Kritik: Rescue Dawn

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USA 2006
Start: xx.xx.07

Rescue Dawn

Regie: Werner Herzog
Drehbuch: Werner Herzog
Darsteller: Christian Bale, Steve Zahn, Jeremy Davies, Marshall Bell, Craig Gellis, Zach Grenier, Pat Healy, Toby Huss

7/10 Punkte

Kritik: Traumatisch pirscht das Gefühl der puren Hilflosigkeit durch den Kopf, Hilfeschreie gehen im Dickicht des gnadenlosen Jungle-Grüns unter, Rettung verzagt im weiten Lande Laos. Ein Alptraum im Gebiet des Menschen, Kraftlosigkeit, Angst erzeugend, unendlich ermüdend. Moralische Fragen gehen im Geiste auf, die eigene Existenz betreffend. Versagensängste meilenweit, wenige Mannen mit Mut und Verlangen auszubrechen gesegnet. Dieter Dengler, spätestens bekannt seit Werner Herzogs Dokumentation „Little Dieter Needs to Fly“ („Fluch aus Laos“), erlebte das grausamste, für den Menschen jemals Vorstellbare in den eingekerkerten Monaten im Sumpfe des Vietnamkriegs. Verwunderlich presst Herzog im puren Spielfilm „Rescue Dawn“ letzte Gehalte aus dem spannenden Stoff hinaus, setzt nach, wo alles in freier, belebender Dokumentation gesagt worden war. Unruhig kauert von realen Geschehnissen inspiriert ein amerikanischer, ein Hollywoodfilm in der herzogischen brillanten Filmographie. Beileibe „Rescue Dawn“ zeigt eine Spur bekannter Qualitäten, legitim den Kinski-Nachfolger Christian Bale ausrufend, malt Gefangenschaft, Schreckgespenste nach. Fehlend in der zutiefst menschlichen Geschichte bildet sich jedoch keine rechte Emotionalität aus, tröpfelt der Film manchmal nur umher.

„Rescue Dawn“ lebt von den Hintergründen Dieter Denglers, dem geborenem Anführer. Im jungen Deutschland des zweiten Weltkriegs rasen Kampfflieger am Himmel vorüber, der kleine Dieter erstaunt und fassungslos auf dem Boden der Tatsachen. Sein Entschluss kommt schnell und überraschend: er möchte Pilot werden, die Freiheit der Wolken abgrasen. Mit 18 Jahren führt ihn sein Weg in die USA, zur Navy, die ihn freudig als Kampfjetpilot aufnimmt. Hinter der abgeschlossenen Berufsausbildung liegt Vietnam und das Kriegszeitalter, das er als kleiner Junge schon miterleben musste. Doch „little Dieter needs to fly“ und sein erster Einsatz führt pur zur Katastrophe. Abgeschossen auf seinem Jungfernflug beginnt der Überlebenskampf im Jungle von Laos, Hauptbeginn für „Rescue Dawn“, für die weitere Herzog-Aufarbeitung zum Themenkreis Denglers. Eng verbunden gestand Werner Herzog dem 2001 sterbenden Dengler, dieser Film würde ihm einmal mehr gefallen, er würde nochmalig die aufschäumende Verbundenheit zwischen den beiden, an einer Beschreibung nächsten Definition von Freunden, bebildern. Doch, und Herzog, wie auch Dengler spürten es eindeutig, „little Dieter“ würde und ist vor der Anfangsphase des Projekts von uns gegangen.

Memoirisch gliedert „Rescue Dawn“ Denglers Flucht aus Laos in mehr oder minder prophetischen drei Teilen. Typisch im Spannungsaufbau, Einführung, abgestürzt urplötzlich im Wald, Lagerung im Camp inklusive Folterungen, Flucht und glücklicher Heimkehr. Bestürzend gibt Christian Bale, zwar absolut undeutsch ohne jeglichen Akzent, eine Darstellung par excellence, nicht umsonst die höchstwahrscheinlich Beste seiner Karriere. Vermutet auf Kinski-Basis sollte er nicht gestellt werden, blitzt teilweise Unberechenbarkeit und selbstlose Zerstörung durch, nie die wirklich Gefahr abseits seiner Rolle. Der Mensch Bale stellt sich im Film seiner Rolle unter, vermischt Privat und Schauspieler nicht. Risikobereitschaft drückt sein Schauspiel oftmals aus, kein Wunder in Kooperation mit Herzog, einem Mann, der gerne Szenen dem Schaupielpart vorspielt. Abgemagert in jeder Szenerie, der bloßen weiteren Folterung, Flucht, präsentiert sich der Method-Actor Bale, Maden fressend, im Sumpf stundenlang watend.

Inspirativ steuert Bale die amerikanische und thailändische Gefangenmannschaft, wird von Beginn an zum entschlossenen Führer. Heldenepos im Grunde steht Bale bis zum grundsätzlichen Ende immer leicht barfuss im Wald, dringt wenig in die Extreme der Person Dieter Dengler ein. Einen Schmerz und Verzweiflung durchziehenden Moment hat er im Grundprinzip entgegen der weiteren amerikanischen Opfer nur ein einziges, für einen Herzog definitiv zu wenig, Mal. Überschäumt von dem grauenhaften Tod seines mehr an Liebschaft, ein tief gezogenes Bündnis, erinnernden Freundes Duane (Steve Zahn) halluziniert er allein, getrieben von Hoffnungslosigkeit, wünscht sich den Verbündeten im Staube zurück. Moralisch kehrt Werner Herzog mehr denn je ein, in Büsche und kleinere Höhlen. Personen, Dengler, Duane, leben zurückgezogen, verhängen ihre Gefühle, Verzweiflung nicht in die Realität, schieben weg von ihrer Persönlichkeit. Zutiefst menschlich auf der einen Seite, ist Herzogs Bekanntschaft mit dem klärenden Aufbäumen aller entlegenen Gefühle in all seinen bekannten Werken klarer, strukturierter, verständlicher gefasst. Nicht immer beweißt ein Mysterium um den Charakter Menschenkenntnis, bei Dengler absolut nicht.

Entschlossenheit im Kampf von Natur und Menschen, ein oft angesprochenes Themengebiet Herzogs, zuletzt bravourös in „Grizzly Man“ gesehen, verschwimmt oftmals in den grünen Blättern, kommt wenig, andersartig, in „Rescue Dawn“ zum Tragen. Urwald spricht nicht für pure Gefahr, in Hinblick der Angst um die Verfolger ein schlaues Unterfangen, den Mechanismus von Natur auf den Menschen umzuwandeln. Blutegeln, Stromschnellen setzten den Fliehenden zu, Waffengewalten, bis auf den schnellen Tod Duanes, abgeschlachtet von ängstlichen Dorfbewohnern, sprechen aber ausführlicher, zeigen die wahren Schwächen, das Naturell die Stärken auf. Verwurzelt ist Dengler in Laos, überall Wälder, Busch, seine Folterer ebenfalls, leben und sterben in den Fächern des Regenwaldes. Das Verließ ist unklar definiert, es bleibt im Nichts stehen, welche Gefahr die größere Angst verursacht. Mensch oder Natur?

Erstmals von vornherein in Englisch verfasst wirft das Herzog-Drehbuch Wankelmut in der Diskrepanz historischer Ereignisse auf. Im Zusammenhang mit „Little Dieter Needs to Fly“ funktioniert „Rescue Dawn“ zusammenfassend als vollständige Aufarbeitung der Ereignisse, allein stehend wirkt das Ergebnis zu aufgeputscht an amerikanischen Klischees, rundlich, zu sehr für Massengeschmack und Proletarier gemacht. Extrem vereinfacht schleicht die Handlung durch den Busch, ohne Drehen und Wenden. Unvermutet setzt sich bei dem Fluchtversuch die geteilte Bande um Jeremy Davies gegen Dengler durch, mitunter der einzige Aufmarsch, die einzige Zwiesprache, der sonst von Dengler unterjochten Gefangenen. Sie bäumen sich zwischendrin teilweise auf, können dem Druck des Anführers in allen Belangen aber nicht entgehen, könnten sich in allen Formen mehr gegen die Geschehnisse sträuben, den Anführer ausliefern.

Eine gewisse politische Relevanz ist „Rescue Dawn“ nicht zu abzusprechen. Gefoltert, eingesperrt, verzweifelt im Durste nach warmherziger Behandlung erinnern Szenenweise Fragmente an die Verließe Guantanamo, Abu Ghraib. Absurd kommt ein anderer Standpunkt noch ins Gedächtnis, der im Hinblick des Amerikanerhasses der Kriegssituation nicht zu passen vermag. Von Anfang an gefoltert, später in der Nacht in Ketten gelegt, in Handschellen manövrierunfähig zur Ruhe gebracht zerren sie zwar an Hunger und akutem Untergewicht, ein Haar mögen die Einheimischen Soldaten ihnen allerdings nicht zu krümmen. Schwer entzifferbar, sollten die Geiseln als Austauschgut gegolten haben, oder Sonstigen Nutzen erfüllen. Drückend erfüllt die verzweifelte Gemeinschaft den Sinn grober Unlust dem Trog des Gefangenseins zu entkommen. Spricht hier Menschlichkeit aus ihren Köpfen? Einen Rutsch weiter fließt Werner Herzog in dieser exakten Charakterisierung aller Eingesperrten. Vom Menschsein in unmenschlichen Kerkern eingekesselt bleibt ein gejagtes Tier bestehen, eines, dass ohne Hoffnung wenig Nahrung zu sich nimmt, Schicksal und Zukunft zu Abgeschlossenheit degradiert hat.

Kraftvolle Bilder kehren in diesem Herzog auf, in kleineren, gutmütig mehr hollywoodesken Gefilden, als im typischen unberechenbaren Herzogfilm erwartet worden wäre. Konventionell, in amerikanischen Barrieren der heldentriefenden Story verbaut, ist die Erwartungshaltung gegenüber „Rescue Dawn“ höher, als eingehalten werden kann. Ehrlich gesehen bildet Herzog allerwenigstens im Hollywood-Reich neuartige Brillanz, abenteuerlich eine Action-Drama-Metamorphose für den Klischeetrieb aus. Versteckt hinter kleinlichen Effekten trumpft ein gut hierzulande auf, nur ein gut, entgegen eines hervorragend. Herzog ist minder Deutscher, mehr denn je Amerikaner geworden. Allerwenigstens im Genre letzterem bleibt er zumindest Meister.

Autorin

2 Responses to “Kritik: Rescue Dawn”


  1. 1 Juri Juli 29, 2007 um 12:05 am

    Tut mir wirklich Leid aber die Kritik ist sehr schlecht verfasst. Der Autor hat in fast jedem Satz vollkommen grundlus Nebensätze eingefügt, die das Verständnis behindern und das Vorankommen hinauszögern. Dies tat er höchstwahrscheinlich um gebildeter und intelligenter zu erscheinen, obwohl sich hinter der ganzen Angeberei grobe Grammatikfehler verstecken.


  1. 1 Ausgelaufenes Revue in den letzten Säbeln des Filmfest-München « CeReality Trackback zu Juli 2, 2007 um 2:38 pm

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