Mahnmal Antikriegsfilm

Antikriegsfilm

Einem Momentum kommt es gleich, leichten Fußes und großer Wörter, viel diskutabler Dialoge, unzähliger Sprachen, als wäre es international, weltweit ein Gesprächsstoff für die Menschheit. In Hollywood heißt es 2007 nur Antikriegsfilm – das ist ein Wort, schön aus Krieg und Fiktion gesponnen und wirtschaftet seiner Bedeutungslosigkeit einfach entgegen. Denn schließlich heißt es „Anti“; und ehrlich aufgefasst kann „Anti“ wohl kaum schlecht oder verwerflich daher kommen. Wenn nur nicht ein Gewerbe jenem Anti-Bedeutungslosen-Mischmasch aus der Provinz amerikanischer Filmschaffender den Stempel „Anti“ aufdrücken würde, einfach eines Statements, einer Meinung wegen, obgleich der Farce zugetan, dass ein einfaches Präfix den Sinn des nachher gehenden Wortes entblößt.

Antikriegsfilm steht auf einer Wellenlänge mit allen Anti-Semestern der Geschichte: Anti-Virus, Anti-Terrorkampf, Anti-Aging, Anti-Rassismus, Anti gegen alles oder nichts. Anti ist weiter die Belanglosigkeit in Form eines beständig variierenden Modewortes, einen Schwall zu propagieren, an dem die Subjektivität eines Menschen hängt: Wir streiken gegen ein Wort! Dafür muss heutzutage hinlänglich kaum die Bedeutung des bösen Feindes Terror, Rassismus erkannt werden. Wir streiken einfach. Weil es ein Streik gegen unsere eigene Existenz ist, eine Wohltat für Herz und Kopf im Streik zu baden und alle Hüllen fallen zu lassen, der unentwegten Politik und dumm schwätzenden Politiker ein Pendant zu bieten. Wir streiken also. Und irgendwann setzte auch Hollywood nach den Einsätzen im Irak und Afghanistan ein Mahnmal. Ein filmisches natürlich; ein biederes, prunkes, unüberwindbares Mahnmal.

Was damals in Forme „Apocalypse Now“ und „Platoon“ über die Leinwände schlich, den Krieg in Vietnam zu propagieren, kommt 2007 beleibter, träger und vor allem pompöser daher. Einmal kann es „Redacted“ heißen, „Grace is Gone“ und „Machtlos“, ein andermal „Charlie Wilson’s War“ oder „Von Löwen und Lämmern“. Dem Zuschauer schlägt schwer verdaulicher Ballast entgegen, immer umwerfend untertitelt in Dramen um Banden von Helden, die nahezu ihre Feinde ertränken, in Blut und Ohnmacht, von hoch jauchzendem Getrommel durchzogen. Aber immer wirft der Film auch seinen Schatten nach sich. Hießen die paar bedeutungsvollen Kaliber 1980 mit wahrster Zurückhaltung „Antikriegsfilm“ – durchaus verbunden mit den Opfern des Krieges, den Schrecken, Ängsten Bekundung schenkend -, fruchtet das neue Angesicht modern. Soll heißen: Modern erstrebenswert.

„Antikriegsfilm“ wurde zum bloßen Statement auserkoren. Eigentlich bedeutungslos, aber immerhin massentauglich genug Zuschauer seiner Bezeichnung wegen in die Kinos zu treiben, auf der Suche nach Frischfleisch und naiver Zielgruppen. „Antikriegsfilm“ sagt: „Ich stehe gegen den Krieg ein! Ich kämpfe gegen ihn! Ich opfere mich für ihn! Ich bin gut!“ Im Mittelpunkt aller „Antikriegsfilme“ steht dann aber doch nur der Krieg. Irgendwie freudlos, irgendwie verstaubt, irgendwie apathisch steht er dort und bittet um Audienz. Aus einer Horde Kriegsfilme wurden Antikriegsfilme, wie aus Soldaten Generale wurden. Nur, dass der Antikriegsfilm nichts besitzt: keine Symbolik, keine Meinung, keine Wahrheit, keine Moral, gar ein eigenes Genre, dass er vorgibt zu sein.

In Wirklichkeit gibt es ihn noch nicht mal, diesen Antikriegsfilm, weil ein jeder chauvinistisch genug seine banalen Floskeln unter Feuerständen wiederholt, Helden im Leid triefen und vor Freude irgendwann den Feind abknallen, als wenn es um Kopf und Geist geschehen wäre. Denn der Unterschied zwischen Antikriegsfilm und Kriegsfilm ist keiner, außer der Vorstellung, es gäbe einen.

2 Responses to “Mahnmal Antikriegsfilm”


  1. 1 Konrad März 4, 2009 um 7:29 am

    Wo kann man den Film finden?

  2. 2 Mark August 10, 2009 um 2:23 pm

    Ich hab diesen noch nicht gefunden.


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