Die Reise ins wilde Schwein

Für Teil 1 der Dschungel-Nibelungensaga bitte hier entlang.

Die Abenteuer-Dschungel-Show „Survivor“ auf Pro7 feierte gestern ihre Rückkehr zur zweiten Folge, nach der recht guten Gewissens gesagt werden konnte: Jede Unkrautentfernung auf Balkonien bietet mehr Spannung. Utopisch ging es nämlich auch in dem Folgemarsch nicht weiter. Mit einer abgesunkenen Besetzung von 17 Mannen und Frauen stellte sich die verlassene Bande einmal mehr der unheimlichen Wildnis und kämpfte bis zum Anschlag um Immunität. Ähnlich stupide, man erinnere sich, wie in dem ersten Wettbewerb der so genannten „Immunitäts-Challenge“ mit Stichpunkt „Balkenhang“ also. Eine Neuerung trat gestern überraschenderweise dann doch ein. Nicht ein-, sondern zweimal sollte die keifende Gruppenstärke der Mannschaften „Tasik“ und „Gunung“ getestet werden. Während ersteres Duell an Belanglosigkeit nicht zu überbieten war (nannte sich nunmehr „Belohnungs-Challenge“) folgte die entscheidende Immunitätsschlacht auf Kriegsfuß, in der überraschend die bisherige Gewinnertruppe „Tasik“ bei einer Art „Baumwipfel hochklettern“ verlor.

Die lieben Sieger natürlich jubelten auf dem schmalen Stamm und sprangen, soweit dies in dem begrenzten Raum möglich war, in die Höhe. Heulend daneben, nur die Tränen von dem wässrigen Untergrund schemenhaft abgehoben, die blauweiße Idylle „Tasik“. Und wie sie in ein Gezeter ausbrachen, der verletzte Musical-Sänger Heiko, der nur auf seinem schmerzenden Bein stehend sich über Bord halten konnte und somit eine Kollegin die Hand zum Hochziehen verwehrte. Der Stress kam geflogen, es wurden Beschuldigungen abgegeben und der Mund zur Standpauke geöffnet. Krieg im Paradies. Was für Abwechslung sprechen könnte entpuppt aber seine fahrigen Züge in der leidigen Grundsatzdiskussion. Der Kader ist genervt von all den Anschuldigungen und wuchtigen Schreiausbrüchen, die doch endlich mal die Urzeit, nicht aber Dschungelzeit, bekannt geben. Faktum: Männer streiten gern, sie weinen gelegentlich und die Klappe ist in jedem Falle übernatürlich groß.

Der Egoismus ließe sich um die Welt spannen, so vernarrt in ihre eigene Meinung sind die teamuntauglichen Kandidaten. Tatsächlich wollte die liebe Madame Kima den Verein „Tasik“ verlassen und in die noch wirklichere Realität zurückkehren. Freiwillig. Somit wäre die Entscheidung von wegen Inselrat und Papierkrieg mit Namen auf den Zetteln unheimlich leicht gefallen. Alle, die wollen, bleiben drin, die, die den Stamm verlassen möchte, wird heraus gewählt. Pustekuchen. Reibereien helfen einer schriftlichen Mitteilung schließlich nicht auf die Sprünge. Das war damals in der Grundschule schon so, heißt heute mittlerweile „Mobbing“ gegen die empfindsamen Zeitgenossen. Ein Heulkasten, obwohl angebracht, fehlt aber auf dieser Insel leider vollkommen. Dabei könnten die lieben Kandidaten leicht einen Zettel in den Sumpf werfen, den Frust ablassen und zu guter Letzt freudig und befreit von allen Sorgen ums Feuer tanzen. So simpel.

Mit der Untertitelung „Grüner Streit um ökologisches Bewusstsein“ ist „Survivor – Part 2“ dann eher ganz hervorragend aufgehoben. Denn diese vermeintlichen Umweltjünger sind bloße Verräter an ihrem Stamm. Selbst der altmodisch verlautende Inselrat kann die Katastrophe in dem gestellten Flugzeugwrack kaum aufhalten, geschweige denn die unterbemittelten Frauen, deren Einfluss auf Babybreiniveau stagniert. In der Zeit von „Survivor“ gibt es Jäger und Sammler nach dem bekannten Baukastenprinzip. Frau sammelt Beerchen, während Mann gierig den Tieren auf die Schliche kommt. Aber das hatten wir bekanntlich schon beim letzten Mal. Es gibt noch immer keine Tiere. Wo bleiben Wildschwein, Schlange, ekelhafte Blutsauger bei Nacht, Blutegel & Co? Wo ist die Wildnis, außer in den von Studioanlagen kreierten Palmwedeln und frischen Lüften? Und wo, verdammt noch mal, bleibt endlich die Sturmflut, die alle Fackeln auslöscht?

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6 Responses to “Die Reise ins wilde Schwein”


  1. 1 Dr. T. Le Vision August 22, 2007 um 6:48 pm

    Ah ja, so war das also genau mit den verschiedenen Challenges und mit Heiko. Ich kapier einfach nicht, wieso die sich immer sofort an die Gurgel gehen, anstatt dass einer mal sagt: Ja, war meine Schuld, tut mir Leid. Ich habe mich derweil – aus lauter Langeweile – ja ein bisschen auf die superliebe Sonja eingeschossen. Die hat genügend Potenzial, um zur Insel-Nervensäge zu werden, glaube ich. 😉

    Ansonsten bin ich froh, dass die Quoten zeigen, dass wohl die meisten „Survivor“ einfach nur langweilig finden.

  2. 2 Soraly August 22, 2007 um 7:33 pm

    Wer ist Sonja? Ich kenn mich mit den Namen bei stinklangweiligen Sendungen zum Glück nie aus.

    Und für die Namen von den Wettbewerben hab ich bei der Quelle Nr. 1 nachgeschlagen. Was Pro7 doch für die Inselratte alles bietet 😉 . Blöd halt, wenn man die erste halbe Stunde verpasst und gar nicht weiß, was der olle Heiko denn für Wehwehchen hat.

  3. 3 Dr. T. Le Vision August 22, 2007 um 8:59 pm

    Sonja ist die Jurastudentin, die sich so für Kima eingesetzt hat aus Team Tasik… Ich hab ja keinerlei Chance, mir jemals die Gesichter der Leute einzuprägen, deswegen versuche ich von Anfang an zumindest mir die Namen zur Unterscheidung zu merken.

    Ansonsten: Du musst deine Insider-Kenntnisse nicht rechtfertigen… 😉

  4. 4 fernseherin August 23, 2007 um 4:51 pm

    Und wieso will Kima jetzt eigentlich unbedingt heim? Kann mir mal einer von den Insidern auf die Sprünge helfen? 😉

  5. 5 Soraly August 23, 2007 um 8:27 pm

    Heimweh oder sowas. Ich leide noch an akuter Gehirnverweichlichung nach „Beim ersten Mal“ und „Superbad“ eben. Deswegen muss die Doktorin wohl weiterhelfen.


  1. 1 Die Prophezeiung III « CeReality Trackback zu August 29, 2007 um 8:07 pm

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