Kinofrei mit OP

Meine Erfahrungen mit Zahnärzten haben Tradition. Etwa die Hälfte meiner Milchzähne wurde fachmännisch entfernt, der Rest kam mit viel angestrengtem Gezeter heraus. Teilweise pulten Fingernägel zwischen den fitzligen Zwischenräumen von Backenzähnen umher, bis ein rettendes Apfelstück dem Ganzen ein Ende bereitete. Schlussendlich kamen sie aber alle an die Freiheit, wenn auch eine für Zähne recht eigentümliche. In einem kleinen Kästchen schlummern sie nun seit Jahren, auf Zuwachs stießen sie lange nicht mehr. Morgen wird sich dies hoffentlich ändern. Vorausgesetzt, der nette Chirurg von Nebenan, bekommt meine beiden einzigen Weisheitszähne mit Geschick aus den Fängen des Kiefers. Ansonsten würde die beliebte Verkleinerungstaktik Bedarf finden, bei der er mit knirschendem bohren den Zahn in Einzelteile skalpiert.

Zum Glück begegne ich diesem Herrn nicht vollkommen unbedarft, erst vor einigen Wochen war er in der Lage mich von einer sehr grausamen und äußert schmerzhaften Zahnfleischentzündung zu befreien. Die Urlaubsvertretung meiner Hausärztin hatte dieses Problem nach zwei Besuchen nämlich vollkommen unzureichend gelöst. Wie man hört: Eben gar nicht. Da war ich dann zwar beim Arzt gewesen, doch zwei Tage Ernährung mit Schmerzmitteln zeigten, dass die Wirkung versagte. Angeblich hatte sie eine Salbe zur Linderung auf den betroffenen Bereich gegeben. Beim Chirurgen wusste ich dann aber zum ersten Mal, was das bedeutet hätte. Dessen Eingriff war kurz, gut nicht schmerzlos. Eine Stunde lang standen mir Tränen in den Augen, danach allerdings war gar nichts mehr. Kein Pochen, kein Ziehen, keine Schmerztabletten. Der Mann verstand sein Handwerk.

Den Beweis darf er morgen erbringen. Nach einem zuletzt geschossenen Röntgenbild stehen beide oberen Weisheitszähne „distal geneigt“. Ha, ich mach einen auf Fachmediziner. „Distal“ sieht folgendermaßen aus:

Weisheitszahn

Wie man bemerkt, das Zähnchen hängt fast mit dem letzten Backenzahn zusammen und bildet, da im Oberkiefer angelagert, ein umgedrehtes V. Freude! Diese Art ist nicht nur selten (laut der englischen Wikipedia trifft dies in nur 6 % der Fälle zu), sondern auch noch wesentlich einfacher zu entfernen. Währenddessen ein „distal geneigt“ im Unterkiefer leicht problematisch sein kann, scheinen meine beiden im Oberkiefer ganz schnell rauszuflutschen. Morgen 9:00 schlägt die Stunde der Wahrheit. Nein, das hört sich nicht nur nach ironischer Begeisterung an, ich bin wahrhaft begeistert. Denn obwohl 99 % der Menschheit ein Problem mit Eingriffen in der Mundhöhle haben, ich habe keine Bedenken. Vor allem nicht, wenn ein schnuckeliger Assistenzarzt dabei ist.

Für den Schmerz nimmt man dann auch gerne mal tagelang Alete-Produkte in Kauf. Und Kühlkompressen. Und keine Arbeit.

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