Kinostarts vom 19.07.07

Lange in der Versenkung verschwunden ist es ein Unding lediglich in Kritiken von gesehenen Filmen eine Besprechung abzuverlangen, sind die Starts jeder Woche gefüllt an manchmal Massen, manchmal nur Kadavern von Neuerscheinungen. Die Rubrik „Kinostarts vom …“ wird eine Wiederbelebung hiermit erfahren, sie wird auf Trailer zurück greifen, eine mögliche Frau-Soraly-Punktevoraussage treffen, sie wendet sich den offiziellen Onlinepräsentationen jener Filme von deren Verleihern zu, sie wird kurzer Hand überbordet mit Informationen. In der Regel, und Zeitpläne verschieben sich zu gern immer, sollte das Festessen wöchentlich Dienstag oder Mittwoch, spätestens am Donnerstag folgen. Vorhang auf: 19.07.07.

Death Proof

Tipp der WocheDeath Proof (Todsicher)

Ein inhaltlich loses Mundwerk – Stuntman Mike (Kurt Russell) randaliert mit seinem Höllenauto auf wehrlose, oder zumindest so erscheinende, Weiber (Rosario Dawson, Rose McGowan, Vanesse Ferlito und sonstige) – offenbart Quentin Tarantino in dem allein in Trailerphrasen sprechendem „Death Proof“ (überholt mit deutschem Untertitel „Todsicher“), nichtsnutzig, kaum förderlich erscheinend seine eigene Stilfaltigkeit der 90er Jahre. Eine groteske Hommage an die alten Tage des schmutzigen Grind-House, fortgesetzt und in den USA im Doppelpakt zum Gesamtpaketpreis erschienen mit dem im Oktober startenden „Planet Terror“, Robert Rodriguez Zombieparallele. Durchwachsene bis hervorragende Kritikersemmeln tummeln sich bisweilen auf dem Schlachtfeld, ein Hoch auf Unrealismus und amüsanten Nonsens. Erheblich Tarantino-Like, wie immer nicht neu, nur im Jahr 2007 die Kinos beengend.

Trailer / Offizielle Seite
Die Glaskugel spricht: 8/10 heißen Schlampen.

Interessenbedingt

Next (Trailer / Offizielle Seite)
Großartig, zwei Minuten kann der Herr Cage in die Zukunft sehen und erhofft sich dadurch Flamme Jessica Biel zu erobern. Ganz zu schweigen von Altersschwankungen aus Tal Nimmermehr tritt Julianne Moore noch auf die Spielfläche, die natürlich wieder die böse FBI-Agentin verkörpern darf. Überraschend und motorisch interessant kommt hier lediglich die Drehbuchvorlage von Philipp K. Dick daher, jener Mann, der schon für „Blade Runner“, „Minority Report“ und „A Scanner Darkly“ seine Leistungen im Vorhinein preisgab. Das lächerliche Grundgerüst um Nicolas Cage, mit einer Wok-Montur auf Kopf und für Kopfschmerzen sorgend, ist lächerlicher als jede hirnrissige „Shrek der Dritte“-Nahrung. Spaß sollten dafür beide in Grenzen ausgeben.

Die Glaskugel spricht: 4/10 blutigen Zukunftsvisionen.

Sterben für Anfänger (Trailer / Offizielle Seite)
Sollte der Blick von Trailer auf Film direkt verlaufen, dürfte die ein oder andere Matschbanane große Enttäuschung oder ungemein viel Lob über dieses schwarzhumorig erscheinende Werk laut ausgeben. Ausgezeichnet von der „Filmbewertungsstelle Wiesbaden“ (heißt so viel wie: eigentlich sind wir unnütz, aber wir machen uns gerne wichtig) mit einem Prädikat der Gattung „besonders wertvoll“ lautet die Begründung folgend positiv: „Mit allen Wassern des Genres gewaschen ist diese von einem Amerikaner gemachte englische, schwarze Komödie. Ein perfektes Drehbuch, sichere Dramaturgie, abstruse Ideen, disziplinierte Darsteller und ein kammerspielhaftes Setting machen die Stunden vor einer Beerdigung zu einem zwerchfellerschütternden Abenteuer voller aberwitziger Pointen. Und dennoch bleibt als Krönung des sorgsam gebauten Films die Würde des Toten gewahrt.“ Mein Gott, in Folge des ganzen Kinojahres dürfte Frau Soraly noch nie diesartige Lobeshymnen verströmt haben.

