Der leise Mann

Ulrich Mühe

Portrait von Fotograf und Sohn Andreas Mühe.

Er blieb mir lange unentdeckt, zu lange, darf im Nachhinein gesagt werden, er, mit seiner ruhigen Zurückhaltung, dem hellen Blick, erst seine famose Rolle des Stasi-Hauptmannes in Florian Henckel von Donnersmarcks „Das Leben der Anderen“ ließ ihn mir als Schauspieler ins Sichtfeld rücken. Der deutsche Film, und so gerne es Klischee sein mag, es steckt auch Wahrheit dahinter, er stand in einer hinteren, dunklen Ecke meiner persönlichen Filmographie, hinter amerikanisch geleckten Ergüssen. Ulrich Mühe, wie auch immer er es schaffte, verschob dieses Trugbild, er verschob es mit all seinen Filmen, „Funny Games“, „Schtonk!“, Fernsehproduktionen.

Dabei wirkte er neben dem Halbriesen von Donnersmarck bei der diesjährigen Oscarverleihung gar verlassen und eher provinziell, zu solch einer Galavorstellung im Hintergrund. Sein größter Triumph, spät, aber rechtzeitig und ein Höhepunkt seiner langen Karriere, die mit seinem Tod am 22. Juli enden würde, in Form all seiner Werke aber weiterlebt. Einen Schauspieler gehen zu lassen, auch entfernt von der Rolle eines Protagonisten im Film, es ist, obwohl seine Person unbekannt bleibt, ein herber Verlust. Ist er doch eine Form des Freundes geworden, dem man gerne, den man mit Blicken lächelnd begegnet. Einen Toast auf den Kevin Spacey der deutschen Filmszene, den Theater- und Lebemann Ulrich Mühe. Möge er in Frieden ruhen.

6 Responses to “Der leise Mann”


  1. 1 fernseherin Juli 25, 2007 um 7:18 pm

    Oh nein, davon wusste ich ja gar nichts! Das ist wirklich eine schlechte Nachricht. 😦

  2. 2 Soraly Juli 25, 2007 um 7:29 pm

    Erst seit heute scheint es auch offiziell publik zu sein. Merkwürdig, dieser Oscar damals, den ich viel eher „Pan’s Labyrinth“ gewünscht hätte, und jetzt sehr froh über die getroffene Entscheidung bin.

  3. 3 fernseherin Juli 25, 2007 um 7:35 pm

    Das mit Kevin Spacey habe ich übrigens auch schon mal gedacht. Erstaunliche Ähnlichkeit. Und seine Tochter spielt auch gar nicht schlecht.

  4. 4 Soraly Juli 25, 2007 um 7:40 pm

    Eine erstaunliche Familie, allerdings. Erst letztens kam doch ein Film mit seiner Tochter im Fernsehen, oder irre ich mich da?

    Der „Spiegel“ hat auch nochmal einen sehr schönen Artikel über Mühe rausgekrammt.

  5. 5 fernseherin Juli 25, 2007 um 7:49 pm

    Das ist bestimmt der Artikel, den ich auch gerade verlinkt habe.

    Ja, die Tochter kann man zur Zeit öfter sehen. Auch so ein stilles Wasser.

  6. 6 Soraly Juli 25, 2007 um 7:52 pm

    Nein nein, es ist noch ein längerer, der wohl kurz nach den Oscars erschien und bisher online nicht abrufbar war.


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