Kritik: Die Regeln der Gewalt

The Lookout
USA 2007
Start: 13.09.07

The Lookout

Regie: Scott Frank
Drehbuch: Scott Frank
Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Jeff Daniels, Matthew Goode, Isla Fisher, Carla Gugino, Bruce McGill, Alberta Watson, Alex Borstein, Greg Dunham, David Huband, Sergio Di Zio

8/10 Punkte

Kritik: Kollektiv sind es überraschenderweise immer die guten Jungs, die den Aufstieg auf die Fähre rechtzeitig und voller Fahrt wagen können, ohne einen sinkenden Dampfer am Ende des Flussbetts jemals aufzufinden. Namentlich kommt die Erinnerung an Scott Frank erst hinterher, bei näherem Blick auf seine Filmgraphie, und sie kommt bestimmt, dem Mann von „Schnappt Shorty“ und „Out of Sight“. Er war Drehbuchautor, ist es immer noch, doch die Profilierung zeigte sich erst mit seinem neuen Stoff „The Lookout“ erkenntlich. Unterwegs führt er die Reifenspuren in den schnellen Furchen des Thrillers neuerdings als Regisseur, vermutet wechselt er die Seiten auf die böse Flanke des Lichts. Ereignisträchtig zeichnet sich sein Aufmarsch auf den ersten Blick nicht aus, seine Zügel bleiben die meiste Zeit ruhig, ohne Neuerungen oder Fährten. Doch Halt, der Triumph liegt nicht im vorhersehbaren Schlund der Regisseurswerkzeuge, hier gilt volles Augenmerk und übersinnliches Aufblicken auf strukturierte, rein clevere Kost. Eine Probe ihres Könnens, Herr Frank.

Ein Tag kann dein Leben verändern, die perfideste aller Hollywood-Floskeln, schabt in „The Lookout“ mit den Hufen und reißt den jungen Mann Chris Pratt (Joseph Gordon-Levitt) mit einem selbstverschuldetem Autorunfall plötzlich in eine komplett andere Welt. Nach Tagen des Komas wacht er auf und wird sich fortan nicht mehr an den Moment davor erinnern können. Von einer langen Narbe gezeichnet ist er immerzu auf fremde Hilfe angewiesen, muss sich eine Wohnung mit dem blinden und zutiefst sarkastischen Lewis (Jeff Daniels) teilen. Wichtigste Informationen finden den handschriftlichen Weg auf einen kleinen Block, den er immer bei sich trägt, selbst bei seiner nächtlichen Routineaufgabe, eine der wenigen, zu denen er noch fähig ist, als Reinigungskraft in einer Bank. Seiner Verantwortung bewusst, nicht aber der hinterlistigen Taktik eines angeblichen Freundes seiner Schwester Alison (Janava Stephens), dem Boss einer Verbrecherband Gary Spargo (Matthew Goode), der ihn in einer Bar aufliest, hilft er auf Anraten dessen bei einem Einbruch in seiner Arbeitsstelle, der Noel State Bank & Trust.

Auf Gutdüngen beginnt Scott Frank irrtümlich entgegen des insgeheimen Mottos von „The Lookout“ strukturiert und normal am Anfang der Geschichte, nicht am breiten unberechenbaren Pfuhl des Endes. Eine Spur zu „Memento“-Like wäre es dann wahrscheinlich noch geworden, eine Spur zu viel Guy Pearce, eine Spur zu viele Tattoos, ersetzt von einem einfachen Schreibblock. Ein weiteres Zeichen für den fortwährenden Fußabtreter des Gedächtnisverlust-Thrillers, der kalkuliert simpel die Bestenlisten anführt, und freundlich unerwartet das Ende vorweg nimmt, um am Anfang zu enden. Ursprünglich eigenständig bestand Franks „The Lookout“ allerdings gewissenhaft schon vor dem Event „Memento“, schon einige Jahre zuvor unverfilmt in den Buchreihen des Regisseurs, der namhafte Mannen an „The Lookout“ heranführen wollte. Kein David Fincher, Sam Mendes, Michael Mann rang sich überraschend durch die wohl dosierte Outsider-Story, notgedrungen übernimmt Scott Frank selbst das Ruder, und zieht seine eigenen faszinierte Kraft in das schlaue Duett von ausgereiften Charakteren und simpler Spannung.

