Kritik: Weeds („Bärenjagd“)

USA 2005 – 20xx

Weeds

Creator: Jenji Kohan
Darsteller: Mary-Louise Parker, Elizabeth Perkins, Kevin Nealon, Romany Malco, Hunter Parrish, Andy Milder, Alexander Gould, Justin Kirk

Kritik: Zu Zeiten von „Six Feet Under“ kamen lautstarke Rufe an die Öffentlichkeit, die konsequenzenlose Darstellung des örtlichen Drogenkonsums würde schamlos verbreitet und besonders Jugendlichen könnten die wahren Folgen im positiv verbreiteten Hintergrund verborgen bleiben. Hättet ihr nur „Weeds“ abgewartet, liebe Spötter. In den USA längst zur Wunderwaffe der Fernsehanstalten gereift, verbreitet das Erfolgsformat seit 04. April 2007 auch im deutschen Cellulite-Kanal Kifferstimmung. Gras steht hier im wörtlichen Sinne im Vordergrund, sowohl bewachsen als auch abgeholzt. Der Stoff geht in der Nachbarschaft um, einer fiktiven Stadt, mit fiktiven Charakteren und fiktiven Handlungen. So fiktiv gab es lange keine Serie mehr, die volle Überdrehtheit ausnutzend. Unglaublich ist alles an diesem kranken Pflanzenberg, zum Glück mit unwiderstehlicher Kritiklosigkeit.

In dieser Stadt geht alles drunter und drüber. Überraschend stirbt Nancy Botwin (Mary-Louise Parker) der Mann weg, mit ihm gehen die finanziellen Einkünfte über Bord. Sie reagiert spontan. Die Marihuana-Ordnungen der Nachbarschaft würden ihr in kürzester Zeit ein zufrieden stellendes Domizil liefern. Wo könnte sie also besser ein Geschäft aufbauen, als mit den schwarzen Gärtnern nebenan? Der Handel steht und mit ihm die Probleme. Geld genug, Sorgen ade heißt es für Nancy erst recht nicht. Ihre lieben Kinderlein, teilweise im prekären Alter, dürfen von ihren Geschäften schließlich keinen Strohhalm mitbekommen. Aber wie verheimlichen, wenn sogar der Stadtrat Vorräte bunkert?

Berühmt berüchtigt sind die amerikanischen Vororte. Nach „Desperate Housewives“ und „American Beauty“ kein Wunder. Beide gingen auf Konfrontationskurs mit skurrilen Lebensträumen, Daseins-Exzessen und Wunderpillen. Abzukratzen war in dieser Gemeinschaft nicht mehr ausreichend, Bestattungsunternehmen seit dem Ende von „Six Feet Under“ nur oberflächlich geöffnet. Die Wurzeln von „Weeds“ mussten die grenzenlose Kontrolle mit dem Traummittelchen Nummer 1 besser untergraben. Entzückend kurz darf sich der Zuschauer wöchentlich in die Serie hineinversetzen, unzureichende 30 Minuten, wie man meinen könnte. Es sind Minuten der Unwirklichkeit. Im Sekundentakt peitschen Surrealitäten, Knuddelbären mit Kameraunterstützung, Dachumwälzungen, Deals, Paintball-Pistolen-Attacken und freizügige Entgleisungen aufeinander.

Helfen kann man sich kaum. Was sollte man von dem ununterdrückten Rauschgiftkonsum halten? Die Frage steht, fällt in Sekunden wieder aus dem Rahmen. Wo war die direkte Einnahme hin? Verrückt in Kreisen permanenten Handels steht „Weeds“ in proletarischer Manie neben sich. Die ganze Familie, Freunde und Nachbarn sind verrückt. Herrlich punktiert spielt Mary-Louise Parker mit ahnungslosen Rehaugen und doch rasiermesserscharfen Blick die Hausfrauendealerin. Zwischendrin mischt sich auf dramatischen Bahnen leichte Verzweifelung ein, Gott, ihr Mann war doch gestorben. Während dröhnende Dialoge ankommen fällt der tränenreiche Teil in „Desperate Housewives“-Verzweiflungstour ab. Dank den Drehbuchautoren in einer halben Stunde für umgerechnet zwei Millisekunden. Noch mal glücklich weggekommen.

Fazit: Knalliger Grashandel mit Freiflugsgefahr. Entzückend poppig und kurz angebunden und dabei so abgehoben, wie selten eine Serie zuvor. Hausfrauen, kratzt die Vorortkurve.

Autorin

2 Responses to “Kritik: Weeds („Bärenjagd“)”


  1. 1 fernseherin April 6, 2007 um 5:44 pm

    Den kurzen Abstecher ins Drama (z.B. als die Parker auf einmal zu heulen anfängt und sich von ihrem Zulieferer trösten lässt) fand ich auch eher mau bzw unglaubwürdig.
    Aber bis jetzt wirkt die Serie insgesamt ganz nett. Nichts atemberaubend Neues vielleicht, aber gute Darsteller, süße Rotzblagen und nette Neurosen.
    Wobei mir die erste Staffel der Housewives (die zweite habe ich noch nicht gesehen) schon deutlich schwärzer und pointierter als Weeds vorkam. Mir war’s auch ein bisschen zu kurz am Mittwoch, um wirklich zu merken, ob ich mich mit den Figuren auf Dauer genug identifizieren (bzw sie hassen) kann.

    Naja, wir werden sehen.🙂

  2. 2 Soraly April 6, 2007 um 5:49 pm

    Die Hausfrauen haben sich bei mir nach zwei Staffeln abgetragen, und ziehen zum Großteil ihren Humor eher auf Krampf hinaus. Deswegen bin ich lieber wieder zu „House“ gewechselt.

    „Weeds“ kommt hoffentlich über die gelungene erste Folge. Genügend Potential besteht in jedem Fall, Bedenken habe ich, ob jede Folge so straff und pointiert durchgezogen werden kann.


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