Grün, grüner die Scheine nie blühen

Hollywoods Pharmaindustrie hat bekanntlich ein merkwürdiges Verhältnis zu den Sommermonaten, den sonnigen (bald noch mehr), heißen (bald noch mehr) und trockenen (bald noch mehr). In den vergangenen Jahren konnten sie ihr Faible nicht ganz genießen, zogen potentielle Kinogänger die Pyjamahose lieber runter oder wieder an oder ließen es gleich komplett bleiben. Absurd hohe Ticketpreise, unorganisiertes Kinopersonal, überlange Werbeeinlagen und sonstige Schnickelchen überreizten die ohnehin strapazierten Menschen. Kino, das ist ein Begriff, der in Unterhaltung mündete, dem Abschalten vom Alltag und der grenzenlos fessellosen Gestaltung der eigenen Freizeit. Abgesehen von riesigen Multiplexkinos, deren Publikum die Grenzen des rumpelnden Schmatzens neu erfand, ist der regelmäßige und vorbereitete (es soll auch die spontanen Versuche eines gelungenen Abends geben, nur das Kino, ja, das ist nun nicht für diese Art der Penetration gedacht) Teilnehmer vom Kulturtreff Nummer 1 an einer Unterhaltung versucht, die über vorstellbare Abzäunungen hinausgeht. Aber zur Sommerzeit schließt diese Spezies die Tore des Wunderreiches, rückt auf digitale Medien aus, wandert ins Ausland und vergisst kurzzeitig die Monate der Verzweifelung.

Anspruch in der erwähnten Zeit des Jahres zu finden wird immer schwerer und so geht der Weg zum bewegten Epos, der die Breite von zwei normalen Spielfilmen abdecken könnte. Umso teurer perlt das witzige Spektakel natürlich auch und, was könnte für einen jeden Kinobetreiber wichtiger sein, die Kasse klingelt. Das Bimmeln dieses Jahres wird leicht lauter ausfallen. Schuld daran ist die gelobte dritte Generation. „Spider-Man 3“, „Shrek der Dritte“, „Fluch der Karibik – Am Ende der Welt“, „Bourne Ultimatum“, „Ocean’s Thirteen“ und „Rush Hour 3“. Es wird ein ungeahnter Kampf an den Kinokassen ausbrechen, und schätzungsweise werden Scharren von Besuchern die stickigen engen Räume aufsuchen, um sich an einem Fest der Sinne zu berauschen. Aber, vieles kann nach hinten losgehen. Nicht alle Kandidaten haben die Projektionsfläche für viele Besucher. Ein „Transformers“ widerlegt sogar die Einschränkungen jedweder Zielgruppe. Ist er ein Film für Kinder? Für Erwachsene? Für Jugendliche? Am ehesten für letztere, doch jene allein kann nicht die Supermillion bringen, die er zu erfühlen gedachte. Mehrere Animationsschinken in kurzen Abständen zu zersetzen ist ebenfalls ein missratener Schachzug. „Shrek“ duelliert sich mit dem sehr starken „Ratatouille“, dazwischen schneit „Surf’s Up“ in die Lichtspielhäuser, nicht zu vergessen „Die Simpsons“.

  • Disney – „Fluch der Karibik – Am Ende der Welt“, „Ratatouille“
  • Sony – „Spider-Man 3“, „Surf’s Up“
  • Universal – „Bourne Ultimatum“, „Evan Almighty“
  • Warner Bros – „Harry Potter“, „Ocean’s 13“, „Invasion“
  • DreamWorks – „Shrek der Dritte“, „Transformers“
  • New Line – „Rush Hour 3“, „Hairspray“
  • Fox – „Fantastic Four 2“, „Stirb Langsam 4.0“, „Die Simpsons“

Das Hauptspektrum der erwartungsvollen Einbringer beschränkt sich fast gänzlich auf fantastisches, paranormales und unendliche Weiten. Sie zeigen Helden mit unglaublichen Fähigkeiten („Spider-Man 3“), verhexte Bande in einer anderen, der unseren, fernen und doch so nahen, Welt („Harry Potter und der Orden des Phönix“) und treibende Geschichten eines geschichtlich lang entlegenen Kosmos („Fluch der Karibik – Am Ende der Welt“). Ein Kampf der Filmstudios wird beginnen, den großen Wurf zu landen. Beinahe jedes hat einen Spitzenreiter am Start und mit schier identischen Startterminen könnten Zeichen für die zukünftige Entwicklung des Filmes gestartet werden. Verdienen ausgeglichene Studios mehr, so führt ein zunehmender Betrag auch in die Produktion von kleineren Arthouse-Filmen. Ein Ergebnis dieser Art würde somit nicht nur den insgesamten Fluss aufpolieren, es könnte auch wegweisend für eine bessere Mischung aus „Groß“ und „Klein“, „Unterhaltend“ und „Anspruchsvoll“ werden. Natürlich wird der höchste Abwurf weiterhin mithilfe von familienförderlichen Beiträgen erfolgen, doch man sollte niemals vergessen: „Anspruchsvoll“ birgt die Nominierung bei den ranghohen „Academy Awards“ und diese bringen ebenfalls Zuschauer. Mehr als man denkt.

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1 Response to “Grün, grüner die Scheine nie blühen”


  1. 1 Twig April 27, 2007 um 5:57 pm

    Wirklich schön geschrieben, liebe Soraly.

    Dieses Jahr steht der Sommer ganz im Zeichen der Blockbuster.
    Und schon jetzt stellt sich die Frage: Wer wird als Sieger hervorgehen, in der Schlacht des Erfolges?

    „Spider-Man 3“ oder „Fluch der Karibik – Am Ende der Welt“ werden auf die ersten zwei Plätze kommen. Doch wer wird erfolgreicher? Die Qualität wird hier nicht siegen.
    Captain Jack Sparrow wird sicherlich auf Platz 1 segeln, und Spider-Man ganz knapp hinter sich lassen.
    Erfolge verspricht auch noch der neue Potter, der dritte Shrek und natürlich der heiß erwartete neue Pixar: „Ratatouille“.

    Dennoch werden einige Blockbuster floppen:

    Michael Bay wird nach seinem ersten richtig guten Film „Die Insel“ (dennoch gefloppt!),sicherlich mit „Transformers“ wieder baden gehen.
    Zudem hat es Bruce Willis in „Stirb Langsam 4.0“ und Jackie Chan in „Rush Hour 3“ auch nicht gerade leicht.

    Wir dürfen also richtig gespannt sein!


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