Kurzkritik: Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

USA 2007
Start: 25.10.07

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

Regie: Andrew Dominik
Drehbuch: Andrew Dominik, Ron Hansen
Darsteller: Brad Pitt, Mary-Louise Parker, Casey Affleck, Sam Rockwell, Dustin Bollinger, Brooklyn Proulx, Jeremy Renner, Sam Shepard, Paul Schneider

6/10 Punkte

Kritik: Den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen weit geöffnet, stiert ein Mann hinaus in die Wolken, und hofft auf Vergebung. Vergebung, für seine Verbrechen, Morde, Überfälle, für sein Dasein als Kleinkrimineller. Damals, 1881, in den Feldern, deren Halme unaufhörlich vom Wind gepeitscht seinen Händen entgegen schlugen, war Jesse James kein Kleinkrimineller, sondern gefürchteter Bandit, ein Outlaw, wie er im Buche stand. Mit seinen mittlerweile 34 Jahren wuchs um ihn die Faszination von Freiheit, rügloser Maschinerie, schnell und unerbittlich ging er seinem Treiben nach. Die Vergangenheit speist an ihm: müde blicken seine Augen, wie die eines Soldaten, wie die eines Kriegsveteranen, umnächtigt von den Schatten des Krieges. Sie schlagen entgegen, wenn auch matt mit unverhohlener Strenge und Arroganz. In Andrew Dominiks „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ spürt ein Film dem Schaffen und Untergang Jesse James nach, der einzig wahrhaften Ikone des Westerns in einem hinlänglich langen, aber bedeutsam melancholischen Lehrstück über den Grad zum Tode eines Stars.

Weniger Western, als würdevolle Meditation eines angestaubten Genres, vollführt Dominik eine Zusammenführung verkommener Kulturen in einer schier schwerelosen Parabel der Ruhe. Merkwürdig kraftvoll klappt es mitunter auf, fällt ruckartig mit einem klirrenden Blick der Kälte aus Casey Afflecks Augen zusammen, sein Porträt des raffenden Außenseiters und des Outlaws. Auf der einen Seite ist es Rivival, auf der anderen entblößende Dokumentation über einen Heiligen. Doch Schein säht Zwietracht, Neid Ungeduld, Überlebenswille Todessehnsucht. Kaum erlischt das Gespenst Jesse James, ersteht ein neues in der Form des Feiglings Robert Ford. Er kämpft doch für Unrecht, speist unter den Gedanken selber ein Held zu werden; er kann nicht, und darf nicht, dieser Mann mit den immer drögen Augen, dem Milchgesicht und der Angst in der Stimme. „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ zieht geradlinig eine ausführende Handlung in Bäche, die mitunter hell sind, aber immer undurchdringlich. Für Jesse James waren sie dagegen deutlicher denn je. Er, der seinen eigenen Selbstmord inszenierte, gleichsam einen anderen dafür büßen ließ. Robert Ford stirbt wenig später, nach hunderten inszenierter Morde seines Helden der Groschenhefte: Allein; ein Feigling, wie eh und je.

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