Filmstarts und die Pampa des Nichtwissens

Deutsche Verleiher sollten in Zukunft keine Beschwerden für unzureichende Zuschauerzahlen mehr einbringen. Ganz zu Schweigen von den teilweise unglaublichen Startterminverschiebungen, die kaum nachvollziehbar publik werden und im Bad der Blockbuster untergehen, deren Veränderungen hingegen penetrant bekannt sind, selbst bei solch affektierten Donnerstag-auf-Mittwoch-Witzeleien, geschweige denn Titeländerungen, die selbst den größten Sprachkünstler vor Herausforderungen stellen. Scott Franks „The Lookout“ kann allerwenigstens über einen Starttermin am 13.09 froh sein. Mit dem neuerdings beworfenem Titel „Die Regeln der Gewalt“ hingegen schon weniger. Bereits bei diversen Filmfesten vorgestellt (zuletzt beim „Fantasy Filmfest“ und „Filmfest München“), führt jener Name grundlegend nämlich zu keiner genauen Beziehung. „The Lookout“, noch schlicht und passend, spielt den Film nicht unnötig zu einer Gewaltorgie, zu einer protzenden Männerrangelei hoch. „The Lookout“ steht da, und macht es sich beherzt gemütlich, ohne Rumpeln, nur gelassen.

„Die Regeln der Gewalt“ sprießt schon eher in Richtung „The Transporter“, vernichtende Schlägereien, Rums und Bums, viel geladene Action, viel Frauen, zwischendrin ein muskulöser Hauptdarsteller. Übersehen wurde in dieser Benennung nicht nur der Kern der Geschichte (nachzulesen in der Kritik), sondern auch das äußerliche Bild des Hauptprotagonisten Joseph Gordon-Levitt. Jener, im Film Opfer eines Autounfalls gewordene, Jugendliche, seitdem ohne Kurzzeitgedächtnis, ist kein knallharter Bursche, keiner der bewusst zu Gewalt neigt. Gordon-Levitt, dafür genügt ein Blick, rückt mit seinem dargestellten Chris Pratt in Richtung introvertierter Jugendlicher. „Buena Vista“ mag Zuschauer mit seiner Umbenennung in die Kinos bewegen, ob jene den Film, den sie im Vorhinein glaubten zu sehen, aber bekommen, sei dahingestellt. Provokation führt nicht unbedingt zu Liebe. Das verulkte Publikum ist nicht dumm, die anhaltende Flaute an Einnahmen außerhalb des Blockbuster-Bereiches ebenfalls nicht.

Erfreulich bleibt auf anderer Strecke der Starttermin für die Dokumentation „Jesus Camp“, die im BFILM-Verleih am 01.11.07 in den Kinos predigt. Aufgrund der schier unmöglichen Synchronisation trotz allem wahrscheinlich mit Originaltonspur und Untertiteln und (weil in Deutschland lesen im Film nie beliebt werden wird) in wenigen Kinos.

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