Kritik: Resident Evil 3 – Extinction

USA, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Australien 2007
Start: 27.09.07

Resident Evil 3 - Extinction

Regie: Russell Mulcahy
Drehbuch: Paul W. S. Anderson
Darsteller: Milla Jovovich, Oded Fehr, Ali Larter, Iain Glen, Ashanti, Christopher Egan, Spencer Locke, Matthew Marsden, Mike Epps

4/10 Punkte

Kritik: Mama, kommen jetzt die Zombies? Ja, mein Schatz, die kommen schon wieder. Obwohl die Steinzeit in ihrem öden Landeskern viele auf dem Boden lungernde Pflanzen bot und nunmehr, eine paar Millionen Jahre später, ein üppiges Rinnsal an Sand bereitstellt, wetzen die stinkigen Viecher noch immer herum und imitieren eine Horde hungriger Gorillas, die voller Angst doch schließlich ihre Banane erhalten. Richtig: Wir befinden uns zwischen den Urängsten der menschlichen Bevölkerung, deren Ableben einer Fabel staubiger Dinosaurier gleicht – Schutt, Asche und die Sonne über den Gedärmen ausgehungerter Untoter schweifend – wobei: Toter. Die Farce einer rüden Westernidylle kesselt die letzten paar Überlebenden ein, die unter murrenden Gesichtern noch ihre Rennboliden ordern; wie Tiere auf der Jagd streifen sie umher, um die tüchtige Alice herum. Die knallt seit jeher gern alles, was ihr in die Kiste hopst und wirkt mit jeder Episode der launischen Spielverfilmung „Resident Evil“ ein Stück weit mehr von der Rolle. Dabei glänzt ihr schroffer Blick im dritten Aufmarsch „Resident Evil: Extinction“ voll Wonne; und erschöpfter Langeweile, den Miesepetern vergangener Kämpfe den Schlag in die Fresse zu bieten – erneut, und: zum letzen Mal.

Wahrlich beginnt die Reise unserer Heldin alter Tage charakteristisch: Alice (Milla Jovovich) wacht auf dem Boden einer Dusche auf; das Haar durchnässt, nackt, ohne Orientierungssinn – ohne die Spur einer Ahnung, wie, warum sie an diesen Ort gekommen ist. Sie stürzt ins Schlafzimmer, entdeckt ein rotes Kleid, flüchtet weiter in den Flur, entgeht verzwickten Fallen; und findet knallhart von einer rotierenden Waffe getroffen, den Tod. Weiße Männer stehen an Alices Rändern und schleppen sie fort – unter dem Kommando von Dr. Isaacs (Iain Glen), der in heimlicher Stille eine Zuchtanstalt entworfen hat, die sich in ein Klonprojekt mit angeschlossenem Friedhof gliedert, auf dem tausende Prototypen der geklonten Alice tot lagern. Ein schönes Fiasko offenbart die fruchtlose Gestalt „Resident Evil: Extinction“ dort in seiner Einführung in endlose Endzeitstimmungsvariablen, deren Ursprung noch immer verwahrlost einzig an einem Virus hängt: T. An den Kragen ihres Nomadendaseins geht es den Überlebenden, die in einem Konvoi ungebremster Brummer die Steppe durchkreuzen; dabei so frisch ihren Teint beweisen, als sei der Gang in den Modelsalon knapp Stunden her. Von namenloser Motivation getrieben düsen die herrenlosen Akrobaten mit altbekanntem Führer Carlos (Oded Fehr) dahin in die ekelhaften Gesichter der Infizierten – die ihrer Rachsucht noch immer nicht Herr werden konnten.

Durchtrennte Hälse rutschen an der Fadenstange herunter, Augen ausgelutscht fort von ihren Höhlen, unförmige Halbtote schlurfen verprügelt und gedrängt in Massen durch die trockenen Täler; alles andere rennt und rennt in der Savanne davon und hofft auf eine letzte Hoffnung. In einer staubigen Inszenierung voller unterwürfiger Wiederholungen trifft „Resident Evil: Extinction“ auf den Strang des epischen Volksungeheuers namens „Klischee“; jenes geniale Mittel, dass ohne Sorgen publikumsfeindliches Brimborium knetet und danach den Dreck in den Mülleimer von Film schmeißt – die Furcht solch Klischees zu kreieren zugleich ausgelöscht. In allerhand Variationen prügelt sich ein Abklatsch um den Nächsten und sorgt sich sogleich nicht die Bohne, um die Aussage dahinter: nämlich gleich keine. Ein Teufel, wer von Milla Jovovich ein anderes Malheur erwartet hatte, als in fetzigen Unterhosen Schritt für Schritt Arsch und Knarre mit schwungvollen Lufttritten zu wenden, dass die Zombies brechen. In der Mixtur wild zusammengeschusterter Handlung bleibt ein Graus bestehen, wie die Wirklichkeit hätte so schön und prachtvoll aussehen können: in der Apokalypse könnten die übrigen Menschen treiben, wo es dunkel und dreckig wuchert und ein Versteckspiel die Fahrt ins Jenseits einläutet. Dafür Sand. Nur Sand; und kein Wasser in Sicht.

In einer eingenommen Einöde rollt der Spaßgehalt zwischen lüsternen Raben und abwesenden Helden, die in der Sonne schimmern und den Plastikmännchen von Playmobil glatt Konkurrenz bereiten. Der Puls auf 120, die Langweile ins Gesicht geschrieben. Heutiger Horror für Bornierte, der mehr oder minder Traditionen fortführen soll und in einem Schreckgespenst endet; so wahr „Die Vögel“ munter kreisen und in einem enormen Feuerwerk verrauchen. Denn einzig fabrikfrisch ist die Trägheit des abgenutzten „Resident Evil: Extinction“, der auf seine verbrauchten Federn neuen Kleister aufträgt, doch selbst im Ärgsten alle Schichten ablutscht, in der Hoffnung alten Kannibalismus exakt in jener alten Form zu belassen. Aus neuen Stoffen allerdings, muss bekanntlich Frische dringen, die den unvollendeten Haken abschließen. Zunder ist fehl – und fehl am Platze der rasanten Schlachten, die einem Potpourri der Schnitttechnik gleichen und eine Unbeholfenheit an den Tag legen, die von grober Eintönigkeit getrieben ist und den Versuch sogleich abschließt, eine ohnehin miserable Handlung auf jedwede Weise voranzubringen.

Was für ein Stocken durch den ureigenen Horrorinstinkt in „Resident Evil: Extinction“ krebst, rufen bemerkenswert die pseudoabenteuerlichen Charaktere in großer Zahl hervor, die in ihren gefangenen Strukturen der Coolness alle halbe Meter breit grinsend ihre Macheten schleudern und den Abzug drücken – so als solle die Welt erbeben vor ihrem eigentümlichen Heldenkrampf. Blut spritzt, Zombies fallen, untermalt von welch heroischem Gesabber und dem wilden Einheitsbrei tobender Heavy-Metal-Klänge, die den Marlboro-Mann wütend anspucken. Vom posierenden Weibchen Milla Jovovich krampft der Blick und zuckt zusammen. Denn gequirlte Luder mögen im Grunde für die männliche Finesse ausreichen, den sonstigen Bogen zur Genüge in Vergessenheit geraten zu lassen; allerdings noch lange nicht den beschämenden Nachgeschmack, soeben ein fürchterliches Stück Popkultur voll Hechelns ertragen zu haben. Sei es mit den rabiaten Grundzügen, alles ans Licht zu führen; sei es mit viel Getose und Meuterei: „Resident Evil: Extinction“ verschwimmt in der Tragweite seiner ursprünglichen Fähigkeiten, einen superben Abschluss unter vielen sandigen Meeren und eigenartiger Innovationslosigkeit den Zombies zum Fraß vorzuwerfen.

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