Archive for the '– schwachsinn' Category

Blondine gegen Blondine

Samstagabende können impertinenter nicht sein. Entweder lockt die wallende Lockenpracht Thomas Gottschalk Pseudo-Stars aufs „Wetten, dass … ?“-Sofa, Günther Jauch zockt um ein paar Millionen in seiner „5 Millionen SKL Show“ oder eben Stefan Raab gibt mal wieder die Hölle auf Erden frei. „Schlag den Raab“ heißt das Prinzip dann – was nicht bedeutet, dass jenes „schlagen“ auf den Zuschauer übergibt. Der wird dann meistens nur mit Langeweile bestraft.

Schöner als die mittlerweile siebte Ausgabe des grenzdebil blödeligen Machwerks der Fernsehunterhaltung, war und ist allerwenigstens eine Zusammenfassung darüber. Da stehen im Schmöker der „Süddeutschen“ fast elitär literarische Ergüsse gegenüber, tanzen Limerick und Sonett, innerer Monolog und Kommentar, Kinderlied und Fabel, Hexameter und Haiku. Manchmal wirkt das auch bizarr, aber immerhin: Literatur als Hohelied auf die morbide Fernsehlandschaft.

Schrei, wenn du kannst

Das Wort zum Sonntag wird geschrieen: „Schlag den Raab“ nach langer Durststrecke wieder mit einer Frau. Ob das die nicht vorhandene Spannung steigert? (Oder drückt, weil das Weib nach der ersten Runde bereits durch blödsinnige Quirligkeit auffällt?)

Aus der Sendeanstalt

Soeben sagten die Herren des „C.S.I Miami“ doch geradewegs zu einem erfolgsgeilen Sensationsberichterstatter, der den Fall eines enthaupteten Wichtes aufrollen wollte: „Das ist wohl ein Möchtegern-Michael-Moore.“

Nun stellen sich folgende Fragen: Wie „Möchtegern“ kann ein Michael Moore noch sein? Wenn ein solch hoffnungsloser Typ nicht „Möchtegern“ ist, was dann? Was wäre das Gegenteil von „Möchtegern“? Denn ein Michael Moore ist Möchtegern-Journalist (obwohl der heutige Journalist allgemein hin auch nur noch als „Möchtegern“ ausgezeichnet wird), Möchtegern-Dokumentarfilmer (obwohl Dokumentarfilmern beileibe eine minderwertige Stelle zukommt) und Möchtegern-Klatschreporter (obwohl Klatschreporter in jedem Falle „Möchtegern“ zu einer neuen Begrifflichkeit zusammenfassen). Das bedeutet, er bezieht schon wieder so viele Möchtegern-Stellungen in einer Person, dass er tatsächlich originell wirkt.

Nun sei dem eines hinzugefügt: „Möchtegern“ bezieht sich in negativer Form auf eine vollkommene Persönlichkeit, Sache oder sonstiges Pipapo. Ob Michael Moore also Gott darstellt?

Die Tafel kommt weg

Frau Soraly kann ab nächste Woche Dienstag nicht mehr heimlich „Survivor“ schauen. „Pro7“ („Quotenmeter“ berichtet) schickt die Sumpfausgabe auf einen späteren Sendeplatz um 22:15 Uhr zurück, um davor in aller Ruhe mit albernen Komödien den Zuschauer zu berieseln. In den nächsten Wochen heißt es somit „Werner – Gekotzt wird später“ (spätestens danach) und „The Tuxedo – Gefahr im Anzug“ (wenn es nur der Anzug wäre). Mit solch einer grauenhaften Vorfilmschau stürzt die Soraly nicht mehr in die raren Urwaldwälder.

Runde Räder in der Prüfung

Zwischen Hängebrücke und Trunkenheit Status „Ausgenüchtert“ steckt Frau Soraly momentan nach zwei kräftigen Stunden Kreisverkehr, oller Landstraße, wuchtigen Autobahnjagden und nächtlichen Busschwenks. Seitenstreifen und Motorengeräusche bedeuten für sie in letzter Zeit immer eine Abkehr von dem nur Sehen („Italian Job“ mit den winzigen Mini-Knollnasen fallen ihr spontan in den Rachen) in ein fahren, fahren, fahren, drehen, drehen, bremsen, bremsen, Kupplung, Kupplung, anfahren, anfahren. Ihr vermehrtes Absaufen am Beginn ist verschwunden und die breiten Gefälle werden nun sichtbar. Ja, Frau Soraly macht Führerschein. Sollte demnächst jemand einen schwenkenden Kahn in der Münchener Innenstadt entdecken, Miss Cinematic raunt und wetzt. Bitte schön winken und gleich eine DVD nachschmeißen. Dann lässt sie vielleicht die Kupplung extra fein kommen.

Ihre fernsehatischen Wurzeln stecken dafür in den Gummilatschen. Von „Survivor“ bleiben ihre die letzten Minuten, eine kleine Kurzversion des gestrigen „Wer wird Millionär?“-Aufmarsches steht ebenfalls unbekannt am Strand und für eine Begegnung der schwarzen Kinolaterne müssen die werten Damen und Herren auf Donnerstag warten, an dem Frau Soraly die Schlacht wetzender Tänzer gegen übergewichtige Lieselotten in „Hairspray“ wahrnimmt.

Und sie bekräftigt ihren Erfolg morgen in der Theorieprüfung. Ein Zittern, ein Raunen geht durch die Menge. Frau Soraly weiß, sie wird siegen.