Kritik: Hannibal

USA 2001

Hannibal

Regie: Ridley Scott
Drehbuch: David Mamet, Steven Zaillian
Darsteller: Anthony Hopkins, Julianne Moore, Giancarlo Giannini, Gary Oldman, Ray Liotta

Kritik: Das „Schweigen der Lämmer“ war einmal. Nun kehrt man mit lautem Tamtam das Serienmörder-Image lieber mehr nach außen, falls denn die richtige Vielfalt in der Schauspielriege besteht. Damals als Jodie Foster noch die naive Clarice Starling verkörpern durfte kam ein vollkommen neuer Trend auf die Kinoleinwände. Wann hatte das Publikum schließlich einem Kannibalen beim Mahl zusehen dürfen? Funktioniert hatte das Ereignis, und dafür musste man kein Kenner sein, nur aufgrund von Anthony Hopkins, der dem diabolischen Hannibal Lecter eine solch faszinierende Gestalt auf dem Leib schrieb, wie selbst ein Brian Cox es nicht zu tun vermochte. Viele Jahre darauf betrat die dritte Verfilmung „Hannibal“ der Romane von Thomas Harris die Leinwand, mit Ridley Scott am Abzug. Unglücklich ist nur, dass er eine unnachahmliche Figur auf Nimmerwiedersehen in den Abgrund stob.

Ungefähr zehn Jahre wirbelt Doktor Hannibal Lector (Anthony Hopkins) nunmehr nach seinem beeindruckenden Coup in freier Wildbahn umher. Florenz ist sein neues Domizil des Leckerbissens, als Museumskurator leider für ihn bisher nur in bemitleidenswerter Art und Weise ausgelebt. Wenigstens den beruflichen Werdegang in seiner Person des Dr. Fell konnte er sich schmackhaft erkaufen, nicht ganz unbemerkt von der hiesigen italienischen Polizei, die schleunigst den Kommissar Rinaldo Pazzi (Giancarlo Giannini) einspannt. Derweil kann Clarice Starling (Julianne Moore) von einer Urlaubsidylle nur träumen, nachdem ihr letzter Einsatz schrecklich schief gelaufen ist. Ein Anruf von ihrem Meister Lector persönlich, könnte die Wende in ihrer, einer sinkenden Sonne gleichenden, Karriere bestimmen.

Es ist eine ewige Leier mit unfähigen Drehbuchautoren und starrsinnigen Regisseuren, die in jedem Falle ihre großartigen Vorgänger überbieten möchten. In den meisten Fällen besteht noch ein lachhafter Unterhaltungswert über die aufgetischte absurde Szenerie. Allein dieses Ziel schien Ridley Scott nicht aus seiner eigenen Belanglosigkeit retten zu wollen. Serviert werden dem, wenigstens in den ersten Sekunden erwartungsvollen, Publikum, an Kitsch nicht zu überbietende Landschaftsaufnahmen, aberwitzige Verspeisungen oder zumindest die ausreichend grobe Vorstellung, wie diese aussehen könnten. Hanebüchen tritt man der Verkörperung eines Hannibal entgegen, der sich in seinen zehn Jahren auf freier Wildbahn das Gehirn von einem anderen Kannibalen ausgesaugt haben musste („Rohtenburg“ stände sicher zur Verfügung). Die übertrieben gezischelten Perversionen würden bisweilen überzeugen, wäre nur nicht die schreckliche Darstellung einer impertinenten Clarice Starling, eine Glanzleistung von der Göttin der Penetranz, Julianne Moore.

Besonders eigentümlich ist der einfältige Sadismus, mit dem „Hannibal“ zu gerne ausgeschmückt wird. Eine spezielle Erwähnung findet das unrühmliche Ende Pazzis, der im Stile seines Vorfahren erst Bekanntschaft mit einem Gepäckträger macht, um kurzerhand am Strick baumelnd aus dem Palazzo Vecchio hinausgeworfen zu werden. Okeydokey.

Autorin

7 Responses to “Kritik: Hannibal”


  1. 1 fernseherin März 6, 2007 um 5:32 pm

    Ooooch. Ich mag „Hannibal“ trotzdem. Immer noch besser als das Remake der Tooth Fairy. Da wird Lecter/Lector dann endgültig verwurstet. Außerdem mag ich Julianne Moore zehntausendmal lieber als Ralph Fiennes.😉

    Ta-da.

  2. 2 Soraly März 6, 2007 um 6:38 pm

    Na, Ralph Finnes ist ja wohl tausendmal nicer als die krampfige Moore😉 . Wobei seine deutsche Synchronstimme in „Roter Drache“ extrem gegen den Wind schlägt.

  3. 3 fernseherin März 7, 2007 um 10:03 am

    Nein, so geht das doch nicht. Ralph Fiennes darf in meiner Gegenwart nicht lobend erwähnt werden. Das ist ein Naturgesetz.😉
    Na gut, außer im Zusammenhang mit „Schindlers Liste“ und „Quiz Show“ vielleicht, weil ich mich daran erinnere, dass ich ihn da noch ganz annehmbar fand.
    Die Julianne hätte die Zahnfee aber viel besser gespielt!😉

  4. 4 moviebuzz März 7, 2007 um 12:08 pm

    Um noch einen anderen Geschmack hinzuzufügen: Ich finde Anthony Hopkins‘ Spiel ein wenig ‚over the top‘. Mir ist da Brian Cox’s Lector in Manhunter lieber. Ganz zu schweigen von Michael Mann als Regisseur..

  5. 5 fernseherin März 7, 2007 um 2:42 pm

    Hopkins persifliert sich in „Roter Drache“ nur noch selbst – in „Hannibal“ ist es vielleicht noch die Schuld der Drehbuchautoren, oder?
    Brian Cox fand ich nicht so denkwürdig, aber ich liebe „Manhunter“ und speziell William Petersen in der Rolle des Profilers.🙂

  6. 6 Soraly März 7, 2007 um 5:06 pm

    Jetzt hattest du mich aber mit der Zahnfee. Plötzlich muss ich nämlich wieder an den abgrundtief schlechten „Der Fluch von Darkness Falls“ denken. DA hätte die Julianne perfekt gepasst. Plus die Verbrennungsszene am Ende😉 .

    Hopkins und das Drehbuch dürften sich relativ wenig genommen haben. Entgegen „Schweigen der Lämmer“ ist „Hannibal“ durch Scott eher als Kannibalismuseffektschinken aufgemacht und ließ Hopkins wohl nicht den Spielraum daran viel rumzuschrauben.

    (Bei Petersen sind wir uns jetzt mal einig🙂 )

  7. 7 fernseherin März 8, 2007 um 7:08 pm

    Bei „Darkness Falls“ gibt es so eine Szene, in der ein Kind im Bett liegt … uäh! Ansonsten war der nicht so doll, stimmt. Aber manchmal reagiert man trotzdem drauf.


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