Archiv für Juli 2007

Gehirne können lügen, Augen auch, Google nicht

Wychowanie panien w Czechach

Gedanken können sprechen. Oder wahr werden. Unter einer ihrer neusten Verlinkungen findet sich die spanische Experimentell-Seite „Pristina – Everything Design“. Der erste Clou: Frau Soraly kann kein Spanisch. Zweiter Clou: Frau Soraly kann nicht mal teilweise oder ein bisschen Spanisch, obwohl sie durchaus ein Talent für Sprachen besitzt. Besonders Englisch, wobei das heutzutage kein Talent mehr ist. Bei Grafiken allein ist das Problem dann schon aufgehoben. Wobei: auch dann nicht.

Soeben blickte sie wieder zu dieser Kuriositätensammlung und fand ein Poster oder ein Motiv oder sonst was. Nebenstehend zu betrachten. Und sofort kam ihr der Gedanke: Jep, das muss für einen Film verwendet werden. Date-Movie, absolut. Irgendwie intelligent gemacht. Witzig, skurril, peppig. In der Art von „Secretary“. Leicht sadistisch. Frau Soraly wusste natürlich auch nicht, was dieses „Wychowanie panien w Czechach“ bedeutet. Immer noch nicht. Sie weiß aber: Blöderweise ist das schon ein Filmplakat. Hollywood, Remake anyone?

Der letzte Ruf italienischer Filmgeschichte, der letzte Ruf Michelangelo Antonionis

Martin Scorsese über Michelangelo Antonioni, über „L’eclisse”.

„In fact it felt less than a story than more like a poem.”

Gestorben in Einigkeit, sowohl Ingmar Bergman, als auch Michelangelo Antonioni, feierten am 30. Juli ein letztes Mal den cinephilen Segen. Gefeiert für immer, auch wenn der würdigende Oscar für Antonioni erst 1995 folgte, mittels einer Ehrenstatue, von Jack Nicholson übereicht, nicht zuletzt ein spätes Beiwerk für einen furchtbar großen Mann der europäischen Filmschaffenskunst. Eine Ära geht zu Ende, obwohl von Antonioni nie kommerzielle Erfolge erfolgten. Mit „Blow Up“ schuf er 1966 einen Krimi, doch seine Aufarbeitung ließ das Genre mit aller Macht vibrieren und wackeln, und eine Medienkritik zeigen, die unverkennbar bleibt.

Ein meisterhafter Regisseur, lebenswichtig für die filmische Entwicklung Europas.

Clint Eastwood – Müde dem Spiel

Das Tier im Manne ruht. Zumindest muss man bei Ikone Clint Eastwood in kürzerer Vergangenheit vermehrt an das schon von Sean Connery eingenommene Altersquartier denken. Sein kauerndes Wolfsgesicht, der stoppelige Dreitagebart, ausgefranste Hemdsärmel und lässig die angekaute Zigarette im Mund wippend, der Vorzeigeschwiegersohn war perfekt. Einzig die damals hervorstechenden Furchen und verkniffenen Lippen besitzt der mittlerweile magische 77jährige noch, und eine ganz Hand voll Dollar mehr. Während Jack Nicholson dem Haarausfall keinen Blick schenken mochte und lieber gleich zur freien Matte griff, wechselte Eastwood ins Charakterfach, zu den Künstlern der Sippe, denen die Titel Erfolg und Publikumsliebling unlängst egal geworden waren. Eastwood ist jener Kerl, der eigentlich keinen Deut auf die lebendige Außenwelt gibt, dennoch auf all den wichtigen Veranstaltungen, berühmt für Entbehrlichkeit, auftaucht, mit einem Blitzen in den Augen, und Filmen im Gepäck, die andere Altmeister blass aussehen lassen.

Clint Eastwood

Das nebenher die europäische Creme de la Creme immer mehr dem Zeitraffer zum Opfer fällt, mit Ingmar Bergman und Michelangelo Antonioni geradewegs Revolutionäre dahinschieden, tangiert die Vereinigung der „New Hollywood“-Welle augenscheinlich wenig. In Wahrheit ist der Verlust ein wahrscheinlich größerer, als heute noch der Verstand zulässt. Besonders Bergman, Verfechter menschlicher Destruktivitäten, der Graus aus Psyche und Leben kalt, aber dennoch menschlich umzusetzen vermochte, ist ein fehlendes Grundgerüst des modernen Kinos, dass er einst noch genial mitgestaltete. „New Hollywood“ erpichte sich während seines Höhepunkts in den 70er Jahren in den Fängern berühmter Namen, Francis Ford Coppola, William Friedkin, Martin Scorsese, Milos Forman, Robert Altman. Letzterer bereits tief schlummernd, ist beileibe aus der erfolgsverwöhnten Reihe nicht allzu viel Leben mehr übrig, um althergebrachtes Geschunkel neu in die Hälse der Zuschauer zu strecken. Friedkin lange nicht mehr auf der Höhe, Forman verkannt, Coppola zurückgezogen, wenn auch alle Jahre wieder mit einem Film am Start (zuletzt „Der Regenmacher“ 97, kommend Ende des Jahres „Youth Without Youth“), Scorsese einer der wenigen lebendigen Arbeitstiere.

