Kritik: Ocean’s Thirteen

USA 2007
Start: 06.06.07

Ocean’s Thirteen

Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Brian Koppelman, David Levien
Darsteller: George Clooney, Brad Pitt, Matt Damon, Michael Mantell, Elliott Gould, Ray Xifo, Al Pacino, Don Cheadle, Eddie Jemison, Shaobo Qin, Casey Affleck, Scott Caan, Bernie Mac, Carl Reineer

6/10 Punkte

Kritik: Diszipliniert kann Steven Soderbergh seine Zügel für „Ocean’s Thirteen“ gelassen im Wagenrad bei einem guten Wein ziehen lassen. Gebacken wurde der Kuchen bisher von den schlecht bezahlten Schützlingen, lecker ziehend dampften Clooney und Co. in einer amüsanten Wonne in schlürfenden Casinos, tapsten erfreut und relaxt umher. Alle Kartenhäuser, die dem Raub bislang entgangen sind, werden nun abgeräumt, im vielleicht letzten Teil. Da auf die Bestätigung noch gewartet werden müsste, hält Soderbergh den Coup der Oceans wie oftmals komplett offen. Doch ehrlich: Casinos gibt’s en masse. Demnach steht einer weiteren Fortsetzung rein gedanklich nichts im Weg, marketingtechnisch sollte das Spiel aber dem Ende entgegenstehen. Bereits die abstrakten Zwölf zogen dem großen Geldgewinn die goldenen Scheine unter den Füßen hinein ins monströse Loch, Schauspielerspaß half längst keinen Deut mehr im Business der Frechdachse. Spaß als Hauptgenuss entsteht heutzutage in entlegeneren Gegenden als dem Sündenpfuhl Hollywoods, dem trockenen Kontext zwischen Oscar und Massenpublikum. In welcher Kategorie findet sich nun „Ocean’s Thirteen“ wider, Komödie, gleichsam Thrillerbestandteile, geknebelt ohne typische Genreelemente?

Entraubt strotzt die modele reine Welt im teuren Glanzland von Las Vegas von alter Trachtprügel und dem neuem korrumpierten Willie Bank (Al Pacino), Herr der „Bank“, einer geschwungenen Luxusjacht im Casinomilieu, ein aufbauendes und bald prämiertes Säbelspielmaschinenhaus und -hotel. Hilfeleistungen in der millionschweren Planungsphase nahm Bank an, zahlte sie in menschlicher Zerstörungswut zurück. Geld genügt nicht um all die teuren Güter zu erkaufen, starke Charakterzüge müssen hinzugefügt werden. Eigentlich Mitkäufer und Teilhaber Reuben Tishkoff (Elliot Gould) übersah mehrere Kleinigkeiten, tritt infolge Banks Präsenz in mehrere Fettnäpfchen, verwandelt sich in eine seelisch verlorene Gestalt ohne Freudengefühle. Natürlich, wer könnte sich diese Aktion weniger gefallen lassen, als die berühmt-berüchtigten Oceans? Danny (George Clooney) trommelt sie alle (Brad Pitt, Matt Damon, Don Cheadle, Bernie Mac, Casey Affleck, Scott Caan, Carl Reiner, Eddie Jemison, Shaobo Qin) für den Coup des Jahrhunderts, einer wohl strukturierten Enthauptung zusammen, fragt bei Erzfeind Terry Benedict (Andy Garcia) in Verzweiflung des Geldmangels sogar an. Ein tiefgehender Bohrer soll zum Casino am Eröffnungstag durchbrechen, Schwingungen erzeugen, die unbeholfene Erdbeben erschaffen und den intelligenten Supercomputer zum Schweigen bringen.

Soderbergh pirschte sie wieder und wieder zusammen, eine entschlackende Jungfernkur für harte Arbeitszeiten, Clooneys Politikbereitschaft, Pitts Babygemeinschaft, erbarmungslose Stunden für jeden Hollywoodstar im „harten“ Kampf von und mit Strapazen. Collagen von Kamerafahrten werfen von selbst den Blick auf Teil 1, schnelle Ballereien oder Spannungselemente fehlen dagegen in dem neuen Cliquenwurf komplett. Ärgerlich für die meisten eben ausgehenden Überraschungen, zum teilweise faden Nachgeschmack beitragend. Langeweile und unvorhergesehene Zierde gibt es im wahllosen Geflecht von amüsierenden Performanceeinlagen zur Genüge, wahlweise zähe Lücken in der „Story“. Jene erfüllt Sinn und Zweck von perforierten Showeinlagen, spannt eine erdumfassende (bitte, Mexiko schlägt ein) Botschaft zum gelungenen Coup im Casino aus. „Ocean’s Thirteen“ geltend als Mixtur Kothrilödie ist entgegen dessen nicht dem Untergang, viel eher nur der bloßen Zurschaustellung seiner Schauspieler, geweiht. Eine Spaßgesellschaft wie eh und je, nichts mehr, kein Ton weniger, belanglos in allen Formen, selbst der schlichten Unterhaltung. Anders ausgedrückt: Teil 1, nur eine Spur heller, langsamer.

