Kritik: Invasion

The Invasion
USA 2006
Start: 18.10.07

Invasion

Regie: Oliver Hirschbiegel, James McTeigue
Drehbuch: Dave Kajganich, Jack Finney
Darsteller: Nicole Kidman, Daniel Craig, Jeremy Northam, Jackson Bond, Jeffrey Wright, Veronica Cartwright, Josef Sommer, Roger Rees, Eric Benjamin, Susan Floyd

2/10 Punkte

Kritik: Wir spüren es. Wir sehen es. Wir hören es. Ein Röcheln durchschlägt sogleich die utopische Gelassenheit eines Seminarraums, in dem willenlose Zombies plötzlich einem Brechreiz verfallen und ungehindert voller Verdruss alles Laufende anspucken und besudeln. Ein Chaos entbrennt auf den Straßen, in U-Bahn-Schächten, Supermärkten und in den infizierten Seelen selbst, die einmal mehr ihr stummes Dasein als Automaten fristen, deren Eigenleben Unheil stiftet, soweit die außerirdische Lebensform in ihren Körpern jegliches Eigenleben zulässt. Wir sehen es. Bereits in seiner unerbittlichen vierten Fassung strömen fortan lustlose Menschen voran – dafür neuerdings in nie zuvor gesehener Banalität. So spart Oliver Hirschbiegel die „Invasion“ der Körperfresser mit hinreichend lallenden Blabla und blubbernden Witzlingen aus, ohne fortwährend dieser halbtoten Wiederverfilmung ein positives Antlitz zu spendieren. Während zwischen Realität und putziger Zukunft einfallslos zusammen gemanschte Langeweile krebst, als sei die Gegenwart nicht spannend genug, ersetzt Hirschbiegels amerikanisches Mär die lateinische Revolte „invasio“ minder spannend zu einem Fiasko der Filmkunst. Das kommt einem dagegen schlussendlich nur spanisch vor.

Dabei offeriert das unheimliche Fremdleben via Röchelatem und Würgereflex allerlei Szenarien obsessiven Glaubens: Menschen wetzen, obwohl sie normal aussehen und doch vollkommen ihrer ursprünglichen Emotionen abtrünnig sind, durch Mengen, die ebenso befremdlich dreinblicken – falls nicht, schießt nun eben mal die Galle aus dem Rachen. Daneben schlägt, – unheimlich, aber noch lange nicht feindselig -, ein Raumschiff auf der Erde ein und verteilt den außerirdischen Virus mittels abgeworfener Wrackteile über Ländergrenzen hinweg. Bis neugierige Passanten das Zeug aufheben und ganz ohne Spucke im Schlaf zucken und winden, Pusteln und seltsame Ausbeulungen die Gesichtszüge erbeben, urplötzlich wieder verschwinden und nichts als eine leblose Hülle Ballast zurücklassen. Vom Demokraten zur Marionette ist es also gar kaum so weit. Was soeben den unheilvollen Beigeschmack des örtlichen Fernsehtumults „Patriot Desaster“ erhält, strickt anders als Don Siegels erstmalige Variation aufkeimenden Desasters „Die Dämonischen“, inklusive still waltendem Einmarsch, eine schier überwältigte Nicole Kidman, nebst dämonisch schielendem Sohnemann – in Punkto eisiger Gelassenheit vortrefflich.

Starren Widerwillen drückt bereits Hirschbiegels fahrige Unwissenheit aus, hinter der klassisch beschienenen Vorlage „The Body Snatchers“ von Jack Finney alles zu suchen, viel zu rätseln und nichts zu finden. Vermutlich ist dies Szenario wandelnder Invalide abgetragen genug und seiner eigenen Mühseligkeit redlich müde, ebenso gescholten eines Remakes eines Remakes eines Remakes und leer gesaugt, mächtig leer. „Invasion“ zersetzt sogar den billig eingrenzenden Subkontext des Vergangenen. Keine Spur hastiger Parabeln gegen das kommunistische Hatzspiel in der Ära McCarthy, umfassende Rückschläge gegen den gescholtenen amerikanischen Präsidenten Bush, als wenn alle Luken im Vorhinein hurtig geschlossen wurden, die Gegenwart fern politischer Botschaften an der Stange zu halten. Funktionieren kann das freilich nicht. Das Ergebnis ist solch Dürftigkeit geborgen, in Stücken buttierter Schnitte, die rege im Wind wälzen, von hier nach da einschläfernder Esoterik die Reize abjagen und Atmosphäre einbringen … möchten. Nebenher mutieren weitere Unschuldige unter tosendem Gewürge zu schlurfenden Sandsäcken – man möchte lieber nicht wissen, was besser wäre: ein plötzlich reger Sinneswandel oder die fortwährend ahnungslose Penetranz des Deutschen Oliver Hirschbiegel in seinem Hollywooddebüt.

„Invasion“ bleibt beides nicht. Das mag erfrischend, leidlich merkwürdig und eine Spur seltsam wirken, in Wirklichkeit ist es allerdings schlicht unbedeutend. Denn obwohl die Kühle verwischter Grün- und Blautöne ein seltsam klebriges Befinden auftischt, als ob Alien tatsächlich mächtig finster gewütet haben mögen, bleibt glasige Leere bestehen, kaum das unnützes Brimborium kompensiert werden könnte. Wenigstens fade ist das Ganze in überaus fremden Maßen, wenn knittrige Handlungsstränge aufeinander prallen, ihrer eigenen Schwachsinnigkeit nicht müde werden, um in Teilen nervtötenden Dialogs jäh ein paar Hiebe von der Zukunft mitbekommen. Geschnitten, gearbeitet, kein Student hätte es besser vollenden können und wahrscheinlich besser im Sande liegen lassen, wo die Remakes um trostlose Hirntote zudem hingehören. Wohl dem auch, der den Einfall postum einwendete, Hirschbiegel des Projektes zu entmächtigen, Dreharbeiten in Karacho einsteuerte und James McTeigue beförderte – zum Ersatzregisseur, nicht umsonst unbekanntes Flittchen. Mitunter prallen Welten aufeinander, im Sturzflug nebeneinander fahrender schnulziger Familiendramatik, gleichsam hyperaktiver Sci-Fi-Bemutterungskur, in dem Logiklöcher bersten, wie zu Zeiten des Originals gar kaum und ins Nirwana verschwinden.

Hoffentlich naht das Ende balde, außer eine erneute Quälerei mit diesem – von Trieben, Einfältigkeit und unzähligen Membranen -, beflügelten Unsinn erscheine nochmals. Geringstenfalls entsteht ein erträglich witzloseres Schaubudenkonzept purer Konzeptlosigkeit der „Invasion“; kaum dröger inszeniert, schwachsinniger vorgetragen, hanebüchener dem Ende vorgeführt. Solch Anmaßung kann keinem Publikum guten Gewissens vorgelegt werden – außer es stände bewusst ein brechender Zombie bei den Teebehältern.

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2 Responses to “Kritik: Invasion”


  1. 1 fernseherin Oktober 18, 2007 um 11:11 am

    Und ich dachte, jetzt klärt sich endlich, warum Nicole Kidmans Gesicht in letzter Zeit so … fremdartig aussieht. Aber den werde ich mir wohl schenken.
    Ich bin ja schon bei ‚Sternwanderer‘ auf einiges gefasst (will ihn mir aber trotzdem ansehen), und zwei schlechte Filme hintereinander müssen nicht sein. 🙂

  2. 2 Soraly Oktober 18, 2007 um 8:27 pm

    Schenken wirst du dir „Der Sternwanderer“ hoffentlich nicht. Allein seiner altertümlichen Theatralik wegen, wie er hoffnungslos romantisch über die Stränge schlägt, straff in der Dramaturgie voran schreitet. Verloren wartet man lediglich auf eine Fortsetzung. Die nämlich wird es nicht geben – und erklärt den Film schon vorher zu einer Innovation. Beruhigende 7/10, wenn denn über viel Groteskes hinweg gesehen werden kann und der Funke überspringt.

    „Invasion“ natürlich ist für niemanden empfehlenswert. Bei dieser Kinowoche („Enttarnt“, „Gefahr und Begierde“, „Import Export“) allerdings sowieso ignorierbar 😉 .


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