Andreas Gursky – Manipulative Bildwirbel

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Gursky im Haus der Kunst

Noch bis zum 13.Mai 2007 findet im Münchener „Haus der Kunst“ eine umfassende Ausstellung des renommierten Fotografen Andreas Gursky statt. Fünfzig Werke aus 18 Jahren bietet die großräumig angelegte Galerie, mitsamt speziell vergrößerten Aufnahmen, seiner Detailtreue noch gerechter werdend. Gursky strikt seine Werke in digitalen Realitäten, verschaufelt unzählige Bilder zu einem Gesamtwerk übernatürlichen Ausmaßes. Oftmals beginnt geradezu die Suche nach versteckten Schnitten, Punkten der Zusammensetzung. Falls ein Wort beinahe verpönend wirken würde, wäre es seine Schnappschüsse als bloße Collagen hinzustellen, fast als möge man die Leistungen eines herausragenden deutschen Fotografen in den Reißwolf werfen. Die Perspektiven sind ungewöhnlich, nie an einem Detail festhaltend, blickend auf die Natur des Ganzen, wie im Nahen auf viele geteilte Eckpunkte. Von weitem wirkt ein vollkommener Guss, manch seltsam anmutende Schnörkel, denen eines Malers wenig entfernt.

Bahrain Engadin Untitled XV Paris

Einen Höhepunkt bilden die, auf dunklem Hintergrund sterilisierten Boxenstopps. Leuchtend geben sich die Mannen immer zweier Formel-1-Teams dem Treiben hin, verharren in ihren Positionen und bilden in oberflächlichen und doch leichten, dem Menschen dahinter kein Erkennen gebenden, Posen, graziöse Erscheinungen. Ein andermal sticht die kreative Unübersichtlichkeit Bahrains schwarze Kurvenanblicke aus. Die Wagen weniger Mannschaften kleben klein gefegt auf dem Asphalt, umgeben von der unendlichen Wüstenlandschaft. Überhaupt bildet das Zentrum von Andreas Gurskys ausgestellten Vermächtnissen Szenen sportlicher Betätigungen und in sich übergreifenden Landschaftsaufnahmen. Sportlich erscheint nicht nur der steile Anstieg hunderter Höhenmeter einer Tour-de-France-Etappe, selbst die Massenkonzeption von Fans eines „Tote Hosen“-Konzerts strahlt einen unwirklichen Siegeswillen im vereinten Gebiet aus. Arme recken sich in die Höhe, Adler der „Hosen“ prangen blendend weiß auf T-Shirts.

Kamiokande Ruhrtal Rhein

In der wüstenhaften Beschaffenheit der deutschen Börse fetzen Papierstücke in der Luft umher, Scheichs sitzen gelassen, ihr Tagesgeschäft verrichtend, auf den Tischen im Stock-Market. Gurskys Bilder strotzen vor Unrealismus und gleichzeitiger räumlicher Dehnung auf schier endlosem Parkett. Immer wieder geht er in eine allumfassende Ansicht, die von einer genauen Innenansicht ausgeleuchtet wird. Ein Puzzlespiel nach dem nächsten markanten Detail beginnt. „Kamiokande“ zeichnet ohne jegliche digitale Verwischungen und Nachbearbeitungen mit eine der surrealsten Tendenzen in Gurskys bisherigen Werken. „In einem Tank mit 3000 Tonnen hochreinem Wasser befinden sich ca. 1000 Photomultiplier, die die Tscherenkow-Strahlung von Elektronen, die durch Wechselwirkung mit Neutrinos beschleunigt wurden, registrieren.“ Die paddelnde Menschengestalt zieht zierlich, fern eines deformierten Videospiels, ihre Bahnen im Schein gelber Knöpfe. Eine ängstigende Stimmung verwandelt die Tiefe des Kanisters in bedrängende Säbel, jeden Moment bereit herauszufahren oder in sich zusammen zu sinken. Perfektionismus sprießt besonders aus diesem Bild, doch Gursky bietet so viel mehr in jedem Versatzstück der Kleinigkeiten. Unbedingt Sehenswert.

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