Kurzkritik: Shaun of the Dead

Großbritannien, Frankreich 2004
Start: 30.12.04

Shaun of the Dead

Regie: Edgar Wright
Drehbuch: Simon Pegg, Edgar Wright
Darsteller: Simon Pegg, Kate Ashfield, Nick Frost, Lucy Davis, Dylan Moran, Nicola Cunningham, Keir Mills, Matt Jaynes, Bill Nighy

8/10 Punkte

Kritik: Genüssliches Festessen für alle Hobby-Zombiisten. Shaun (Simon Pegg), verzweifelt, arbeitend als armseliger Verkäufer im Elektrofachgeschäft, soeben von der Freundin verlassen (Kate Ashfield), videospielsüchtig, trifft ganz nebenbei auf eine Horde von Zombies, die seinen Heimatort überfallen. Natürlich merkt er von der Invasion im ersten Moment keinen Deut, bis die Meuterei beginnt und alles Lebendige plötzlich seelenlos umher streunt. Denn: Hier schlurfen die Untoten langsamer denn je und es interessiert kein Schwein. Allen voran als Hommage angedacht erfindet „Shaun of the Dead“, die genialen Hinterköpfe Simon Pegg und Edgar Wright hören mal genau zu, das Rad nicht neu. Soll aber auch nicht anders sein, schon gar nicht so wirken. Die nette Persiflage im einen Dienstwagenabteil, ernsthafte Abfolge nebenan, wirkt der „Dawn of the Dead“-Namensvetter weder gutmütig noch exhibitionistisch veranlagt. Irgendwie bezaubernd, ohne den Grund für seine dauerlächelnde Tätigkeit wirklich benennen zu können.

Der puren Referenz wegen passiert bei dieser „romantischen Komödie mit Zombies“ (kurz: „rom zom com“) sowieso rein nichts. Namensnennung der George-A.-Romero-Klassiker ade, dafür eine brave Würdigung aller Horrorbestandteile des letzten Jahrzehnts. Und „Shaun of the Dead“ weiß hundertprozentig genau, wie er all den vergangenen Kram selbst dem entferntesten Zuschauer eintrichtern kann. Nicht zuletzt sind es die schwungvollen Schallplatten, die mal eben schnell die Musik des Grauens für das Totenkabinett in die Ecke oder Gehirnwindungen fallen lassen und knackend in die Brüche gehen. Der Ruf Horror tritt nebenher, genau in den Spuren der „Armee der Finsternis“, ein Mär von Spuk und Grauen, und doch ist alles nur krummer Hexenhokuspokus. Lachen als Methode zur Angstbeseitigung. „Shaun of the Dead“ ist soviel britischer Wahnsinn, dass mit seinen Charakteren ein lieblicher Kindergeburtstag abgehalten werden könnte. Friede, Freude, Eierkuchen. Mit Zombies.

Autorin

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6 Responses to “Kurzkritik: Shaun of the Dead”


  1. 1 fernseherin Juli 30, 2007 um 5:34 pm

    Aha. Da haben wir wohl gerade parallel geschrieben/gepostet.

    Ich war schon etwas enttäuscht, hatte mir einfach mehr Biss (humortechnisch) erwartet. Ganz nett für zwischendurch, aber ich verstehe den Hype nicht ganz.

  2. 2 Soraly Juli 30, 2007 um 5:43 pm

    Ich halte ihn nur für leicht schwächer als „Hot Fuzz“, wobei die Stilelemente sich weitesgehend gleichen. Der ganz große Brüller nicht, aber ein bisschen Horrorgrundwissen ist dafür halt schon mitzubringen, genauso wie sehr, sehr viel Verständnis für britischen Humor.

    Wobei der bei dir ja vorhanden sein sollte 😉 .

  3. 3 fernseherin Juli 30, 2007 um 6:04 pm

    Was den britischen Humor betrifft, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Primeval war ja auch eine britische Serie, und Jasper Fforde wird überall gepriesen wie geschnitten Brot.

    Und ich bin noch nicht mal so ein großer Monty-Python-Fan (ich fand den Flying Circus manchmal auch ziemlich platt und albern, soweit ich mich erinnere).

    Naja, was soll’s. Die Pommes haben trotzdem geschmeckt. 😉

  4. 4 Soraly Juli 30, 2007 um 7:44 pm

    Was ich zu „Shaun of the Dead“ ja auch noch erwähnen sollte: ich hab den im Doublefeature (wobei: war ja nicht hintereinander) gesehen. Deutsche und englische Fassung parallel, Film 2.0 oder so, mit ganz viel Spaß, wenn RTL wieder ihre Werbung gebracht hatte 😉 .

  5. 5 Dr. T. Le Vision Juli 30, 2007 um 11:30 pm

    Nee, mich hat’s auch nicht vom Hocker gerissen. Ich hatte mir das entweder komischer oder gruseliger, aber nicht nichts von beidem vorgestellt. Ich hab mich zwischendurch ganz schön gelangweilt. Vielleicht habe ich aber auch einfach zu viel erwartet? Dem britischen Humor bin ich jedenfalls grundsätzlich nicht abgeneigt.


  1. 1 Blogging by Tears Trackback zu Oktober 9, 2007 um 11:04 pm

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