Im Aufwind des deutschen Films

Florian Henckel von Donnersmarck steht für eine Sensation im deutschen Film, die schon mit “Der Untergang” erkenntlich wurde. „Das Leben der Anderen“ sackte im März diesen Jahres den Oscar für den besten fremdsprachigen Film ein, der Hattrick der Nominierungen („Der Untergang“ und „Sophie Scholl“ erhielten ebenfalls eine Ehrerbietung) wurde aufgebrochen in einen überraschenden Siegesgenuss. 32 internationale Auszeichnungen später beginnt die neue Freiheit, ein Leben nach Klamauk und düsterem deutschlangweiligen Dasein. Plötzlich strotzen Regisseure vor Ideen, sprießen im Funkenflug der ausländischen Erkenntnis in immer frischere Abenteuer. Natürlich entsteht in diesem Kontext die Frage: „Hey, wann geht’s auf nach Hollywood?“. Donnersmarck wagte kürzlich die weltumspannende Reise, nennt in diesen Tagen sogar im Beverly Wilshire Hotel eine Suite in Los Angeles sein Eigen. Er ist nicht der Erste und sicherlich nicht der letzte, entschloss sich der türkisch-deutsche Regisseur Mennan Yapo zuletzt nach seinem Amerika-Debüt „Premonition“ gleich strikt dort anzubandeln.

Stehen Erfolg und Kohle auf der Matte, würde jedermann höchstmögliche Chancenverwertung betreiben, Heimatland hin oder her. Im Falle der Deutschen liegt jedoch das Stichwort „Leben“ im Vordergrund. Welche Aufstiegsmöglichkeiten besitzt ein junger Bengel nach seinem Erstlingswerk? Geldverdienen als Regisseur? Fehlanzeige. Werbung, Klingel-Bingel Fernsehproduktionen und alberne Talkshowauftritte. Ein Auslandsaufenthalt in Ewigkeiten stürmt natürlich viel eher die Fronten, bieten England, Amerika, Frankreich gehaltvolle Zukunftsaussichten. Beschränkt sind hierzulande sogar die Gehälter, selbst bei kommerziellen Bumerangen mit Millionengewinn und tausendfacher Publikumspopulation. Regelungen gibt es in Good Old Germany für die Gage eines Regisseurs. Einfache Techniker stellen sie dar, Designer, Tontechniker, alles ein und dieselbe Sparte. Große Freiheiten sollte man ebenfalls nicht ansteuern, übernimmt der ranghöhere Produzent den finalen Schnitt, zerschnippelt das Eigentum eines Anderen in karierte Muster.

Frankreich garantiert dem Regisseur die Endfassung eines Films per Gesetz, Amerika stellt einen umfassenden „Directer’s Cut“ zur Verfügung, Deutschland nimmt letzteres noch nicht einmal im Angesicht des Teufels zur Geltung. „Bezahlt wie Scheiß“ sagte Oliver Hirschbiegel noch so schön, bevor er an amerikanischer Luft schnupperte. Ob alle Probleme durch einen flinken Abschied beseitigt werden steht trotz allem in den Sternen. Hirschbiegel beendete sein Projekt „Invasion“ mit Daniel Craig und Nicole Kidman zwar, rumgebastelt wird mit anderem Regisseur aber bis heute. Schöneres und besseres Amerika? Naja.

Ohne die über 260 Millionen Euro Filmförderung jedes Jahr hätte keiner der genannten Regisseure jemals Fuß auf amerikanischen Steppenland setzen können. 2007 schlägt man wiederum 60 Millionen auf, will man den guten internationalen Ruf nicht von Heute auf Morgen verlieren, die vergangen Jahre in die Mülltonne treten. Film in Deutschland soll boomen, die Marktanteile sprießen, Hollywood übersiedeln. Einschränkungen wollen weder Regisseur, noch Verleiher hinnehmen, es kommt schlicht zum Clinch zwischen Kunst und Kommerz. In Verträgen verpflichtet sich ein Newcomer, schließlich möchte endlich ein Mensch seine Vision in handfeste Arbeit umsetzen, den Reglements eines Wirtschaftlers. Wie sollte das funktionieren? Es gibt keine Form des „Hand in Hand“ im deutschen Markt, zumindest nicht im deutschen Film. Wege führen aneinander vorbei, statt sich zu kreuzen, Gegner zehren am Strang, die Richtungen gehen dabei allerdings weit auseinander. Kunst muss billig sein, publikumsgerecht ist sie laut Meinung eines Verleihers nie.

”Independent”, ein Wort, dass sich in Amerika durchsetzte, ohne es zu wollen. Ist es zum größten Teil Kunstwort und steht der Realität, leider, entgegen. Produktionen die vollkommen frei von Bandagen verlaufen sind nicht weniger Rar geworden, als in der Vergangenheit. Bei dem Blick auf Deutschland verändert sich höchstens das Ausrottungspotential. Sagt man Hollywood schon Geldmacherei nach, was darf hierzulande ein gerechtfertigtes Schimpfwort sein?

0 Responses to “Im Aufwind des deutschen Films”



  1. Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s





%d Bloggern gefällt das: