Kritik: Fantastic Four 2 – Rise of the Silver Surfer

4: Rise of the Silver Surfer
USA, Deutschland, Großbritannien 2007
Start: 14.08.07

Fantastic Four - Rise of the Silver Surfer

Regie: Tim Story
Drehbuch: Don Payne, Mark Frost
Darsteller: Ioan Gruffudd, Jessica Alba, Chris Evans, Michael Chiklis, Julian McMahon, Kerry Washington, Andre Braughter, Laurence Fishbourne, Doug Jones

3/10 Punkte

Kritik: Die Apokalypse bricht an. Weltuntergang, Zerstörung, Sterben. Die runde Erde wird wieder zur Scheibe. Alles auf ihr rutscht und wippt, Menschen, Tiere, schaukeln von einer Seite des gigantischen Erd-Kutters zur anderen. Abgrund, tiefe Schlucht am Rande. Plötzlich, ein Licht. In Windeseile ploppt das zusammengepresste Gefilde der Welt wieder auf, wie Luft in einen Schwimmball eindringt, stößt sie wieder in ihre ursprüngliche Kugelform. Der Schein von Erleuchtung und Gottesehrfrucht, welch Werk der liebe Herr von oben ein weiteres Mal vollbrachte und die trostlose Menschheit vor dem Untergang bewahrte, bleibt in „Fantastic Four 2 – Rise of the Silver Surfer“ hinter dem imaginären deutschen Untertitel verborgen. Trotz katastrophaler Ausgangslage, die Welt wird von der Urgesteinswolke Galactus, die immer ganz gern Planeten schluckt, heimgesucht, retten vier Helden in Strumpfhosen leidig unsere Heimat, ohne Gottes Hilfe. Denn in dem Komplex aus maßgeschneiderten Anzügen ist Botenjunge Jesus, ummantelt von einer silbernen Hülle, die einzige Rettung aus dem groben und furchtbar einsilbigen Fiasko. Bar aller Schwerkraft rudert der graue Junge mit seinem glänzenden Schild als Untertasse Richtung Endzeitstimmung, er schneidet noch Vögeln die Flugkurve, poliert seine Stahlunterarme. In personifizierter Ruhe blickt er auf das erbärmliche Angesicht der Erde, blickt herab auf die armen Menschen, die jammern und schreien.

Sie können noch und nöcher schreien. Sie können rennen, plärren und ihre winzigen Ärmchen winden. Und doch liegt in ihren Blicken bedauernswerte Leere, eine blaue Kontaktlinse vielleicht, die den trüben Blick entstehen lässt. All die desaströse Verwüstung, die Löcher auf dem Globus, sie zischen am Bewusstsein vorüber. Womöglich ist die Regierung schuld, deren unerwartete Nachrichtensperre keinen Deut, keine Informationen ans Tageslicht beförderte, die Katastrophe mal schnell unter den Teppich kehren wollte. Die düsteren Grundqualitäten der „Fantastic Four 2“ könnten den „Körperfressern“ entstammen, deren von Alien eingenommene Menschen einen obskuren Hang zu Schleifgang und Desinteresse besitzen. Aufgeklappte Münder und kein Ton entfleucht ihren Lippen. Da kriechen sie dahin im Ausblicksrad des London-Eye, hoch über die Stadt. Wieder schwingen und rutschen sie entlang, weil die dummen vier Pappenheimer über, unter, neben ihnen keine Ahnung von ihrem Job haben. Bis zur Mundstarre kann „Fantastic Four 2“ als sinnlose Bürobefreiungsaktion beäugt und zweifelnd angestarrt werden. Ein Hartz 4 mit blauem Babykostüm, niedlicher Schleife festgezurrt, und einem rosa Puschelhasen anbei, der wunderbar auf Bauchdruck quietscht und ziept.

Kotzreflex erzeugend ist die Folgemaschinerie nach den überheblichen Handlungsfetzen des ersten Teils jedoch bis in die grausigen Nonsensausflüge auf der wiederbelebten Flotte des Victor von Doom. Ein Bösewicht ersteht wieder, indem der falsche Angstgegner „Silver Surfer“, in Wahrheit natürlich der gute Gute, dem dauerlippenmalmenden Julian McMahon einen Energiestrahl in die Brust schießt. Merke: heutige Weltenzerstörer haben heilende Kräfte. Das ist nicht nur besser als jedes Ratiopharm, sondern auch noch an unterirdischer Konzeptlosigkeit inmitten einer redseligen Hochzeitvorbereitungszeremonie kaum zu übertreffen. Ein Vorhaben muss zumindest annähernd hinter dem Projekt „Rise of the Silver Surfer“ gestanden haben. Und sei es in diesem Fall ein ausgelutschtes „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“-Remake in teueren Superheldenstiefeln. Melodramtisch und voller schwachsinniger Witzdialoge kneten Reed Richards (Ioan Gruffudd) und Sue Storm (Jessica Alba) doch um Himmels Willen aus ihrer anstehenden Hochzeit einen Flickenteppich aus Kindergeplänkel, Angst vor Bindung und dem Zwang der Öffentlichkeit fortwährend ausgesetzt zu sein.

