Asia-Filmfest 2007

Asia Filmfest

Eine Kreuzung, zwei Wege: In dunklen Grenzgebieten des Münchener „Asia-Filmfests“ lauern sie alle, warten sie hoffnungsvoll, starren angriffslustig, beäugen Spieldrang, faszinierende Gewalt in den Wogen der Spezialeffekte. Mal steril, mal arm, mal herzerfreut und doch immer mit einem Hohn für die andere Seite – dort, in Hollywood, wo Innovation fahrlässiger Konstruktion gewichen ist. In den Landen um die Welt des Asiatischen begegnet selbst der dumm Verkaufte einer unendlichen Fantasieparade. Hinter lichterlohem Glanz steckt so vieles, so manches unerwartete, aber eines sicher: Film. Davon bietet das vierte „Asia-Filmfest“ vom 25. Oktober bis 1. November eine vergnügliche, muntere und absonderlich viel versprechende Liste, die nicht nur wohlige Schauer sendet.

Die Fakten sprechen vorsichtig: gerade 40 Vertreter ziehen aus den Hochburgen Japan, Korea, China, Thailand und Taiwan die Strippen voran, um sich gegen den Glanz des sommerlichen „Filmfest München“ zur Wehr zu setzen. Natürlich stiehlt sich kein Konkurrenzprodukt allzu leicht davon, gegen 250 bunt internationale Produktionen, unerhört viele Regisseure, Schauspieler und Massenstürme an Besuchern. Vermutlich ist es aber genau diese relativ kleine Bandbreite, die begeistert. Wie schon der böse Wissenschaftler dem Horrorfilm sein Angesicht bescherte, tritt der asiatische Film langsam in die Fußstapfen des „Independent“. Unabhängig sei das wohl, im Vergleich mit der Traumindustrie billig produziert, damit der bestmögliche Effekt mit schlichten Mitteln erzielt wird. Dafür, dass „Independent“ weder in Amerika, noch in Asien herrscht, – oder vor langer Zeit einmal herrschte -, ein wagemutiges Beispiel.

Wenn man das „unabhängig“ dagegen abstreife und dafür das häufig inkorrekt assoziierte „unbekannt“ nehme, wie es im Abendland vor Jahren angekommen ward, erblüht eher Sinn. Abseits knallbunter Karaokemaschinen, blitzender Furunkel und gigantischer Paneele kommt so manch schaurige Zukunftsvision emotionserkalteter Androiden gleich im Eröffnungsfilm „Vexille“ daher. Hoch sterilisiert mangelt es in „I’m a Cyborg but that’s OK“ nicht an Batterien oder der Groteske: Hauptdarstellerin Lim Soo-jung verspeist in Park Chan-wooks melancholischer Süße abseits wilder Musikeinlagen gerne viel Elektro. Ein Paukenschlag für den ansonsten der Brutalität erhabenen Regisseur wirbelnder Hammer, aufplatzender Köpfe und ausgebeuteter Rachekünstler. Schrill dagegen das Musical „Dasepo Naughty Girls“, eine überstrahlte Parodie über Jungfrauen, eine Sex-Sekte und Masochismus.

Unter den Vorboten zur Hölle schlummert der Teufel in Kleinigkeiten: in dem zauberhaften Generationenporträt „Strawberry Shortcakes“ suchen vier Frauen auf Umwegen nach dem Glück, unterkühlt führt „Ploy“ eine Beziehung nach goldenen sieben Jahren in den Abgrund, „Eternal Summer“ sogar liefert die asiatische Gegenreformation zu „Brokeback Mountain“. Dort lieben, hassen und verlieren einander drei Menschen; und das, obwohl Homosexualität noch immer ein Tabu in asiatischen Ländern darstellt. Ganz zu schweigen von der vollständigen Retrospektive des Südkoreaners Kim Ki-duk, in derer Filmen atemlose Schönheit immer ein brutales Vernichtungsgeflecht fordert. Gleichzeitig bündelt die Offensivstruktur die alten Gevatter Johnnie To, Tsui Hark und Ringo Lam in der drehbuchlosen Vernichtung „Triangle“, dem Abschlussfilm des Festivals, zu einem Hochglanz-Thriller im Stakkatoeffekt.

Selbst ein „Pink Eiga“ ist mit „Uncle’s Paradise“ vertreten. Im westlichen Sprachfluss missverstanden, fordert der Softporno seine Geschichte heraus, Sex-Szenen in den Fluss der vorhandenen Handlung zu integrieren – nicht aber ihn damit auszuweiden. Ein glücklicher Mischmasch. Einen klein-kannibalistischen Höhepunkt könnte das „Asia-Filmfest“ mit seinem Überraschungsfilm am Sonntagabend einnehmen. Warum nicht für den Spaghetti-Western von Takashi Miike, „Sukiyaki Western Django“, beten? Somit wäre man gleichsam in Hollywood angekommen, wo durch die brillanten Rivival „Todeszug nach Yuma“ und „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ ein Genre nach dem Widereinstand sinnt.

Programmheft
• Offizielle Seite des „Asia-Filmfest

1 Response to “Asia-Filmfest 2007”



  1. 1 Demnächst « CeReality Trackback zu Oktober 30, 2007 um 2:19 pm

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