Die Glaskugel spricht: 7/10 übermüdeten Leichen.

Motel (Trailer / Offizielle Seite)
Ballen sich die Fußnägel schon beim Genuss des akkuraten „Bis zum Frühstück seid ihr tot“ nach innen? Liebe Herrschaften, dann habt ihr die falsche Klaustrophobiestunde gewählt. Leicht erinnert „Motel“ mit den Herrschaften Luke Wilson und Kate Beckinsale an das ebenfalls ruhig beginnende und immer mehr einschneidende „Bug“ von William Friedkin, der Zeit für Figuren und Geschichte investiert. Den größten Unterscheid wird jene Snuff-Variation jedoch wohl in der stümperhaften Bequemlichkeit und Voraussicht der Storyline finden, schließlich: Die beiden Heimbewohner fliegen zwar blutüberströmt aus den schönen Bauten, dafür bleibt ihnen mit Sicherheit das durchdachte Leben vorhanden. Also mal nicht so wie die Torture-Porn-Wurfstücke, in denen die Sichel einsam das Hälschen durchschneidet.

Die Glaskugel spricht: 5/10 stickigen Hotelanlagen.

Leidig begeisterungsfähig

2:37 (Trailer / Offizielle Seite)
Ein paar Selbstmordkandidaten und ein Termin: um 14:37 geht die Sause los. Erinnernd an Gus van Sants „Elephant“ soll die jugendliche Parabel über Mut und Unmut, Vergessenheit und Verlust aufdrückend wie ein feuchter Kuss die Laufzeit bedienen. Ohne Vorwürfe zu gestalten, die Worte von „Critic.de“: „Und mit (Melo-)Dramatik geizt 2:37 nicht: Zwei Schwule und ein Inzestopfer, eine Bulimikerin und ein Vergewaltiger, ein inkontinenter Außenseiter, der zudem noch humpelt. Das überwiegend stereotype Randgruppen-Ensemble bricht darüber hinaus, einer nach dem anderen, entweder in (männliche) Wutanfälle oder in (weibliche) Heulkrämpfe aus. Zwischendurch schiebt Thalluri in Schwarzweiß gefilmte, im Dokumentarstil angelegte Szenen ein, in denen die Teenies in extremen Nahaufnahmen einem unsichtbaren und nicht identifizierten Gegenüber davon berichten, dass sie als Kind mit ansehen mussten, wie der Vater die Mutter einfach so „auf dem Sofa gefickt“ hat, oder dass sie „Tiere und Kinder lieben“, zwar behaupten „auf Muschis und Titten abzufahren“, eigentlich aber „auf Schwänze stehen“. Sagt das nicht alles?

Du bist nicht allein (Trailer)
Berliner Plattenbau und ringsherum die Steppe, oder wie? Belangloser deutscher Stoff mit Herbert Knaup (seine Filmrolle: Ehemaliger) und Axel Prahl (natürlich, seine Rolle: Herr Moll), bei dem man sich um einiges mehr fragen muss, wer solchen Stuss immer finanziert.

Kann das Liebe sein? (Trailer / Offizielle Seite)
Französische Liebeskomödie. Nochmal: aus Frankreich. Die Überraschungen hauchen schon in der stickigen Sommersluft. Und irgendwas mit Fruchtbarkeit findet seinen Weg ebenfalls. Höchst vergesslich.

Unbekannt verzogen
Ferdinand Hodler – Das Herz ist mein Auge
Max Ernst – Mein Vagabundieren meine Unruhe (Wiederaufführung)

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