Seinem unwiderruflichen schreiberischen Geschick ist es in jedweder Form zu verdanken, dass „The Lookout“ in solch atemberaubender und lässiger Weise funktioniert, wie er funktionieren sollte. In der einfachen Aufarbeitung, dem Hängen an seinen Protagonisten, tritt eine unerwartet nahe Verfänglichkeit mit jenen ein, ein freundschaftliches und eindeutiges Bündnis, zudem eine verstärkende Erleichterung für den Fluss und die Läufe des Bankraubs, entgegen hochkomplexer Thrillerexperimente, denen das stärkende Rückrat zentraler Gestalten abhanden geht. Ruhig, beinahe verhalten wandert „The Lookout“ zu Beginn, lässt dem verlorenen Chris alle Zeit der Welt, in die Gänge zu kommen, seinen vom Unfall verhaltenen Charakter in alte Richtungen schweifen zu lassen. Leben fließt in allen Poren der elementaren Regiearbeit, verwandelt reguläre, ganz alltägliche Hollywoodspielereien zu gesonderter Hochglanzkost, in einem ausgezogenen Genre des verwandelten kommerziellen Stroms.

Obsessiv, voller erbarmungsloser Genauigkeit brechen Franks Abkömmlinge zusammen, strotzen vor ihren Aufgaben, sinken, fallen tief und zügellos, sie kämpfen mit ihrer verdammten Seele, mit dem verbliebenen Rest ihres alten Ichs. Lewis, fanatisch und sanft durch Jeff Daniels’ Augen ins Licht gezogen, voll und ganz der Blindheit ergeben, lebt so gut es geht, gibt die Schnipsel seines Erfolgs dem jungen Chris mit auf den Weg. Joseph Gordon-Levitt, immer noch als halbes Kind geltend, jedoch gereift zum Charakterdarsteller, zum feinfühligen Jungstar ohne Allüren, perforiert seinen Chris in vollster Blühte rein zum Sympathieträger. Jeder weitere Film wirkt frisch und neu mit seiner Zusammenarbeit, jedes weitere Mal will automatisch neue Überraschung sprechen, bis wieder die Erinnerung aufsteigt, der Kerl könnte bereits in vorherigen Einsätzen nur so voll Charme gesprossen haben. Wegbereitend stellt seine Rolle in „The Lookout“ eine Zusammensetzung, einen flotteren Schnitt seines Vorgängerwerkes „Brick“ dar, eine Portion Noir, gemischt in dramatischen Gefilden, stumm und eigenwillig den Thriller aussprechend.

Abriegelung, verzweifelte Flucht, münden für Frank in einem groben, tödlichen Brocken der Spannung, erstaunlich realistisch, wahr in seinen Bahnen fahrend. „The Lookout“ dreht und wendet seinen grandios sympathischen Hauptdarsteller in alle Richtungen des Glaubens, versagt nicht, geliebte Protagonisten in den Sumpf zu werfen. Noir ohne Altertum stimmt ein, schreibt modern Memento mori auf seinen kleinen Nebenzettel.

Autorin

3 Responses to “Kritik: Die Regeln der Gewalt”


  1. 1 JS110010 Oktober 9, 2007 um 4:57 pm

    Pu, ich kann deine Kritik nicht lesen.
    Deine Schreibe ist zu anstrengend.
    Willst Du dich als Schriftsteller versuchen?
    Dann schreibt bitte keine journalistischen Beiträge, denn die sollten lesefreundlich sein.
    Dein Text ist lesefeindlich


  1. 1 Filmstarts und die Pampa des Nichtwissens « CeReality Trackback zu August 5, 2007 um 12:32 pm
  2. 2 Die Regeln der Gewalt » CineKie Trackback zu September 16, 2007 um 12:10 pm

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s





%d Bloggern gefällt das: