Kritik: Wintersonnenwende – Die Jagd nach den sechs Zeichen des Lichts

The Seeker: The Dark is Rising
USA 2007
Start: 11.10.07

Wintersonnenwende

Regie: David L. Cunningham
Drehbuch: John Hodge
Darsteller: Alexander Ludwig, Christopher Eccleston, Frances Conroy, Ian McShane, James Cosmo, Jim Piddock, Amelia Warner, John Benjamin Hickey, Wendy Crewson, Emma Lockhart

4/10 Punkte

Kritik: Lieber offensichtlich, als versteckt. Manch merkwürdige Lichter beten die Welt von Magie und Zauberei an und hinterlassen Schimmer oder Kringel, die auf solch sonderbare Weise einem Knirps den Weg weisen. Das mag unsinnig sein, ließ Joanne K. Rowlings „Harry Potter“ noch ein Trugbild magischer Substanzen empor schweben, die weder leicht, sonderlich auffällig oder anderweitig den Blicken aufgeregter Muggel, wie die nichtmagischen Menschen in der Sprache der Zauberer verlauten, entschwanden. In Hinblick auf die Basis des neuerlichen fantastischen Organs bekehrt ein dieses Mal Susan Coopers Reihe „The Dark Is Rising“ jedoch nicht nur filmische Sphären, sondern vorweißlich die Erde mit den Schatten eines dunklen Reiters, der, hoch zu Ross, die Nebelschaden ziehen lässt und viel Tohuwabohu zu stiften weis. Mochte der trügerische Schein Rowling überflügeln, „Harry Potter“ in die Herzen Millionen Menschen tragen, indem all sein Charme auf der Leinwand Übersetzung fand, in Düsternis und kindlicher Milde, empfängt „Wintersonnenwende – Die Jagd nach den sechs Zeichen des Lichts“ eine Prise energischen Scheins, bei dem das Sein sobald vor die Wiederkäuer springt. Coopers zweiter Band böser Herrscher, die vereinnahmen, was zu vereinnahmen gilt, trifft den Nerv der Zeit – obgleich jener nie verfehlt werden konnte – in einer minutiösen Leierorgie sondergleichen.

Von apokalyptischen Schlachten breiter Epik handelt „Wintersonnenwende“. Demnach von der recht schlichten Auseinandersetzung der Kräfte des Lichts und den Kriegern der Dunkelheit, die in jenem belanglosen Zusammenhang Jahrzehnte friedlich verbrachten, bis der siebte Sohn des siebten Sohns das vierzehnte Lebensjahr erreicht und fortan feierlich „Der Sucher“ genannt wird. Will Stanton heißt dieser Sucher, mit notorischer Untauglichkeit von Alexander Ludwig verkörpert, der mit seiner Familie zuletzt die USA verließ und nun im leicht verdaulichen England haust. Jener Sucher ist der Letzte einer Gruppe von Kämpfern, die zwar kaum so alt sind, wie gedacht, sich trotz allem jedoch „Die Uralten“ nennen. Unter ihnen führen Merriman Lyon (Ian McShane) und Miss Greythorne (Frances Conroy) den überrumpelten Will an, der kaum der Pubertät, geschweige denn der Rettung der Welt gewachsen ist, die in grauen Nebelmären erstarren sollte, falls Wills Mission fehlschlägt. Doch halb so schlimm: allemal erscheinen an ausgewählten Orten bunte Kreisel, die sich nicht nur lustlos drehen, sondern das Tor in die Vergangenheit öffnen. In den fünf verbleibenden Tagen, bis alles untergeht, soll der Sucher sechs Zeichen finden, die das Böse in Reinkultur besiegen, zerstören und den Reiter (Christopher Eccleston) vom Ross werfen.

