Kritik: Harry Potter and the Deathly Hallows

oder Harry Potter und der verlorene Zeitgeist
oder in purem Deutsch: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes

Harry Potter and the Deathly Hallows

Autorin: Joanne Kathleen Rowling

5/10 Punkte

Nachfolgende Kritik zu dem letzten Band der Harry-Potter-Reihe enthält keine Spoiler, noch sollte sie welche enthalten, noch sollte ein Suchlauf gestartet werden. Geheimniswahrer bleibt Geheimniswahrer.

Kritik: Schatten legen sich über die Welt des Lichts, der dunklen Vorahnungen, der aberwitzigen Magiespielereien. Lord Voldemort ist zurück, dennoch, die Auswirkungen dieser seit mehreren Jahren bekannten Tatsache, sie gehen erst in „Harry Potter and the Deathly Hallows“ Hand in Hand. Eine düstere Macht bildete sich aus, beginnend mit Ausbrüchen aus dem Zauberergefängnis Azkaban, die Todesser entfleuchen aus allen Ecken und J. K. Rowling, die wahre Herrscherin über das magische Verließ, sie bündelt Dunkelheit und Verderben, in einer haushohen Nationalsozialismus-Parabel. Muggelgeborene gejagt, aufgehängt, die Seelen ausgesaugt, der Palast von Intelligenz und Einigkeit, die Schule Hogwarts, eingeschlagen in weiten Wäldern, von einem Todesser als Schulleiter übermannt, Feinde des Regimes eingeengt und unterjocht. Die endgültige Auferstehung mündet in einer Totalität von Unterdrückung und der beengenden Erkenntnis: Die Hoffnung auf Rettung stirbt zuletzt. Mit Harry Potter einzig, und Albus Dumbledore war sich dessen bis vor seinem Tode durch den Zaubertrankmeister Severus Snape in Absolutismus sicher, der den dunklen Lord nach dem „Keiner kann leben, wenn der andere überlebt“-Konzept zur Zerstörung führen soll, soll alle Bösartigkeit vertrieben werden.

Rowling schlägt den letzten Alarm in ihrer gutgläubigen Geschichte von wahrer Freundschaft, Heldenmut, dem unbestimmten Verlangen einer besseren Welt und einer weiteren Struktur von Licht, die das Böse endgültig ins Nimmermehr schicken kann. Sie hext noch einmal, dieses eine Mal mit einer größeren Schnitzeljagd, einem weitaus tiefer liegenden Irrgarten, als alle Teile zuvor, alle zusammen. Ihr aufgeführter Kampf geht weit in die höchste Magie hinein, und löst im engstirnigstem Moment nichts mehr als ein kleines Seufzen aus, ihre Wurzeln sind verbraucht, und zu lang verteilt auf die krude und magische 7. Sieben Bände, und letzten Endes einer zu viel. Zwar vermutet auf einen großen Showdown hält Rowling die Zügel straffer an dem Kern, damit allerdings verbannend viele winzige Kleinigkeiten, vermehrt nur nebenbei und unwichtig der Radiosender „Potterwatch“, die Geschlechtsumwandlung des Drachen Norbert, eigentlich ein Weibchen und tragend nun den Namen Norberta, vieles Schöne, und den Potter bisher besonders gestaltend. Mit Verlaub, der bisherige Rückenwind, der in den Gemäuern des Schlosses Hogwarts all die Jahre stattfand, er verschwindet, die Mauern, das tiefe Gestrüpp, das alles im Grundprinzip zusammenhielt, es ist durch die Jagd nach den höchst wichtigen Horkruxen dem Untergang geweiht.

Ein kleiner Wind von Harry Potter weht sogar in dieser Tatsache, hielt der Schutz seiner Mutter bis zum Beginn des 17. Lebensjahres, der Volljährigkeit unter Zauberern, an, somit eine äußere Hülle des Beistands. Danach allerdings verschwindet sie, für Rowling eben nach Ende des 6. Buches, und bewusst wird: nicht unbedingt die Freunde Harrys machten Rowling zu einer reichen Frau, das Packet war es, Hogwarts, die heulende Hütte, die Unterrichtsstunden, und sie mögen noch so belanglos gewirkt haben, die Lehrer. Es verschwindet notwendig, funktioniert bisweilen zuerst. Eine Spannung spannt die Pforten auf, schließlich, das letzte Kapitel soll alle Löcher stopfen und Ruh dem Mär Lord Voldemort machen. Der Beginn: wundersam, fesselnd, elektrisierend. Danach kommen die Horkruxes. Sie stürzen Rowling in ein tiefes Tal, lange fern der Auflösung und sichtbar überschwappend vor ungeahnter Langeweile und immer gleichen Abfolgen des Schmökers. Glatt die Hälfte benötigt das Trio für einen weiteren Horkrux, dazwischen lange Märsche, Nachtgeflüster, Wintereinbruch, Kälte, Fieberträume des Potter. Rowling stockt, und es ist kein Wunder, mit ihrem eingefügten Nonsens aller Fantasy-Schninken, die ihr jemals zur Hand lagen.

Der Flickenteppich namens Potter fließt in eine Spur nicht zusammenhängender Fragmente, der Holzhammer geleitet hier uninspiriert durch, in sechs Büchern ausufernd geschildert, den Kern der Geschichte, alle Fragen grobschlächtig lösend. „Herr der Ringe“ von Wunderkind Tolkien trägt dick auf, man will es Rowling nicht verdenken, auch Fantasy kann nicht in allen Formen und Farben neu erschaffen werden, der Ringträger, gestört von den bösen Einflüssen seines Schmuckstücks, schimmert in der Jagd nach den Horkruxen, deren Einleitung bereits in Band 6 Gestalt annahm, er wird bekehrt von schlechter Laune. Würden die Parallelen hier langsam enden, Rowling hätte ein Stück weit den Untergang an dumpfen Versatzstücken noch aufhalten können, aber sie setzt weiter den Pfeil in Richtung einer, und das ist schon vor Ende ihres siebten Potter „The Deathly Hallows“ klar, weitaus besseren Gestaltung von Märchen und Realität. Ihre Menschlichkeit wird behindert, durch den Schweif des Tarnumhangs, die Parallelen zwischen den Türmen „Nurmengard“ und Tolkiens „Isengard“, dem Ausruf des Namens „Voldemort“, der sofort seine Untertanen herbeiordert, und der offensichtlichen Plattheit jener Referenzen.

Sie kopiert, sie gräbt Geschichte wieder aus, und gerade dadurch birgt sie kurzweilig eine Relevanz in der surrealen Welt des Harry Potter. Die Welt übernommen vom Bösen, Ministerium, Schulen unterworfen, Maßnahmen gegen Muggelstämmige, Halbblüter, Dementoren, seelenaussaugende Monster, überall. Die Relevanz kommt gerade aus der deutschen Geschichte, und beileibe, Rowling zieht Hitler und das NS-Regime hinein, macht es austauschbar und umso gefährlicher. Jene schlau anmutende düstere Stringenz wird vollkommen ausgewälzt, sie verschwindet dann im Nirgendwo der wetzenden Anfangsseiten und geht ein in einen Misch-Masch aus Verfolgungsjagden und James-Bond-Actiongewäsch. Verwunderlich steht die Magie am Rande seines Endpunkts, da wundert es nicht mehr, Hermine Granger mit MacGyver-Besteckkasten im Zelt kurzzeitig brütend zu sehen, wie sie allerlei Krams aus der Tasche zieht und in jedem Falle eine Lösung in den Händen parat hält. Rowling zwirbelt offene Enden zu einer grotesken finalen Schlacht, sie spielt Zimmermeister, die Hände über dem Kopf zusammen faltend und auf das Schlusslicht wartend.

Bis jenes endlich fällt entstehen lange Pausen, getrieben von ihrem anmutigen Schreibstil und Charakterwandlungen, die kaum mehr als feierlich und gerade ausreichend der entstandenen Welt gegenüber stehen. Ein „Feigling“, und dieses Wort spricht noch einmal den Doppelspion Snape, wie schon in Band 6, an, manifestierte sich in Frau Rowling, die Hintergründe aus dem Nichts aufbläht und des Rätsels Lösung mit diesen Lügenmärchen präsentiert, als wolle sie die Realität schockieren. Schockierend surreal kommt der Bang, gewölbt über einer Fläche von Scheinheiligkeit. Ihre Zauberei erstirbt im Angesicht unglaubwürdiger Theorien, profitabel gestreckt von den beiden Kernkompetenzen der Reihe, Albus Dumbledore und Severus Snape, bestraft mit Rückblenden oder Brüdern, einer degradiert zum liebestollen Schwächling, der andere abseits jeder früheren Gutmütigkeit, den flunkernden Blicken. Auseinander genommen im Streiflicht eines notwendig gewordenen Abschlusses – mir nichts, dir nichts herunter gerattert, ohne Spaß dem Leser entgegen, obwohl jener doch zu Beginn nur Lobesworte („dedicated to … and to you, if you have stuck with Harry until the very end.“) empfing.

Vorbei die Serie. Vorbei die Hoffnung nach einem würdigem Schlusswort. Vorbei die alchemistischen Theorien. Vorbei die Vorbereitungen, die Spekulationen. Vorbei die Symbolik. Vorbei das innerliche Duell der vier Häuser. Vorbei die allumfassende Erkenntnis. Vorbei ein großes Konzept, lieblos, irrelevant, ausufernd. Vorbei, ein Mär.

Vorbei, Lord Voldemort. Vorbei das Böse. Das Gute ging mit ihm.

Autorin

6 Responses to “Kritik: Harry Potter and the Deathly Hallows”


  1. 1 Peter Schmidbauer Oktober 14, 2007 um 11:00 pm

    „Absolutismus“ ist etwas völlig Anderes, als dieser Begriff zu Beginn dieser „Rezension“ verwendet wurde… Aber man muss lernen, damit zu leben, dass jeder im Netz veröffentlichen kann.

  2. 2 johnny storm November 3, 2007 um 5:21 pm

    na und dann ist eben das alles vorbei.am ende sind sie doch sowiso in hogwarts und außerdem ist es schwer bei einer geschichte die bösen zu stürzen.ich habs sellber schon versucht und als ich es in meiner fantasiewelt versucht habe klang es ziemlich einfallslos.schmeiß doch deinen 7. band weg und mach dir doch selbst ein eigenes „harry potter band 7“ wo das nicht alles vorbei ist dann können wir es ja mal lesen.rowling hatt 6 bücher in hogwarts spielen lassen natürlich muss es dann auch mal aufhören.

  3. 3 daniel härtel November 8, 2007 um 10:27 pm

    wer stirbt im letzten teil?gibt es wirklich keinen achten teil von harry potter

  4. 5 daniel härtel Januar 5, 2009 um 5:56 pm

    johnny , halt`s maul!

  5. 6 domme September 23, 2009 um 3:29 pm

    ein solches werk, bestehend aus sieben bänden, verdient es unabhängig von allen anderen büchern gelesen zu werden, jeder vergleich mit herr der ringe ist total sinnlos, da in jedem fantasywerk irgendwo dass selbe konzept dahintersteckt. guter fantasy zeichnet sich dadurch aus, dass die geschichte einen fesselt, er ist nicht dafür gedacht verglichen zu werden, denn es gibt nur ein paar relevante haupthandlungen die einen leser überhaupt fesseln. tolkin hat zweifelos diese hauptstränge als erster genial in seinen werken vereinigt doch harry potter fesselte nicht unzählbare menschen weil er ein billiges imitat ist. nein es ist eine eigene geschichte mit vielen elementen, mit viel ideen und viel geschmack


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