Schön und gut, durchaus mit Ansätzen zur parodistischen Aufarbeitung des schwerwiegenden Heldendaseins ausgestattet, aber welch Idiot schrieb dieses „Drehbuch“? Ein (pardon) Grundschüler? „Dialoge“, „Monologe“, die jedes Übersetzungsprogramm besser hinbekommen hätte, türmen ihre Seiten auf dem Surfbord des biederen und von seiner eigenen Natur verzweifelten Silver Surfers. Zumindest erzählt der Herold munter von seiner tragischen Seite, einen kurzen Panoramablick auf seine Gefühlswelt unterschlägt Regisseur Tim Story nämlich schlicht und ergreifend. Redenschwingend verkommt „Fantastic Four 2“ allemal in bester Seifenopermanie zu einer charakterlosen Schaubude für zurückgebliebene Stars. Darf Gruffudd in der Rolle des überaus dehnbaren Mr. Fantastic noch die elastische Eleganz einer unkaputtbaren Plastikpuppe zaubern, degradiert sich der Schöngeist des Films, Frau Alba, zu einer unsichtbaren Geistlichen mit Froschgesicht und mörderischen Lippenfantasien. Schlimmer in jedem Sinne, als die Verkörperung des Arschlochs Johnny Storm (Chris Evans) kann auch Holzklotz „Das Ding (aus einer anderen Welt, wäre es dort nur verblieben)“, der Ansätze zu Persönlichkeit besitzt, in Gestalt Michael Chiklis nicht daherkommen.

An Individualität mangelt es „Fantastic Four 2“, an der schöpferischen Gabe einer ruhigen Führungshand, an Charakter, einer fanatischen dunklen Gestalt am Ende des Universums, an zackigen Schlachten, lauten Krawallhochburgen, amüsanten Dumpfsinn, und einem Warnhinweis, der bei Zigarettenschachteln doch so überlebensgroß in schwarzen Lettern auf weißem Hintergrund prangt. Tödlich langweilig kann „Fantastic Four 2 – Rise of the Silver Surfer“ sein. Gewusst wie, und trotzdem reingefallen.

Autorin

6 Responses to “Kritik: Fantastic Four 2 – Rise of the Silver Surfer”


  1. 1 khitos August 17, 2007 um 3:46 pm

    lol etwas übertreibst du aber schon ^^
    man kann F4 2 angucken😉 Na immerhin 3/10!

    btw: toller Blog, hab ihn gerade gefunden =) Interessant noch einen Filmkritiker gefunden zu haben ~ ( Ich bin aber net so gut … schreib aus der Laune heraus ^^ )

  2. 2 Soraly August 17, 2007 um 6:47 pm

    Ein bisschen Spaß muss aus diesem langweiligen Superheldenpotpourri schließlich doch noch entweichen😉 . Und sei es für unterirdische 3 Punkte. Zumindest nicht der schlechteste Film des Jahres.

    Vielen Dank für dein Lob. Schreiben wir denn nicht alle aus der Laune heraus🙂 ? Gibt’s deine Kritiken online zu bestaunen?

  3. 3 khitos August 18, 2007 um 2:14 am

    hier: http://khitos.wordpress.com/ und hier: http://www.zelluloid.de/kritiken/archiv.php3?a=34

    Man bemerke, dass der Zeitpunkt wo ich mir Mühe für die Kritiken gebe erst bei ‚Reign over me‘ anfängt ^^ der Rest gibts auf Zelluloid, aber bei den meisten bin ich immernoch nicht so zufrieden, aber was solls🙂

  4. 4 Soraly August 18, 2007 um 10:33 am

    Dann weiß ich, wo ich meine Lesenase heute reinstecke🙂 .

  5. 5 Sunrider September 11, 2007 um 9:44 am

    Naja, wenigstens ist das File, das man sich aus den einschlägigen Tauschbörsen ziehen kann, von guter Bild- und Tonqualität.

    Angucken, dabei dauernd gähnend auf die Uhr schielen, und sich hinterher freuen, dafür kein sauer verdientes Geld ausgegeben zu haben.

    Und nein, wenn ich kein Internet hätte, würde ich dennoch nicht öfters ins Kino gehen. Irgendwann kommt der ganze Kack ja doch noch zur Drittverwertung ins TV.

    Die Anderenorts vielfach gelobte Animation des Silver Surfers hat mich übrigens nicht weiter vom Hocker gehauen, so ähnlich sah doch schon der Bösewicht in Terminator 2 aus. Scheint ja offenbar nicht mehr allzuviel Fortschritte in der CGI zu geben…

    Wie gerne würde ich mal einen Film sehen, bei dem auch mal der wahre Bösewicht dran glauben muss – der Drehbuchautor.


  1. 1 Gemüse zum Ausradieren « CeReality Trackback zu August 24, 2007 um 8:06 pm

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