Walkürenritt

„Und es könnte ein großer Film sein. Vielleicht sogar ein Meisterwerk.“

Die Diskussion über Bryan Singers („Die üblichen Verdächtigen“, „Superman Returns“, „X-Men“) Stauffenberg-Projekt „Valkyrie“ ist gerade in einer kleinen Versenkung verschwunden, um von der „Süddeutschen“ wieder rechtzeitig, schließlich soll der Film bis nächsten August kaum vergessen werden, mit dem augenscheinlichen Drehbuch, aufzublitzen. Laut deren Informationsquellen umfasst das „schlanke“ Buch 114 Seiten und 162 Szenen und soll mit den Drehbuchautoren Christopher McQuarrie und Nathan Alexander die End-, nicht aber Drehfassung darstellen. Angepriesen in seiner rohen Schrift als „überzeugende, aber letztlich doch karge Charakterstudie“ überspielt der Bericht der „Süddeutschen“ gekonnt die vorhergehende Propaganda gegen Hauptdarsteller Tom Cruise der, abgesehen aller Theorien über die historische Treue der Verfilmung, den Faktor darstellt, der mittels eines Drehbuchs noch keine Züge annehmen kann. Tom Cruise, nunmehr Claus Schenk Graf von Stauffenberg, stieß mit seiner Scientology-Beteiligung als Randeinfluss schon auf ungemeine Widerborstigkeit, darin verborgen allerdings die akute Problemzone: seine Schauspielerei.

Cruise-Stauffenberg-Vergleich

Das wahre Problemkind bleibt schlicht und ergreifend seine unförmige Ausdrucksfähigkeit, die zumeist zwischen übertriebener Selbstdarstellung und einem dramatisierten Schaulaufen seiner eigenen Kunst pendelt. Oder ist das doch nur das heutige Verständnis seiner Leistungen, die im Schaulaufen mit Frau Katie Holmes mündeten? Ist Cruises Ausbruch bei Oprah Winfrey viel eher Grund zu Sorge gewesen, als seine gesamte Filmographie? Denn diese spricht für ihn. Durch die Bank gelang Cruise mit vielerlei Streifen sein Aufstieg in den Hollywood-Olymp, ein Weg abseits von Sekten-Gesprächen oder Larifari, an Tagen, die noch keine Diskussion um Scientology zuließen. Steven Spielberg, Cameron Crowe, Edward Zwick, sogar Stanley Kubrick hatten ihn zu Gast. Als Hauptdarsteller. Meist von Verkörperungen der Helden oder Gutmenschen lebend, sind seine Rollen dennoch gezeichnet von feinen menschlichen Schwächen, unbedachten Schicksalsschlägen. So schwebt in Cameron Crowes Remake „Vanilla Sky“ des spanischen Klassikers „Abre los ojos“ Tom Cruises David Aames zwischen Realität und unbewusst gewählter Traumlandschaft. Sein Gesicht entstellt, mit einem Autounfall schlicht ist sein Leben zerstört und grenzt an einen Zustand der Lebensunfähigkeit.

Der Cruise als Schönling verschwindet in „Vanilla Sky“ vollkommen hinter einer Latex-Maske, die ihm jedwede Ausdrucksfähigkeit nehmen könnte, in der psychologischen Tiefe des Werkes den Schauspieler jedoch zu einer phänomenalen Leistung förmlich zwingt. „Vanilla Sky“ beleuchtet nach der grenzwertigen letzten Kubrickmachenschaft „Eyes Wide Shut“, der ebenso in seiner drastischen Darstellung zu Spaltungen bei Kritik und Publikum führte, welche Klasse ein Darsteller in für ihn ungewöhnlichen Rollen entwickeln kann. „Rubicon“, vermutlich der weit reichende Titel von „Valkyrie“ im August, stellt Cruise vor historische Fakten, die in den Charakter seines dargestellten Stauffenberg einhergehen müssen. Einzig dieses Detail ist Grund zur Sorge, da seine Arten der Darbietung bisher keine geschichtliche Korrektheit verlangten, ebenfalls nicht vor dem Hintergrund einer Nacherzählung angesiedelt waren, die von Historikern mit Skepsis erwartet wird. Die „Süddeutsche“ berichtet von einer „überzeugenden, aber letztlich doch kargen Charakterstudie“. In ihrer ganzen Abhandlung des vorliegenden Drehbuchs stößt sie sich kaum an den Spekulationen über Cruise die Zähne aus, sie geht schlau den Weg des Nichtwissens, aber der erfreulichen Erwartung. Und sie beweist, wie ruhiger Journalismus ohne müde Hypothesen auch heutzutage sein kann.

„Die Rolle verlangt auch wirklich nach einem Star, der diese Leerstelle (der kargen Charakterstudie) füllen kann, der in der Imagination der Zuschauer etwas mitbringt, was die Figur erst vollständig macht. Im Falle Stauffenbergs muss das eine Aura sein, die Menschen mitreißen kann, eine Entschlossenheit, gegen alle Widerstände den einmal gewonnenen Überzeugungen zu folgen, eine Getriebenheit, die um jeden Preis den Erfolg will und auch den Weg kennt, der dorthin führt. Kein Zweifel: Tom Cruise könnte der richtige Mann für diesen Film sein.“

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