George Who?

Kaum bescheinigt die Werbebotschaft eines renommierten Kaffeeunternehmens die Misere des Star-Tums, ist Hollywoods größte Marketingmaschine bereits voll dabei. George Clooney, Langzeit-Chirurg, Humanist im Rampenlicht, Pop-Polit – nebenbei Regisseur, Produzent und Schauspieler -, angelt so am Comersee nach Freiheit. Irgendwo dazwischen: ein Spot für Kaffee.

George Who?

Dort zwischen Tür und Angel steht George Clooney nicht zum ersten Mal – wenn alles wie geplant über die Runden geht, auch nicht zuletzt. Doch ein bisschen verändert ist diese Szenerie, vom umjubelten „Capote“-Regisseur Bennett Miller in Szene gesetzt, dennoch. Denn die Hölle eines jeden Stars schlägt nun auch Clooney entgegen: Niemand will ihn erkennen. Er, der Star auf Erden, wird von Kaffee verdrängt. „Nespresso, what else?“ belegt er mit verklärter Miene am Ende des Spots. Und da fragt man sich schließlich zum zweiten Mal: What else?

Ein Spiel mit Mimik und chronischer Finesse zeugen von Clooneys Kunst, selbst den vorderrücks drapierten Kaffee mühelos in den Schatten zu stellen. Weder um jene lieblichen Aluminiumkapseln geht es in diesem Einminüter, aber um Clooneys zügelloses Bestreben jeder Kaffeebohne einen Reiz auf den Leib zu schneidern.

Es wirkt, als sei Clooney an seiner Eifrigkeit doch von leerer Hülle zu einem Schauspieler gereift, dem ein übernatürlich großes Talent allein seiner Sympathie des Zuschauers gegenüber gilt. Faszination nennt sich solch Phänomenen. Dafür musste er dem Massenpublikum in „Out of Sight“ als Herzen brechender Räuber und „Oceans 11“, wie den Nachfolgewerken „Oceans 12“ und „Oceans 13“ in Coolness überlegen, beweisen, dass Talent auch einer Entwicklung bedarf. Fast blass trat er von 1994 bis 2000 noch in ärztlicher Uniform auf. „Emergency Room“ nannte sich dieses seriennervöse Versatzstück permanent nervtötender Schnippler, damals abstrus menschlich, die, um den eigenen Ruf bemüht, Patienten vor dem Tod bewahrten. Das kam kaum spannender als ein Besuch beim Zahnarzt, aber mindestens so stümperhaft albern daher, dass die Schauspieler einfach gemocht werden mussten – schließlich dafür, dass auch sie vor den Zeiten überlebensgroßer Gagen irgendwie ihr Geld verdienen wollten.

Die Biografie Clooneys scheint manchmal auch den Trieb Truman Capotes selber zu kennen. Ein bisschen Egoismus, ein leidender Hundeblick, Spuren Zynismus, ein durch und durch instrumentalisierter Wahrnehmungsapparat für Erfolg und leidig auch ein Gespür für das wirklich wichtige Summen dahinter.

Insgeheim Grund genug Clooneys Politdrama „Michael Clayton“ mit einmonatiger Verspätung am 13. Dezember auf die Leinwand zu führen. So funktioniert Marketing freilich am Besten.

Offiziell feiert der knapp zwei Minuten lange Spot „George Who?“ Mitte November in Deutschland TV-Premiere. Online ist er bereits jetzt zu bestaunen.

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