Verbarrikadiert in drei Wörtern

Sie packt endgültig aus. Aus sprießenden Euronen verwandelte sich eines luftig-drögen Nachmittags die Kreditkarte zum Kartenabholautomaten und es ergoss sich eine wahllose Variation neunzehn freier Werke der S. Neunzehn schöne Stücke des Druckwerkes fielen munter, einer nach dem anderen, alle in einer Reihe, aufgestellt, zusammen. Sie lagen dort so verloren, da konnte Frau Soraly nicht anders und ließ Erbarmen walten. Blickend auf das hellblaue Gut erscheint jeden PC-Tag vor ihr die kleine Abreißecke der befreienden Morgendämmerung („Rescue Dawn“), ein Blättern weiter schielt musikalisches Bandgeflüster („The Band’s Visit“), plötzlich im Halbschatten befreit spricht ein Hase („Lynch“) aus teuflischen Ohren, möchte Frau Soraly in letzter Sekunde vor schwimmenden Halbaffen („The Big Bad Swim“) retten. Politisch versäbelt („Amazing Grace“) tötet sie („You Kill Me“) in wahrer Huldigung den Peiniger, gesteht Auftraggeber Jimmy („The Cats of Mirikitani“) kein Kätzchen ein. Alles kommt, wie es kommen musste: tot aufgefunden wimmert Kumpane George („Death of a President“) noch erbärmlich, kann sich im niedertreibenden Brooklyn („Frownland“) leider nicht in die nächst beste unterdachte Kaserne retten.

Während die Fahnen der Beerdigung freudig schwingen, explodiert nebenan ein musikalisches Feuerwerk („Sonic Mirror“), lässt Frau Soraly ihr Gedächtnis in Vergessenheit geraten („The Lookout“). Der Fall wird spektakulär, landet prompt in den Medien. Boulevard-Fotograf Les („Delirious“) findet die S. und flirtet in groß angelegten Fotostrecken mit ihr, sensationsgeil blähst er die Story zum Clou der Optimisten („The Optimists“) auf. Dem nicht genug lässt die Titelstory des Schweineblattes ungehörig tief blicken. Überführt des Drogenhandels („Smiley Face“) landet Frau Soraly hinter dicken Gefängnisgittern, Käfer („Bug“) überall auf ihren Armen und Beinen spürend. Irgendwann aus dem Knast entlassen findet sie sich im schaurig-schönem Happy-End wider. Lazarus („Black Snake Moan“), der Typ mit dem komischen Namen, wiegt sie in den Schlaf, mit einem Schlag.

Langsam erholt sich Frau Soraly wieder, doch die Träume kehren in unregelmäßigen Abständen in starren Nächten und hellen Tagen auf. Manchmal kann sie sich nicht halten und hält ihr Erlebtes in „Drei-Wort-Fetzen“ fest:

Amazing Grace.” Polit-Historie auf Ex-Sklavenhandel (Montag).
Auf Anfang.” Zoff im Buchladen (Sonntag).
The Band’s Visit.” Ägypten, Polizeiorchester, Freude (1. Samstag).
The Big Bad Swim.” Paranoia im Schwimmbad (Montag).
Black Snake Moan.” Nymphomanin schließt Hölle (2. Samstag).
Bug.” Kribbelige Käfer krabbeln (2. Samstag).
The Cats of Mirikitani.” Kunst oder Krieg? (Dienstag)
Death of a President.” Bush-Meuchel im Rohkostüm (Mittwoch).
Delirious.“ Kombi Fotograf-Obdachloser meets (Donnerstag).
Frownland.“ Geduldig in Brooklyn (Mittwoch).
Die Liebe in mir.“ Trauer und 09/11 (Freitag).
The Lookout.” Gedächtnisstörungen sind böse (Donnerstag).
Lynch.” Der Lynch filmt (Sonntag).
The Optimists.” Verwüstungen im Balkan (Freitag).
Rescue Dawn.” Rettung vom Jungle (1. Samstag).
Smiley Face.” Auf Kriegsfuß gedopt (Freitag).
Sodom Carnaval.” Fremde im Bordell (Sonntag).
Sonic Mirror.“ Jazzt die Musik? (Donnerstag).
You Kill Me.“ Alkoholisierter Auftragsmörder jobbt (Dienstag).

Im Willen all die Grausamkeiten hinter sich zu lassen, macht sie sich auf nach München, sieht neunzehn Albträume, in den Weiten des Filmfests. Sollte sie die Zukunft gesehen haben?

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