Ein ewiges Ungetüm, dieser Kampf von Gut und Böse, Melonen und Gurken, Mächten, die einander Kräfte berauben und schreckliche Szenarien schaffen. Wie unentwegt die Gier wallt, Menschen auszurotten oder gar ein bisschen Furcht beizubringen, das der Eindruck entstehen könnte, nur die Paradewelt zwischen Fantasie, Märchen und Monstern sei dazu bestimmt, das Böse zu verhexen. Eine ähnlich krude Idee schlägt ebenfalls ein, wenn halbgare Jugendliche die Rolle des einzigen Retters übernehmen. Da darf ein Halbling das Schwert ziehen, hexen und ein bisschen Feuerkraut verteilen, den Helden spielen, meist mit dem Charme eines Kräutergartens, der von Eltern und Freunden verstoßen ward. Im Falle „Wintersonnenwende“ schlägt die pure Offensichtlichkeit seines Ambientes und allzu vorhersehbarer Kindlichkeit der Magie ein Brett vor den Kopf, kommt in laut knalligen Tönen hineingeritten und verzweifelt an der dramaturgischen Nutzlosigkeit seines Drehbuchs. Halbgar ungestüm, als es verlautet wie Klopapier, spinnt schwulstig den Helden ein, bis dem letzten Guten die Dialoge hinfort rinnen. Soweit die Zeit gekommen ist, dem Treiben endgültig die Schau zu stellen, fehlen Kopf, Herz und eine recht großzügige Seele den Hang endloser Spezialeffekte, die vor Affektiertheit sprießen, aufzuheben.

Dem unverdauten Potpourri strapazierter Spannungselemente, die ihren Ursprung in Belanglosigkeit fristen, in Langweile ausbrechen, und die Zukunft in Nebel – schwarzen Nebel -, einlullen, folgen chaotische Verhältnisse, untersetzt von schütteren Musikergüssen. Energisch, mit Karacho dürfte ersterer Eindruck des Regisseurs John L. Cunningham gewesen sein, doch gen Ende ist es nur eins, dass energisch gefordert wird: das Ende. In seiner bizarren Form, deren Fassung nur putzige Feen und Duftkerzen fehlen, kämpft Will mit dem bitterbösen Reiter ohne Namen, der, außer sekundenlang in der Slowmotion auf seinem ebenso düster blickenden Pferd zu traben, eine wahre Unlust an den Tag legt. Wenn die Gestalten in Märchenlanden sogar ihrer Tätigkeit abtrünnig werden, muss sich selbst in solch unlogischen Fantasiegebieten gesorgt werden. Tatsächlich strotzt „Wintersonnenwende“ vor Wiederholungen, Abhandlungen und pseudochristlichen Predigten, die ohne Umschweife immer den Kern der Fabel erläutern, bis selbst der kleinste Zuschauer unter den Zuschauern letztendlich angewidert vor Langeweile den Kopf schüttelt. Schließlich schnallt die Dramaturgie den Gürtel um die Natur des Simplen, bis alle Einfachheit im durchwegs identischen Ablauf aus Zeichen suchen, finden, zweifeln, hinschmeißen, grummeln, suchen, den Fluss einer billigen Reproduktionsmaschinerie annimmt. Wenn überhaupt von Dramaturgie gesprochen werden kann.

Der Alternativschlüssel „Wintersonnenwende“ zur Schwemme der „Harry Potter“-Werke brutzelt in seiner arglosen, dennoch stereotypen und penetrierenden Fassung leidlos daher, bündelt Charaktere, deren Ausführung zwischen Sodom und Narnia pendelt, zu einer vermaledeiten Fantasiestimme. Ohne Zauber, Magie, ohne Gradwanderung – einzig der Kinobesuch stellt jene dar.

2 Responses to “Kritik: Wintersonnenwende – Die Jagd nach den sechs Zeichen des Lichts”


  1. 1 CineKie Oktober 11, 2007 um 6:28 pm

    Ich habe mir den Film heute auch angetan – und bin immer noch zu entsetzt, um meine Meinung in Worte zu fassen: Einer der wirklich wenigen Filmen, denen ich so gar nichts abgewinnen kann. Halt, doch: Amelia Warner ist echt ’ne Hübsche!😉

  2. 2 Soraly Oktober 11, 2007 um 6:49 pm

    Ich hoffe, du hast dafür nichts bezahlt😉 . Solche Pressevorführungen sind ein wahrer Graus.


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