In all die Schienen konnte Clint Eastwood dagegen kaum fallen. Als Schauspieler der so genannten Spaghetti-Western wusste Sergio Leone wohl von der kauzigen Art Eastwoods, genug um die Rolle des knarrenschwingenden Knochens mehrere Male an ihn abzutreten. So hießen die Scheine für die große Bühne dann schließlich auch „Für eine Handvoll Dollar“ (1964), „Für ein paar Dollar mehr“ (1965) und „Zwei glorreiche Halunken“ (1966), engstirnig, verbissen, kratzbürstig, im Nachhinein: typisch Eastwood. Seine Menagerie von teuflischen Jungs kam in seiner Nach-Western-Spätphase noch einmal zu tragen, im ausgezeichneten „Erbarmungslos“, davor jedoch, eine Sternstunde des John-McClane-Vorgängers „Dirty Harry“, Harry Callahan, und Eastwood, zwar in der Prärie stecken geblieben, nahm sich knorrig des Großstatttenors an. Er blieb der Stange treu, bis die letzten Staubkörner seine alte zerfressene Weste endgültig den Hunden zum Fraß vorwarfen. Besiegelt 1997 mit der stoischen Kriminalschöpfung „Mitternacht im Garten von Gut und Böse“ aber war Eastwoods langer Leidensweg auf Ground Zero getrimmt, der Vorwurf des vorbeiziehenden Alters wuchs, Kassenflops die Folge.

Ob die Rentnerreise „Space Cowboys“ den letzten Hauch seiner Schaffenskrise enthüllte? Mitnichten, er verstand sein eigenes Manko der Vorgängerwerke und lieferte leicht anspruchsvolle Kost, parodistisch auf die alten Männer getrimmt (Tommy Lee Jones, James Garner und Donald Sutherland spielten auf Selbstunterhaltung) und … kehrte wieder in sein beliebtes Alt-Krimi-Milieu. „Blood Work“, simpel, „Mystic River“, empfindlich, altmodisch, stringent. Plötzlich der Oscar. Plötzlich der letzte Streifen des charismatischen Meisterschützen. Sein offenkundiger Rücktritt vom Schauspielfach ist nur das letzte Vehikel die Grenzen von Eastwoods Können ein Denkmal zu setzten. „Million Dollar Baby“, ein Abschluss mit Folgen, mit guten. Clint Eastwood macht das endgültig Beste zum Aussichtspunkt auf eine Reise voller Löcher, gestopft mit kantigem Lächeln und einer Prise John Wayne. In einer Villa mit Paul Newman und Sean Connery.

„Well, I was in retirement, I came out of it to do Million Dollar Baby. I don’t think I can go out better, do you?”

Letzter Schlag des unbarmherzigen Kauzen.

Kurzkritik: Shaun of the Dead

Großbritannien, Frankreich 2004
Start: 30.12.04

Shaun of the Dead

Regie: Edgar Wright
Drehbuch: Simon Pegg, Edgar Wright
Darsteller: Simon Pegg, Kate Ashfield, Nick Frost, Lucy Davis, Dylan Moran, Nicola Cunningham, Keir Mills, Matt Jaynes, Bill Nighy

8/10 Punkte

Kritik: Genüssliches Festessen für alle Hobby-Zombiisten. Shaun (Simon Pegg), verzweifelt, arbeitend als armseliger Verkäufer im Elektrofachgeschäft, soeben von der Freundin verlassen (Kate Ashfield), videospielsüchtig, trifft ganz nebenbei auf eine Horde von Zombies, die seinen Heimatort überfallen. Natürlich merkt er von der Invasion im ersten Moment keinen Deut, bis die Meuterei beginnt und alles Lebendige plötzlich seelenlos umher streunt. Denn: Hier schlurfen die Untoten langsamer denn je und es interessiert kein Schwein. Allen voran als Hommage angedacht erfindet „Shaun of the Dead“, die genialen Hinterköpfe Simon Pegg und Edgar Wright hören mal genau zu, das Rad nicht neu. Soll aber auch nicht anders sein, schon gar nicht so wirken. Die nette Persiflage im einen Dienstwagenabteil, ernsthafte Abfolge nebenan, wirkt der „Dawn of the Dead“-Namensvetter weder gutmütig noch exhibitionistisch veranlagt. Irgendwie bezaubernd, ohne den Grund für seine dauerlächelnde Tätigkeit wirklich benennen zu können.

Der puren Referenz wegen passiert bei dieser „romantischen Komödie mit Zombies“ (kurz: „rom zom com“) sowieso rein nichts. Namensnennung der George-A.-Romero-Klassiker ade, dafür eine brave Würdigung aller Horrorbestandteile des letzten Jahrzehnts. Und „Shaun of the Dead“ weiß hundertprozentig genau, wie er all den vergangenen Kram selbst dem entferntesten Zuschauer eintrichtern kann. Nicht zuletzt sind es die schwungvollen Schallplatten, die mal eben schnell die Musik des Grauens für das Totenkabinett in die Ecke oder Gehirnwindungen fallen lassen und knackend in die Brüche gehen. Der Ruf Horror tritt nebenher, genau in den Spuren der „Armee der Finsternis“, ein Mär von Spuk und Grauen, und doch ist alles nur krummer Hexenhokuspokus. Lachen als Methode zur Angstbeseitigung. „Shaun of the Dead“ ist soviel britischer Wahnsinn, dass mit seinen Charakteren ein lieblicher Kindergeburtstag abgehalten werden könnte. Friede, Freude, Eierkuchen. Mit Zombies.

Autorin

Kentucky Fried Walken

Christopher Walken kocht. „Das perfekte Promi-Dinner“ nur ohne Dinner mit einem Schuss Thanksgiving (aber ohne Eli Roth). Aber wer will schon essen oder sehen, wie gegessen wird, wenn Walken genüsslich vorkostet. Bon Appetit.

Kurzkritik: Ong-Bak

Ong-Bak: Muay Thai Warrior
Thailand 2003
Start: 16.12.04

Ong-Bak

Regie: Prachya Pinkaew
Drehbuch: Prachya Pinkaew, Panna Rittikrai
Darsteller: Petchtai Wongkamlao, Tony Jaa, Pumwaree Yodkamol, Suchao Pongwilai, Chumphorn Thepphithak, Cheathavuth Watcharakhun, Wannakit Sirioput, Rungrawee Barijindakul, Chatthapong Pantanaunkul, Nudhapol Asavabhakhin, Pornpimol Chookanthong

6/10 Punkte

Kritik: Prachya Pinkaews moderne Martial-Arts-Fiebel ist ein wahres Gottesgeschenk für jeden fröhlichen Action-Fan, der belebt amerikanische und asiatische Durststrecken überwinden und dabei dem zukünftigen Meistertalent Tony Jaa doch einen ersten Blick schenken möchte. Die Kunst des Jaa ist dann ebenfalls der eigentliche Krux „Ong Bak“ nicht gleich im Nimmermehr auf DVD oder Flimmerkiste zu ertränken, schließlich bleibt Jaas Körperbeherrschung, währenddessen jene des Films immer abrupter abfällt, ein sabberndes und neu erkenntliches Gut. Es steht fest: Der Mann hat’s drauf. Er weiß es, die Zuschauer, schlimmstenfalls Regisseur Pinkaew, der den Drahtesel aus eleganten Bewegungen, fesselnden Doppelkamerafahrten in alle erdenklichen Einstellungen (Jaa muss schließlich unbedingt von oben, unten, links, rechts, aus Nase und Ohren belichtet werden) aufdröselt. Im Tiefpunkt der Handlung, es geht halt blöderweise um die Suche nach dem Kopf der Buddha-Statue, die aus dem heimischen Nong Pra-du von einem bösen (aber dummen) Geschäftsmann gestohlen wurde, strauchelt Pinkaewe in einer Art „Ghandi“-Tradition von religiösen Zwischenmärchen zu Dialogen der Sorte „Hab ich schon, brauch ich nicht, will ich nicht“. Wen das alles nicht interessiert, Tony Jaa, der kickt und tritt, die Ellenbogen reckt, durch Ringe fliegt, taugt als einziger Erfrischungsfaktor ohne Computermärsche in einer ansonsten schön belanglosen Attitüde.

Autorin

Götterdämmerung

Es stellt sich heraus, Frau Soraly sollte „del.icio.us“ vielleicht eine Testphase gönnen, damit der nette „Guardian“ geradewegs noch ein paar Links mehr einfangen kann. Bis zu dem göttlichen Zeitpunkt allerdings, muss er noch immer mit einer Erwähnung bestraft werden, die ganz und gar hervorragend sich den Bedürfnissen des Dudeismus anpasst. Der Dude als Gott einfach ungeeignet, nach den vermerkten Eigenschaften eines bösen Buben in Seelsorgeruniform im Artikel „Casting God“ dementsprechend:

„In most movies about God, he’s just too nice. And people pray to this dude?

No! God in the movies must behave like God in the Good Book: violently, irrationally, very badly. God must henceforth be played by seasoned bad guys, psychos, nutters, killers and weirdoes. When the script calls for a God figure, don’t call on Sean Connery or Morgan Freeman, call on Michael Madsen, call on that guy who played the sex-killer in Michael Mann’s Heat, cast Lee Marvin, James Gandolfini or even Tony “Paulie Walnuts” Sirico (we know he believes!). “