Kritik: Spiel auf Zeit

Snake Eyes
USA 1998
Start: 19.11.98

Spiel auf Zeit

Regie: Brian de Palma
Drehbuch: Brian de Palma, David Koepp
Darsteller: Nicolas Cage, Gary Sinise, John Heard, Carla Gugino, Stan Shaw, Kevin Dunn, Michael Rispoli, Joel Fabiani, Luis Guzman

4/10 Punkte

Kritik: Eines könnte von „Spiel auf Zeit“ titelgerecht vernommen werden. Filmisch umgesetzt spielt Brian de Palma nicht auf Zeit, eher mit dem impertinenten Musikgeschwurbel. Es hält den Zuschauer dererlei gefangen, er kann auf den ersten Blick nur Cage und der Meute, den boxenden Widerlingen, der nichts sagenden Geschichte, folgen. Von Beginn an schließt de Palma Gehirn und Sehnsüchte aus dem Kram, den er so schön zusammenbrüht, aus. Eigentlich verzichtet er nach den ersten furiosen 15 Minuten auf klassische Thrillerelemente oder vollkommene Spannung, er erzeugt ein gähnendes Messinstrument für seine eigenen Künste, ungeschönt, ohne Verwechselungen, ohne Schnörkel. Anderswo hätte sich der Zuschauer Verliebtheit gewünscht, hier bekommt er alles und so viel Palma, dass er das luftige Hawaii mitsamt seiner Palmen fürchten müsste.

Ja, eigentlich beginnt das Spiel mit dem zeitlichen Ritus (obwohl der zeitliche Kontext zum trotze irrelevant daherkommt) im hitzigen Kamerashot, einem der fast über 15 Minuten (man bemerke: der Rest hätte auf diese Weise scheinbar Klasse bewahren können) seine Kreise zieht. Nicolas Cage tanzt einmal mehr, findet keinen Gesprächspartner, plappert umher. Dementsprechend gibt er sich nervtötend wie immer. Nur, hier bemerkt der Zuschauer es noch nicht. Es stimmt an allen Ecken und Kanten. Es schwindet jeder Schnitt (sofern ein Cutter einen hineingepackt hat), die Kamera schwirrt im Tumult des Boxkampfes, im losgelösten Wettgeschäft. Frauen werden grob angepackt, Cage spielt auf Super-Cop, auf den großartigen Macker, der niemandem untersteht. Und der Kampf erst, das ausflippende Publikum, die Ausflüchte aus Realität und Wahnsinn, das Kloppen zweier Männer sehend.

Und der Abgang erst. Das fallende Stück Zelluloid, von de Palma angestiftet. Findet in anderen Steinen der Showdown im fallenden Vorhang, respektive den letzten Minuten oder dem Höhepunkt statt, schmeißt de Palma in diesen 15 Minuten seine Karten auf den Tisch. Ein schönes Blatt wäre das gewesen, ohne die folgenden 80 Minuten, die in Punkto Einfallslosigkeit Roulette spielen. Konjunktiv eben. Cage ist ganz wunderbar in der Rolle des zerfressenen und doch gar nicht so geldgierigen Polizisten Rick Santoro, zuerst griffig und kühl, dann einfühlsam und verständig. Irgendwo auf der Seite steht ein Gary Sinise, Offizier der US Navy, bös blickend und dahinter eine Frau. Mit jener passiert der gleiche Fall, wie in allen Untergängen der Männerära, die Liebe kommt und zerreißt die Geduldstränge.

Ob die Frau dem „Spiel auf Zeit“ eine gefährliche Note als hilfloser Schutzengel bieten sollte? De Palma mixt seinen schnellen Szenencocktail, manches Mal kann die Figurenzeichnung schon auf der Strecke bleiben. All das interessiert ihn herrlich wenig, obwohl ihm das Resultat hätte klar sein müssen. Der Film ist eine einzige Farce, technisch brillant schnörkelt er seine Actionsequenzen lieblos tausende Wendepunkte später und fährt auf das Gedrehte sichtbar ab. Eine Erwähnung für das Ende braucht in diesem Kontext nicht zu fallen. Nach 15 Minuten ist komplett die Handlung abgelaufen. Da fällt nicht nur der Boxer aus dem Rahmen, wird vom falschen Spiel enttarnt.

Autorin

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