Archiv für Juni 2007

Kritik: Delirious

USA 2006
Start: xx.xx.07

Delirious

Regie: Tom DiCillo
Drehbuch: Tom DiCillo
Darsteller: Steve Buscemi, Michael Pitt, Alison Lohman, Marcus Collins, Kevin Corrigan, Joe D’Onofrio, Billy Griffith, Elvis Costello, Melissa Rauch, Richard Short

8/10 Punkte

Kritik: Aufschlag, Start-Ziel-Sieg. Lehr gezogen von halbgaren Komödien-Anwärtern ist das herrliche Land des Kinos immer auf den nächsten absurden Erfolg aus, schreibt Drehbücher im Fortsetzungswahn, bezahlt Millionen für teilnehmende Megastars und erzählt die witzigen Eigenarten und Tragödien seiner Hauptdarsteller. Die Komödie ist nicht mehr, was sie einmal war, sie amüsiert nicht mehr, sie bringt keine neuen Ideen, ihr Grundgerüst zur Unterhaltung ist verfallen. Erst die Mannen Tom DiCillo und Steve Buscemi bimmeln wieder mit den Lockstoffen einer kleinen, satirischen Komödienmischung, die von mehreren Regisseuren im unlauteren Wettbewerb entweder versauert oder tyrannisch missgestaltet worden wäre. Insgeheim bleibt sie beileibe immer die inoffizielle Nachfolge des größten Filmmacherfilms aller Zeiten „Living in Oblivion“, doch „Delirious“, der Titel ist Programm, schlägt außer sich vor Paparazzizorn, kratzt gewieft und ohne falsches Mitleid an der Oberfläche der Klitzerwelt im schreienden Bass seines Schnellfotofritzen.

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Kritik: Frownland

USA 2007
Start: xx.xx.07

Regie: Ronald Bronstein
Drehbuch: Ronald Bronstein
Darsteller: Dore Mann, Paul Grimstad, David Sandholm, Carmine Marino, Paul Grant, Mary Wall

1/10 Punkte

Kritik: Entfällt. Offiziell ist es eine Schande in jedem Falle eine Kritik über einen Film zu erwarten, der erst gar keine Berechtigung erhalten sollten, in jeglicher Form die Lichtspielhäuser oder Fernsehapparate zu beleuchten. Es ist eine Zwangsmaßnahme Zuschauer, Journalisten, die Welt für zwei Stunden in ein grausames Fragment schlechten filmischen Glaubens entführen zu wollen und dato im Nachhinein der Erwartung beizupflichten diesem Independentfilm eine positive Stellungnahme abzuringen. Es mag sich um eine internationale Premiere gehandelt haben, mehr als ein Dutzend Zuschauer, in den meisten Fällen ein schönes Bändchen tragend, ließen sich von dieser Tatsache im Übrigen zum Glück davon nicht abbringen den Saal mitten, meist nach einer Stunde Spielzeit, zu verlassen. „Frownland“ ist ein Stück Zeit und Filmgeschichte, dass schon während dem Genuss gerne vergessen werden möchte und die nächst beste Schublade im Wirbel von Schmierblättern in Angriff nehmen sollte.

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Grußandenken Live

Frau Soraly bloggt live, vollkommen live vom Ball, vom Filmfest-München. Gemütlich rekelt sie sich momentan, in Vorbereitung auf ihren nächsten Film, Mika Kaurismäkis „Sonic Mirror“, im Gasteig, bis sie dann endlich Einlass in den Carl-Orff-Saal finden darf. Hervorragend darf angemerkt werden: die Verbindung steht 1a und ohne Schnörkel kostenlos zur Verfügung, nennt sich bereitwillig sogar „Filmfest-Openaccess“. Das freut Frau Soraly und ihre fleißige Kritikerhand, die gerade an „Mirikitanis Katzen“ und „Frownland“ ihre unschuldigen Finger auslässt.

Kritik: Amazing Grace

USA, Großbritannien 2006
Start: xx.xx.07

Amazing Grace

Regie: Michael Apted
Drehbuch: Steven Knight
Darsteller: Ioan Gruffudd, Romola Garai, Albert Finney, Benedict Cumberbatch, Michael Gambon, Rufus Sewell, Youssou N’Dour, Ciaran Hinds, Toby Jones, Jeremy Swift, Bill Paterson

7/10 Punkte

Kritik: In Jahren vor „Shakespeare in Love“, großen idealistischen Kostümschinken wäre die alte Schule von „Amazing Grace“ womöglich zu Ruhm und Prunk aufgestiegen, hätte einige Auszeichnungen gewonnen, Bekanntheit und ein Denkmahl für William Wilberforce, den Verfechter gegen Sklaventum, geschaffen. Heutzutage ist die Arbeit hinter werktreuen Geschichtsstunden schmal geworden und zu mühevoll und aufwendig, als das es sich in Hinblick auf Besucherzahlen rentieren könnte einen derartigen Film in die Säle und Häuser der bekannten Schauspielhäuser zu manövrieren. Ein Land ohne Rückzieher in dieser Beziehung wird bis in die morgigen Stunden Großbritannien bleiben, angereichert in altbekannten Traditionen und dem Willen die eigene Geschichte in allen Hinsichten auf die Leinwand zu beschwören. Vergangenheit beschwört Tugenden, gute und erwürdige, in die Köpfe der Menschen, so sollte das Kino tanzen mit den machtvollen Figuren, die ehemals wahre Helden repräsentierten, eigenes Leben und Tragen einer Gesamtheit opferten.

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Kritik: You Kill Me

USA 2007
Start: xx.xx.07

You Kill Me

Regie: John Dahl
Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely
Darsteller: Ben Kingsley, Tea Leoni, Bill Pullman, Luke Wilson, Philip Baker Hall, Scott Heindl, Dennis Farina, Aaron Hughes, Katie Messina, Marcus Thomas

7/10 Punkte

Kritik: Es muss sich schon um eine seelische ganz und gar zerklüftete Person handeln, die den Gehweg einzig nur vom Schnee im schönen Buffalo, New York befreit, weil die Alkoholflasche nach jedem Nippen ein Stück weiter gen Richtung Straße fliegt. Frank Falenczyk (Ben Kingsley) ist Auftragsmörder und Alkoholiker in einer Person. Und er hat ein schwer trabendes Problem: seine Sucht macht die schnöde Arbeit schier unmöglich. In seiner Trunkenheit verschläft er Ermordungen, kann dem eigentlichen Geldeintreiben schwerlich und selten ernsthaft nachgehen. Für seinen Boss (Philip Baker Hall) ein Mittel zum Zweck. Frank soll endlich die Nase von der Flasche hängen und setzt ihn zwecks Entsaufungskur in den nächst besten Flieger nach San Fransisco. Verfolgt von Pate Dave (Bill Pullman), der als Aufpassermutti fungiert und Frank strickt bei den anonymen Alkoholikern und im neuen Berufszweig der Einbalsamierer sehen möchte, gibt es keine Wahl oder einen Ausweg aus der Misere. Frank muss sich unterstellen, während in New York die Fette steigt.

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Kritik: Rescue Dawn

CEREALITY erreicht ihr ab sofort mit Schmackes und Visionen unter: http://www.cereality.net/

USA 2006
Start: xx.xx.07

Rescue Dawn

Regie: Werner Herzog
Drehbuch: Werner Herzog
Darsteller: Christian Bale, Steve Zahn, Jeremy Davies, Marshall Bell, Craig Gellis, Zach Grenier, Pat Healy, Toby Huss

7/10 Punkte

Kritik: Traumatisch pirscht das Gefühl der puren Hilflosigkeit durch den Kopf, Hilfeschreie gehen im Dickicht des gnadenlosen Jungle-Grüns unter, Rettung verzagt im weiten Lande Laos. Ein Alptraum im Gebiet des Menschen, Kraftlosigkeit, Angst erzeugend, unendlich ermüdend. Moralische Fragen gehen im Geiste auf, die eigene Existenz betreffend. Versagensängste meilenweit, wenige Mannen mit Mut und Verlangen auszubrechen gesegnet. Dieter Dengler, spätestens bekannt seit Werner Herzogs Dokumentation „Little Dieter Needs to Fly“ („Fluch aus Laos“), erlebte das grausamste, für den Menschen jemals Vorstellbare in den eingekerkerten Monaten im Sumpfe des Vietnamkriegs. Verwunderlich presst Herzog im puren Spielfilm „Rescue Dawn“ letzte Gehalte aus dem spannenden Stoff hinaus, setzt nach, wo alles in freier, belebender Dokumentation gesagt worden war. Unruhig kauert von realen Geschehnissen inspiriert ein amerikanischer, ein Hollywoodfilm in der herzogischen brillanten Filmographie. Beileibe „Rescue Dawn“ zeigt eine Spur bekannter Qualitäten, legitim den Kinski-Nachfolger Christian Bale ausrufend, malt Gefangenschaft, Schreckgespenste nach. Fehlend in der zutiefst menschlichen Geschichte bildet sich jedoch keine rechte Emotionalität aus, tröpfelt der Film manchmal nur umher.

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Fotoverzerrungen

In Wirklichkeit, schwört Frau Soraly nach dem gestrigem Live-Seh-und-Hörgenuss, sieht er doch eigentlich ganz nett aus, der Werner Herzog.

Werner Herzog