Hochklassig ausgestopft verkommt „Ocean’s Thirteen“ gerne zum offiziellen Push-Up-Nebenprodukt der Schönheitsindustrie. Keiner kann beim Anblick der (ausgehend von natürlich) uralten Ellen Barkin nicht eine kleine Träne des geheuchelten Leides verdrücken, eine Performance die dem Begriff „ad absurda“ neue Bahnen abgewinnt. Barkins Tittenkostüm, „reichhaltig“ stofflos im flauschigen rosa, kaschiert keine Menge an Falten oder den Lumpen hängenden Fleisches, die Wahrheit in Form einer kuriosen (wer sie dazu wohl angetrieben hat) Schönheitsoperation noch weniger. Den Plural sollte man sich in Hinblick ihrer losen Gesichtsadaption fürs erste aufsparen. Emotionslos spurtet sie wie ein gerührter Milchshake durch Matt Damons Nase, kriecht vor Al Pacino hernieder, robbt ansonsten durch Casino und Spielvirtuosen. Scheinheilig kann die Behauptung nachgereicht werden, ihr Auftritt stimmt „Ocean’s Thirteen“ eine Spur amüsanter. Ebenfalls könnte dies unterstrichen werden, ist ihr Bild einer Frau nicht nur das einzige (Teil 1 und 2 boten allerwenigstens Julia Roberts und Catherine Zeta-Jones), sondern ebenfalls eine Tarnung, den Frauenkörper leidig hervorzuheben.

Entgegen dessen sollte „Ocean’s Thirteen“ kleinlaut einfach und schlicht die Beschreibung „Frauenfilm“ tragen. Sicherlich, kein Kitsch, Herzschmerz ironisch gesetzt, reitende Cowboys fehlen resolut. George Clooney, Brad Pitt, Andy Garcia, Al Pacino, Matt Damon, Don Cheadle, Scoot Caan, Casey Affleck, Frauen jeden Alters werden (bewusst oder unbewusst) im Kino mit schnieken Männerstatuten bedient, keine Fassung eines Typus ausgelassen. Entgegen der beiden Vorgänger scheut Soderbergh nicht den Griff zum nächsten Kompott, dem leicht angesäuerten Al Pacino, der weniger schauspielert (obwohl dies der ganzen Bande anzumäkeln gewesen wäre), viel eher im vollen Flug auf gut bezahlten Autopilot die Turbinen lenkt. Pacinos Kultjahre, beziehungsweise die des leisen differenzierten Geschreis, sind seiner Leistung zum Trotz einer butterten Mischung aus stolzem Gangsterkörper und angeekeltem Drecksack gewichen. Weniger Geplärre präsentiert er dankeswert, jedoch routinierte Einsätze ohne rechte Überzeugungskraft oder jegliche eigene Unterhaltungswerte steril gewaschen hinzu.

Zum Schmunzeln gut taugt Clooneys Bande, wieder gemischtes Sammelsurium aus allerlei Kobolden, halbgaren Kerlen, Trickmaschinenbetrügern allemal mehr als Pacinos Schimmelratendasein und die angepappte Barkin. Mal verlangend durch den Bart blickend, mal lässig in Sacko, stilistisch kultig im vorgetäuschten Lümmellook, Rollen werden gestreift, kurz in die Mülltonne gekloppt, wieder in die Freiheit gestülpt. Wiederholt funktioniert das geschickte Schneiden von Filmemblemen, fast zu alten guten Zeiten des ersten zurückkehrend, ziehen Wiederholungen in ganzer Länge die Spur. Neuigkeiten sollte das furchtlose Publikum ohnehin im Vorhinein nicht erwarten, schlägt in „Ocean’s Thirteen“ kaum die Stunde von unschlagbaren Heeresberichten, leichte Lobhudeleien dürfen aber über die pure Narrenfreiheit aller Stars ergehen. Sie toben einmal mehr auf dem Spielplatz entspannt herum, reißen, zwar nicht vollständig, aber in gut einem Drittel der Spielzeit, den Wohlgesonnenen Zuschauer mit, weihen ihn halbwegs in die Partie ein.

Absurd ist das geplante Spiel mit dem aufkommenden Bohrer, eine Schlussleuchte, sogar im Falle der Oceans. Bohrend stößt der Weg unter Willie Banks prasselndes Wirr-Warr-Casino mithilfe eines gigantomanischen Riesenkraken in die dicken Schichten der Erde. Die erschaffenen Erdbeben räkeln theoretisch durch die ganze Stadt, aber Erschütterungen schwingen entgegen dem normalen Nonsens nur im breiten kolossalen Bau, Häuser annähernd bekommen nicht die geringste Spur des gewaltigen Kräftemessens ab. Nun egal, im Kontext zweistündiger unschuldiger Herrensüffeleien krebst alles Gehirninnere in anderen Bahnen umher. „Ocean’s Thirteen“, wie immer harmlos, wie immer trocken, wie immer in leichten Spaßgegenden unterwegs, wie immer cloonisch cool, wie immer allerwenigstens beruhigend. Wie leicht das Leben doch sein kann. Apropos, der Clou: Es waren doch nur Zwölf.

Autorin

3 Responses to “Kritik: Ocean’s Thirteen”


  1. 1 Twig Juni 13, 2007 um 7:05 pm

    Ha, ich wusste es! Es waren wirklich nur 12.
    Und wie hast du es gemerkt?
    Aufjedenfall bin ich der selben Meinung wie du.

  2. 2 Soraly Juni 13, 2007 um 7:37 pm

    Auf dem manipulierten (selbst im unmanipulierten Fall) Fahndungsfoto erschienen irgendwie doch nur 11 Hanseln. Plus dem aufgesprühten Garcia = 12 Bom-Chicka-Wah-Wah-Kerle. In dem Falle auch nur 11. Der Damon würde nicht in die Rechnung mit eingehen😉 .

  3. 3 lostpictures Juni 15, 2007 um 12:01 am

    Ich lese gern deine Kritiken sehr gern. Endlich mal nicht bloße 5 Zeiler mit einer Inhaltsangabe. Beide Daumen hoch!


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