„Fido“ – Angeleinte Zombies in der Vorstadtsiedlung

Fido

Kanada 2006
Start: xx.xx.07

Regie: Andrew Currie
Drehbuch: Robert Chomiak, Andrew Currie
Darsteller: Henry Czerny, Carrie-Anne Moss, Jan Skorzewski, Tim Blake Nelson, Billy Connolly, Dylan Baker

Grün geleckt tapsen sie mit blutunterlaufenen Augen auf Menschenherden zu, streng die Arme vor sich gestreckt, die Beine motorisch bewegend auf panisch verschwindende Menschenmassen gerichtet. Die Fleischfresser der Szene bekommen im Anflug von Größenwahn die Fingernägel, soweit vorhanden, nicht mehr aus den wabbeligen Augäpfeln ihrer Opfer. Ein vorhergehendes Ableben steht ihnen im leeren Blick geschrieben, Drähte, Gestelle vom Tode noch mitschleifend. Der Zombie ist schon armselig dran. Als Mensch totgetreten, widersteht er dem Drang eines ruhigen Lebens im Reich der Särge und Geister, stattdessen schwankt er losgekettet im Auftrag seines Herrn, Graf Dracula persönlich, umher. Warum er zum Leben erweckt wurde? Egal. Warum er Menschen frisst? Egal. Warum er besessen ist und leicht dümmlich wirkt? Egal.

Fido

Einen Untoten interessiert so schnell nichts mehr. In Horrorfilmen des George A. Romero („Dawn of the Dead“) jedenfalls. Die Wandlung zur modernen Popfigur nahm der Zombie mit flott geschnittenen Kamerafahrten des hier und jetzt. Zeiten, in denen er dröge gehenden Fußgängern den Garaus machte sind seit Jahren vorüber, nun sind schwerere Geschütze nötig, um seinen Antrieb abzumildern. Panzer, Schrotkugeln, beispielsweise. Oder Humor. Geht der betagte Filmmacher nicht den Weg des Horrors, sondern den der Komödie stellen sich schließlich andere „Gefühle“ in den Mittelpunkt. Somit kann ein Zombie auch die Rolle eines Haustieres übernehmen. Dem man einen Namen gibt. Fido, wäre da eine Möglichkeit. „Fido“ heißt dann auch gleich der Filmtitel mit, damit die offensichtliche Identifikationsperson doppelt im Zentrum steht.

Vollkommen zu Recht fragt man sich was dieser Blödsinn soll. Ein Zombie namens Fido? Haustier? Läuft der angeleint rum, oder was? Im Willard der Fünfziger tatsächlich ja. Fröhliches Familiengebiet mit flockigen Wiesen, plappernden Kindern, schreienden Müttern und quengelnden Vätern. Postboten im eigentlichen Sinne gibt es noch, sie passten sich sogar ihrem Aufgabengebiet an. Tod wie ein Brief tragen Zombies ihren Stoff von Kasten zu Kasten. Seitdem „ZomCon“ (die Untoten Fraktion) die Zombies sterilisiert hat läuft der Laden wie geschmiert. Im Aussehen wie gewohnt kein bisschen attraktiv greifen sie der landliebenden Bevölkerung unter die Arme, Arbeiter, niedere Dienste, kein Beruf ist ihnen müllig genug. Einzig die Familie Robinson ist noch nicht auf den „Geschmack“ gekommen. Vater wehrt sich vehement gegen die Verzombiefizierung, jedoch ohne Durchsetzungsvermögen. Mami dagegen entscheidet auch mal schnell über seinen Kopf hinweg, als einzige Familie ohne Zombie darf man in der Nachbarschaft nicht erscheinen.

Fido

Sohnemann Timmy findet in dem gewonnenem Zombie schnell einen verständnisvollen Freund, die Taufe auf Fido folgt sogleich. „Fido“ ist Zombie, Filmtitel, Horrorkomödie in einem. Herzerwärmende Feuerprobe mit lebendigen Untoten, die manchmal den Menschen gefühlstechnisch glatt überlegen sind. In domestizierten Zeiten kämpfen diese gegen den Bann von Mampfen, Fleisch und Gefangenschaft. Vielleicht liegt das Fressen einfach in ihrer Natur.

Trailer: http://www.fidothemovie.com/
Clips: http://www.terrorfeed.com/index.php?id=fido-clip-surprise

0 Responses to “„Fido“ – Angeleinte Zombies in der Vorstadtsiedlung”



  1. Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s





%d Bloggern gefällt das: