Kritik: Planet Terror

USA 2007
Start: 02.10.07

Planet Terror

Regie: Robert Rodriguez
Drehbuch: Robert Rodriguez
Darsteller: Freddy Rodriguez, Rose McGowan, Marley Shelton, Josh Brolin, Michael Biehn, Naveen Andrews, Michael Parks, Tom Savini, Rebel Rodriguez, Quentin Tarantino, Bruce Willis

4/10 Punkte

Kritik: Schlurfende Gestalten schleppen eine Frau im Gewand der dumpfen Nacht in tief gelegene Büsche, reißen ihr die Kleider vom Leib, während schleimige Münder erbeben und allen Stoff fortkehren. Kiefer verbeißen ihre Zähne im blutjungen Körper, bis … ein Mann die Knarre zieht, feuchtfröhlich abdrückt und Gedärme in jedwede Ecken der grobstichigen Leinwand prallen. Es rieselt Blut, während verquollene Köpfe weiter ihren Weg daher schlurfen, das Bein der Frau mitgehen lassen, um es in der nächsten Stadt der Metzelorgie genüsslich zu kauen. Dazwischen Graupel, Schlieren, unterlaufene Töne eines Projektoren, die im Hintergrund wehen. Kaum liegt, wie eben hier, ein Fehlbildnis der modernen Cinemathek vor, wünscht der, von der digitalen Revolution geprägte, Zuschauer, ein Ereignis absonderlichen Glaubens: Effekte sollen strömen, Schwindel erregende Kamerafahrten kreisen, Monster besonders absonderlicher Kreationen laufen, bis die Realität selbst fortrennt. Wenn die Vorstellung den offensichtlichen Gebärden im Nachhinein allerdings nicht entspricht, herrscht so manches Murren – umso berechtigter nach „Planet Terror“, der den Psychosen des „Grindhouse“ nachgibt, indem viel Einfältigkeit das pure Grauen von noch mehr Einfältigkeit trifft; sogar mehr fordert, als die berstenden Halbtoten jemals fressen könnten.

Was von gurgelnden Blutfontänen einmal mehr übrig bleibt, ist ein Dampfschwall heißer, grundlos zitternder Luft, die zwar gewollt ein explosives Gemisch mischt, bei der sogleich aber auch die Explosion abhanden geht und sich wahrlich in Luft auflöst. Bedenke man den Hintergrund des Ofens „Grindhouse“, kann eigentlich nur davon gesprochen werden, jener wäre im ursprünglichen Flammenmehr seiner Dauerbrenner Quentin Tarantino und Robert Rodriguez irgendwann erkaltet, und hätte sich einfach ins Grab gelegt, bevor ein Leben überhaupt anstand. Allein der Ansatz, die absurd müßigen Stränge des Trashkinos der 60er und 70er Jahre auferstehen zu lassen, deutet den Krux an, der von den Herren Tarantino und Rodriguez vergnüglich revolutioniert werden sollte. Wir, die da sitzend ein Lächeln aufziehen, die Mundwinkel biegen, öfters stöhnen und manchmal seufzen, sollten dem Sturz des Hollywoodmärs beiwohnen und, ganz zappelig geworden, tosenden Applaus spenden. Der prägende Unterschied zwischen den tatsächlich desaströsen Auskerbungen und in aller Güte vollzogenen Leinwandergüssen, die schlussendlich belanglos dahin stolpern, liegt in der Form des Möglichen, in eben jener des Unmöglichen und zur Genüge an einem mangelnden Gespür beider Teile, die Rodriguez mit dem Instinkt eines ausgebeuteten Kindes vorführt und nicht nur manch, sondern allerhand Zuschauern am Ende unschlüssig entgegen tritt.

Gegenüber der profanen Erkenntnis, höher dotierte Filme, deren Bildmaterial immerzu von Streifen bedeckt ist und rumpelnde Tonspuren bis ins unkenntliche verzerrt, können selbst klinische Reine verunglimpfen, verkommt „Planet Terror“ höchstens zum Selbstzweck; mit möglichst überirdischen Budget und einer minder aufregenden Renaissance eines ausgestorbenen Kinos. Obgleich noch in Tarantinos „Death Proof“ spürbar die Distanz zum Ausgangsmaterial innehielt, indem er eine frühreife Version eines Pornostreifens einschlug – dabei versagt, dem eigentlichen Ausgangsstoff Tribut zu zollen und viel Gelaber in affektierter Handlung suhlt -, vollendet Rodriguez den maßlosen Charakter des Projekts zu einer sinnentleerten Blutorgie, die Tradition mit abgefallenen Genitalien glatt bügelt. Fehlte Tarantino der wage Zusammenhang, setzt „Planet Terror“ auf solch nah angelegte Referenz, dass, im Zuge dessen, Originalität und der individuelle Kampf mit der Materie einem munteren Kirmestreiben weichen, das in seiner gegebenen Banalität eine Spur unwiderruflichen Witzes beschwört. Die Unfreiwilligkeit dessen straft „Planet Terror“ in aller Wiedergeburt mit der Wiederholung einer Wiederholung einer Wiederholung, die des geschlagenen Treibens ihrer Nachahmung selbige müde beisteuert.

Weder als Parodie seiner selbst, noch im gelungenen Scheindasein hinter verstaubten Ritzen in Sälen modriger Sitzreihen, funktioniert „Planet Terror“ abseits des offensichtlichen Stumpfsinns. Leidig siecht die nicht vorhandene Handlung über grünes Giftgas, das aus einem Militärstützpunkt seine Suche über Infizierte streut, die kurz darauf Furunkel schleimiger Auswüchse tragen und diese, mal hier, mal da, aufplatzen lassen, um den nächsten zu besudeln. So sehr die Spritzigkeit hinter der willkommenen Blödelakrobatik des Drehbuchs sticht, das weniger ein Strudel ausufernden Wortwitzes ist, als eine Farce wild zusammen frisierter Szenen seiner Vorbilder, gelingt Rodriguez merklich nie der Wechsel die Ära des „Grindhouse“ neu, stattdessen alt zu erschaffen. Hinter Sinn oder Unsinn der Reproduktion jener Erzeugungen, die wild ihren Müßiggang zwischen halbnackten Weibern und sabbernden Zombies fanden, steht in „Planet Terror“ die Liebeserklärung, wie unwichtig B-Movies der Zeit tatsächlich den heutigen Fluss voran gebracht, deswegen aber gleichzeitig unwesentlich ihren Charme verloren haben. Rodriguez Gemischtwarenladen nun, bombardiert den Zuschauer dürftig mit den gestelzten Vermächtnissen auf eine schier kindische Art und Weise, die dahin plätschern bis kein Zenit mehr überschritten werden könnte.

Indem „Planet Terror“ den Wahnwitz in eine sich endlos resultierende Form begibt, unentwegt die geforderte Wirkung des „Grindhouse“ in Frage stellt und fraglos fragwürdig in seine Bestandteile zersetzt, entsteht mittels einer an Geschmacksverirrung grenzenden Präsentation ein biederes Machwerk, dem Hintergrund und Innovation abhanden gehen. In dem Trog der Spielfreude verschwindet die Plastizität, die Gliedmassen vor Glück und Plattitüde zerstäubt, in Unendlichkeit und der Tatsache, dass Althergebrachtes im neuen Gewand noch lange nicht im Guten endet. Und auch nicht dort enden muss; wenn nie mehr, als in Robert Rodriguez „Planet Terror“ die Klarheit aufblüht, ein Konzept des Schwachsinns in seiner schwachsinnigsten Form vor Augen zu haben.

2 Responses to “Kritik: Planet Terror”


  1. 1 Fan Oktober 14, 2007 um 9:45 pm

    Ich habe den Film grade gesehen und bin hellauf begeistert.
    Alleine die Schnitte und Übergänge zwischen den einzelnen Szenen sind genial genauso wie die coolen Sprüche!!!

  2. 2 ExFan November 14, 2007 um 6:29 pm

    War neulich drin und kann nur bestätigen was der autor schreibt:
    Langeweile pur – es funktioniert einfach nicht.
    Effekte der Effekte wegen – coole Sprüche der Coolness wegen.
    Hohl, dumpf und leer.
    Schon lang nicht mehr so gelangweilt. In der Underground Attitude hängengeblieben.

    Einfach ätzender Film, den man sich am besten spart.
    Schad ums Geld.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s





%d Bloggern gefällt das: