Kritik: Zimmer 1408

1408
USA 2006
Start: 13.09.07

Zimmer 1408

Regie: Mikael Håfström
Drehbuch: Matt Greenberg, Scott Alexander
Darsteller: John Cusack, Samuel L. Jackson, Mary McCormack, Tony Shalhoub, Jasmine Jessica Anthony, Len Cariou, Isiah Whitlock Jr., Paul Birchard

5/10 Punkte

Kritik: Warum ein jeder Schocker in seiner Folge die 13 tragen muss? Liebes Publikum, eine Zahl der Hölle, des Todes und schrecklicher Qualen erscheint wahrhaft gruseliger, als der vergleichbar öde Schrott wirrer Zombies und Blut unterlaufener Augen. Schließlich erkennt der Mensch eine Qualität seiner selbst zwischen den Zeilen: mit Äxten und Pfählen quälen Menschen Menschen, getragen von dem Aberglaube, eine Ziffer könnte Unglücksfrüchte tragen. Sie zerfleischen ihre Artgenossen und bereiten die schönste Leibspeise zu; einen Cocktail aus fruchtbaren Zutaten des Lebens, die im Sarg enden. Vielleicht steckt der Kannibale in jedem von uns erbärmlichen Kreaturen, die nur nach Erfolg trachten und die Liebe lange im Traum belassen, auch wenn jener lange Wirklichkeit war? In dem Komplex des neuerlichen Schreckens, einem Zimmer mit der Nummer 1408, sucht John Cusack nach einer Antwort auf seine Fragen, die mit einem Buch begannen und mit einem laschen Abgang enden. So surreal und erschütternd der Kern ist, so sehr frisst das Konzept aus den Federn des Stephen King sich selbst und seine Grundfeste auf. Die Tyrannei dringt tief in die Poren eines Raumes, dass kein äußeres Schreckgespenst, sondern wie öfters gesehen ein inneres Emblem voller Wissen, Stursinn und irreversibler Schäden ist. Warum ein jeder Schocker die 13 tragen muss? Woher sonst einen Grund nehmen, endlich wieder einen Horrorfilm herzustellen?

Der Weg bleibt identisch mit allen Zitaten des Meisters des Schreckens Stephen King, den er oft genug offenbart und auf seine Art variiert und massentauglich gemacht hat. Horror entstand unter seinen Fittichen so oft, dass seine alleinige Anzahl schon für das Synonym grotesker Qualen gebucht ist. Seine Hauptcharaktere sind wie King selbst meist Autoren, Schriftsteller gewesen, die von ihrer Berufung mal schlecht, mal recht lebten und auf der Suche nach den Mysterien dieser Zeit waren. Hauptcharakter im neuerlichen Märchen „Zimmer 1408“ ist Mike Enslin (John Cusack), der seinen Lebensunterhalt mit Horrorbüchern verdient, Aufzählungen der Hotels, in denen der Spuk fortwährend weilen soll. Doch Geister, Boten des Jenseits oder anderer unsichtbarer Mächte traf er in seiner halbgaren Karriere nie an – kaum zu glauben, dass es jemals in Form einer Postkarte zu einer Begegnung mit weit schrecklicheren Ungetümen kommen sollte. Jenes Schriftstück präsentiert – wunderbar eingerückt in die atemberaubende Fassade eines steil aufragenden Hochhauses – das Paradies eines Hotels: Dolphin, ein Monster von vielen Räumen, prunkvollen Verzierungen und einer Etage, die kein Mensch jemals betreten sollte. Nummer 13, gelegen zwischen 12 und 14, ist ein Stockwerk mit der wohl dunkelsten Geschichte, die ein Luxushotel besitzen sollte und ein Spuk, der jeden Gast freiwillig in die nächste Bruchbude wandern lässt.

Eine Stunde überlebt ein jeder in dem langweiligen Ambiente von Zimmer 1408, gelegen auf besagtem Stock 13, genauso wie es die Zahlen in seiner Kombinationswut schürt. Tickt der Wecker jedoch bis auf seine Grundfeste, so ist es endgültig aus mit der lieben Welt und der Tod soll den Nächsten holen, ihn zum 57 überwältigenden Auflauf verlorener Seelen, die in dem Raum starben, hinzufügen. Führt das Gespräch unaufhörlich zu Stephen King, so geschehen in Folge dessen allerlei seltsame Dinge – wenn auch der Abgang derer nach einiger Zeit mehr in wahnwitzig bebilderten Tohuwabohu, als wahrhafter Schrecknis endet. Von dem Problem des spannungsgeladenen Aufbaus und einer folglich schwachen Auflösung profitiert ebenfalls „Zimmer 1408“, im heutigen Effektzeitalter ein erstaunlich altertümlicher Horrorversatz, der den Gang auch in Zwischenebenen sucht – mehr oder minder effektiv; nach einiger Zeit bis zur erschreckenden Erkenntnis, ein weiteres Mal den schnulzigen King bis zum Morgengrauen zu verfolgen. Was denn hier hechtet und springt wie ein tollwütiges Alien ist allemal ein milchiger Schatten, der mal minder in einem Flussbett des unheimlichen Übernatürlichen endet; E. T. nach Hause telefonieren für Spätreife.

Allzu gegenwärtig ist John Cusacks Protagonist Enslin keiner der normalen Spießbürger mit einer doppelten Versicherung seiner Pfoten und putziger Familienidylle am Rande der Straße, sondern gezeichnet vom Leben und dem Verlust seiner Tochter. Sollte diese Dramatik einen Film des King-Kalibers tragen: Gehen wir gleich in die Kirche und erwarten den Heiland persönlich. Solch hanebüchene Brüche in dem ansonsten beängstigend realen Szenario verleiten flugs zu glucksendem Lachen und einer beschämenden Prise Mitleid dem angsterfüllten Hauptprotagonisten Enslin gegenüber, dessen klägliche Versuche, dem Grauen zu entfleuchen bereits im Bad enden – auch weil Selbstmorde und ein natürlicher Tod dem Zimmer weitaus mehr zusagen. Der Raum ist das Problem; gefangen zwischen Altertum und fehlender Elektronik scheppern die Bilder in ihren Rahmen, Sommer und Winter brechen gleichsam herein und schlussendlich kehren sie alle zurück: die Totgesagten, die noch immer kreideweiß ihr Antlitz zeigen und alle die, die aus einer Erinnerung stammen. Das Scheinheiligtum Enslins ersteht in Form seiner Tochter; allein schon ein Knüller des emotionalträchtigen Drehbuchs, dessen Existenz fortlaufend jämmerlicher dahin schwindet. Es knallen die Logiklöcher bis in einer Tortur der Anschein erweckt wird, dass Spiel sei vorbei, Enslin in der Wirklichkeit zurück und – alle Dinge sind drei – die Ex-Frau nicht länger auf Ex.

Mit Blick durch das Schlüsselloch verpufft dahin, was verborgen gehörte; in einer weiten Erklärungswut offenbart Mikael Håfström sogar all jenes, dass dem Zuschauer bislang an der Nase vorbei ging und nun – ganz stereotyp – in einer Erzählung weitererzählt wird, wie sie bei den Grimmchen Märchen vielleicht am rechten Fleck gestanden wäre. Das Altertum schlägt negativ wider und seine Formen beenden das Gemenge in akuter Unzufriedenheit unter den bombastischen Fängen der echauffierten Spezialeffekte, die nur blitzen und donnern, aber nie dem Schrecken eines kaputten Radios nahe kommen oder gar Türen, von Geisterhand verschlossen. Bei Weitem schlägt die Turmuhr immerzu 13 und pocht darauf am Ende ein Zimmer namens 0815 zu verhindern. Sie kann es nicht – all dem klassischen Horrorambiente zum Trotz.

2 Responses to “Kritik: Zimmer 1408”


  1. 1 tron68 Februar 6, 2008 um 11:56 pm

    also für so eine beschissene kritik fällt mir nur ein, junge du hast zu oft im hostel geschlafen.


  1. 1 Mental Savage :: Filmkritik: 1408 (Zimmer 1408) :: October :: 2007 Trackback zu Oktober 18, 2007 um 7:32 am

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