist, gar nur 1/3 der Zeit bestimmt. Den Sieg wird „Babel“ wohl niemand mehr streitig machen, bei den Oscars besteht in jedem Fall aufgrund dieser Tatsache kein Diskussionsbedarf.

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1 Response to “Hätte „Babel“ für den „Besten Film – Drama“ bei den Golden Globes gar nicht antreten dürfen?”


  1. 1 fernseherin Februar 6, 2007 um 7:04 pm

    Interessanter Punkt. Das Einzige, was in meinen Augen wirklich gegen die ’normale‘ Nominierung für den besten Film spricht, ist die Japan-Episode. In den anderen Episoden ist das Englische ja vorhanden (durch das amerikanische Paar und die Kinder).

    (Gut, die Szenen mit den beiden marokkanischen Jungen sind auch weitestgehend English-frei und haben nicht-englischsprachige Identifikationsfiguren. Tja.)

    Vielleicht gibt es ja irgendwann einen großen globalen Filmpreis, der einen ähnlichen Stellenwert wie die Oscars in punkto Unterhaltungswert hat. Dieses Englisch-Nichtenglish ist ja irgendwie auch ein Witz, wenn man den Oscar nicht als rein angelsächsischen Filmpreis verkaufen will. Als bester fremdsprachiger Film hätten „Chicago“ oder „Shakespeare in Love“ wahrscheinlich keine Chance gehabt. In Indien drehen die sowas doch dauernd. 😉


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