Film = Machtwerk?

Film ist anstrengend, hinzu öde wie Kartoffeln und Haferschleim, er ist zäh geworden und unheimlich bekannt, fast vorhersehbar in seiner Güte, den Zuschauer unbedingt nicht zu verzaubern. Vermutlich ist das wie mit allem Bekannten: Einmal getrunken, geschlürft ist der beste Wein doch nur noch halb so gut, wie die Freude auf einen noch Besseren. Doch wenn Julie Paradise von „Julie Paradise“ „Film = Machwerk?“ titelt und die Filmfreunde ein weiters Mal über Machwerke philosophieren, so ist es doch bei jedem selbsternannten Filmfan geschehen: Er will mitreden und sein Intelligenz beweisen. Wenn Machwerke doch nur so leicht wären.

Doch Machwerk klingt urwäldlerisch, als wolle man das Handwerk mit einem Ruder schnell das Geschick lehren. Mit dem Klöppel auf die Birne. Es spricht geradezu aus: „Bleib weg Kunst, geh zurück, bleib fort, lass mir doch meinen Hammer allein und behalte die Feile bei dir.“ Machwerk ist ganz und gar schlecht. Oder würde ernsthaft der Ausruf „gut gemacht“ noch einen letzten Zeugen Jehova hervorlocken, der zwischen seinen Missionen schnell den Kopf hebt und den Film, betitelt als „Machwerk“, anfunkelt? Und wäre neben den Zeugen dieses hier sitzende Machwerk von schriftstellerischer Güte? Nein, so weil es „Machwerk“ lautet, weil ein Drang dahinter steckt, der tatsächlich dem Handwerk innewohnt, weil es zu schuften und schwitzen galt, wenn so genannte Machwerke neuen Boden betraten. Werke sind schön – und gut – und wahrscheinlich mehr einem Handwerk zugetan als einer schöpferischen Allheiligkeit. „So soll es sein“, sprach der Herr, nicht aber der Deutschlehrer, der bisweilen von seinem Handwerk eine Spur mehr versteht, als so manch Schüler wissen konnte.

Er versteht sein Handwerk. Das wäre für einige Bewohner der Spezies übertrieben, stimmt in seinen Grundfesten jedoch tatsächlich: Der Deutschlehrer hätte seinem Schüler in jedem Falle ein Synonym in die Wiege gelegt. Für den Film dann eben mal: Machwerk. Wie schön doch die Kunst ausradiert und die Werkstoffe addiert werden konnten. Vielleicht wusste Herr oder Frau Deutschlehrer davon und ließ den armen Schüler selber die Bedeutung dieses „Machwerkes“ hinterfragen. Wenn „schlechte Arbeit“ wenigstens einmal unter einem Schulaufsatz geprangt wäre. Oder aber er meinte ein ganz anderes Wort und verschrieb sich bloß: Machtwerk. Das jedenfalls würde dem Film einen unverhofften Glanz geben.

2 Responses to “Film = Machtwerk?”


  1. 1 Julie Paradise September 18, 2007 um 2:02 am

    Danke. Ich war schon kurz vor dem Verzweifeln.

    „Konnotation wird überbewertet“ — ja klar …

  2. 2 Soraly September 18, 2007 um 3:13 pm

    So wie momentan die deutsche Sprache vor die Säue geht, werden nicht nur englische Wörter gequält, sondern die Deutschen falsch verwendet. Warum will man Film (eigentlich ein großartiges und kurzes Wort für eine solche Breite an Kunst) austauschen? Aber mich wundert’s nicht: Synonyme sind bekanntlich Zeichen für großen Wortschatz.

    Das ist schon immer ein Trauerspiel gewesen.


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