Kurzkritik: Mona Lisas Lächeln

Mona Lisa Smile
USA 2003
Start: 22.01.04

Mona Lisas Lächeln

Regie: Mike Newell
Drehbuch: Mark Rosenthal, Lawrence Konner
Darsteller: Julia Roberts, Kirsten Dunst, Julia Stiles, Maggie Gyllenhaal, Ginnifer Goldwin, Dominic West, Juliet Stevenson, Marcia Gay Harden, John Slattery

4/10 Punkte

Kritik: „Aber ist sie wirklich glücklich?“ Im Blickpunkt steht die hinreißende Facette der Mona Lisa, deren zweifelhaftes Lächeln soeben zur Analyse dient. Mit Röckchen und verdutzten Augen nimmt die junge Betty (Kirsten Dunst) den Klassiker unter den Kunstwerken in sich auf, sie saugt förmlich alle Details hinein, die ihre Frage beantworten könnten und des Rätsels Lösung offenbaren. Denn augenscheinlich umwirft die Mona Lisa ein leidiger Saum, den die, urplötzlich zur heiligen Elfe wiedergeborene, Betty mit einem Mal versteht. Das Miststück verwandelt sich, und wenn schon ein Messias vom Himmel fällt, schlägt Julia Robers günstig im Garten Eden ein. „Mona Lisas Lächeln“ lautet das konservative Remmidemmi im Aschenputtellook, mit dem Mike Newell das traditionelle Frauenbild der 50er Jahre stimulieren möchte. Die Auskopplung einer von Östrogenen verseuchten Variante „Der Club der toten Dichter“ bietet folgerichtig auch so einige Sperenzien des klassischen Frauenfilms: 1. Pummelchen (Ginniger Goodwin), Streberkind (Julia Stiles) und die sexuell erfahrene Göre (Maggie Gyllenhaal) treffen sich im Sandkasten, 2. Zukunftsweise Frauen besitzen einen Missionsdrang, 3. spätestens am Ende fließen heuchlerische Poesie und Tränen.

Vor Spannung steckt der Atem im Halse fest, so festgezurrt kommt Newells Fahnenstange zwischen knalligen Popcornperücken und festgefahrener Haute Couture daher. Fast wie im Traume will Julia Roberts davonfliegen von ihrem Image der fortschrittlichen, aber irgendwie dennoch zurückgebliebenen Kunstgeschichtslehrerin, deren Kampf einzig verwinkelten Advokaten gilt. Der Fortschritt liegt entfernt, doch Heiland Roberts überzeugt Stück für Stück das Bündel an verlorenen Mädchen, deren Begriff von moderner Kunst im subversiven Graufeld hängt. Die Kinder blühen auf, sie winden sich aus den Fängen der Männer und gehen, wer glaubte es zuvor, den Weg der Arbeit. Familie steckt zurück, Bahn frei für die kultivierten Weiber, die die Männerwelt unsicher machen. Fünfzig Jahre zuvor wäre „Mona Lisas Lächeln“ als Revolution durchgegangen, in der Neuzeit wirkt Mike Newells abgedroschene Steinzeitepisode schließlich schlicht langweilig; vor lauter Kunst überkultiviert, in den letzten Sentimentalitäten ertränkt, die einer Geschichtsstunden entrinnen.

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