Archive for the '– kolumnen' Category

Kolumne: Dunkle Visionen

Den einflussreichsten Prototyp filmischer Hypnose lieferte George du Mauriers Roman „Trilby“ aus dem Jahr 1894. Er beschreibt die Verführung der naiven jungen Trilby durch den Mesmeristen Svengali, während dieser ihr überirdischen Gesang stiftet. Mindestens acht Verfilmungen folgten – inklusive dem Stummfilm-Melodram „Svengali“ (1911), der erfolgreichsten Adaption mit John Barrymore (1931) und dem Fernsehfilm mit Jodie Foster als Trilby (1983), der zeigte, wie mächtig ein Hypnotiseur die Fantasie der Bevölkerung anregen konnte.

In all den Ausprägungen dieses Genres führt ein ausnahmslos männlicher Hypnotiseur eine begehrenswerte Frau als Versuchsperson mittels einem intensiven Starren in Trance. Das bedeutet im Verhaltenskodexsystem der Verhaltensforscher auch: Starren zwei Tiere einander für mehr als drei Sekunden ohne zu blinzeln an, so sind sie im Begriff entweder „zu kämpfen oder zu vögeln“.

Die vollständige Kolumne findet Ihr hier.

Mahnmal Antikriegsfilm

Antikriegsfilm

Einem Momentum kommt es gleich, leichten Fußes und großer Wörter, viel diskutabler Dialoge, unzähliger Sprachen, als wäre es international, weltweit ein Gesprächsstoff für die Menschheit. In Hollywood heißt es 2007 nur Antikriegsfilm – das ist ein Wort, schön aus Krieg und Fiktion gesponnen und wirtschaftet seiner Bedeutungslosigkeit einfach entgegen. Denn schließlich heißt es „Anti“; und ehrlich aufgefasst kann „Anti“ wohl kaum schlecht oder verwerflich daher kommen. Wenn nur nicht ein Gewerbe jenem Anti-Bedeutungslosen-Mischmasch aus der Provinz amerikanischer Filmschaffender den Stempel „Anti“ aufdrücken würde, einfach eines Statements, einer Meinung wegen, obgleich der Farce zugetan, dass ein einfaches Präfix den Sinn des nachher gehenden Wortes entblößt.

Den ganzen Artikel lesen »

Film = Machtwerk?

Film ist anstrengend, hinzu öde wie Kartoffeln und Haferschleim, er ist zäh geworden und unheimlich bekannt, fast vorhersehbar in seiner Güte, den Zuschauer unbedingt nicht zu verzaubern. Vermutlich ist das wie mit allem Bekannten: Einmal getrunken, geschlürft ist der beste Wein doch nur noch halb so gut, wie die Freude auf einen noch Besseren. Doch wenn Julie Paradise von „Julie Paradise“ „Film = Machwerk?“ titelt und die Filmfreunde ein weiters Mal über Machwerke philosophieren, so ist es doch bei jedem selbsternannten Filmfan geschehen: Er will mitreden und sein Intelligenz beweisen. Wenn Machwerke doch nur so leicht wären.

Doch Machwerk klingt urwäldlerisch, als wolle man das Handwerk mit einem Ruder schnell das Geschick lehren. Mit dem Klöppel auf die Birne. Es spricht geradezu aus: „Bleib weg Kunst, geh zurück, bleib fort, lass mir doch meinen Hammer allein und behalte die Feile bei dir.“ Machwerk ist ganz und gar schlecht. Oder würde ernsthaft der Ausruf „gut gemacht“ noch einen letzten Zeugen Jehova hervorlocken, der zwischen seinen Missionen schnell den Kopf hebt und den Film, betitelt als „Machwerk“, anfunkelt? Und wäre neben den Zeugen dieses hier sitzende Machwerk von schriftstellerischer Güte? Nein, so weil es „Machwerk“ lautet, weil ein Drang dahinter steckt, der tatsächlich dem Handwerk innewohnt, weil es zu schuften und schwitzen galt, wenn so genannte Machwerke neuen Boden betraten. Werke sind schön – und gut – und wahrscheinlich mehr einem Handwerk zugetan als einer schöpferischen Allheiligkeit. „So soll es sein“, sprach der Herr, nicht aber der Deutschlehrer, der bisweilen von seinem Handwerk eine Spur mehr versteht, als so manch Schüler wissen konnte.

Er versteht sein Handwerk. Das wäre für einige Bewohner der Spezies übertrieben, stimmt in seinen Grundfesten jedoch tatsächlich: Der Deutschlehrer hätte seinem Schüler in jedem Falle ein Synonym in die Wiege gelegt. Für den Film dann eben mal: Machwerk. Wie schön doch die Kunst ausradiert und die Werkstoffe addiert werden konnten. Vielleicht wusste Herr oder Frau Deutschlehrer davon und ließ den armen Schüler selber die Bedeutung dieses „Machwerkes“ hinterfragen. Wenn „schlechte Arbeit“ wenigstens einmal unter einem Schulaufsatz geprangt wäre. Oder aber er meinte ein ganz anderes Wort und verschrieb sich bloß: Machtwerk. Das jedenfalls würde dem Film einen unverhofften Glanz geben.

„Unterhaltung ist eine Beleidigung für die Kultur“

Sagt kein Akademiker oder Gelehrter, keiner der eine Revolution fechtet (schreie, wenn doch); spricht doch nur Renington Steele von den fünf Filmfreunden ein Wörtchen über Unterhaltung, Kunst und Kommerz. Ein Unterfangen das nur spalten konnte und in einem unermüdlichen Fluss kommentiert wurde. „Es ist doch nur Unterhaltung“, wie einfach gesagt, so leicht verhauen. So spricht ein Lehrender, der dem „lehren“ nach ist und eine subjektive Wahrnehmung objektiv zu ermitteln versucht, wie ein Detektiv dem Mörder auf der Spur, das Kaninchen auf der Flucht vor den emsigen Kugeln ist. Was ist Unterhaltung? Kunst, ein Modewort? Was unterscheidet sie mit der Ware, einem drögem Gut, bekannt und immer wieder hergestellt? Kein Artikel kann Aufschluss geben, doch wer nicht versucht, der nicht findet. Ein grenzwertiges Unterfangen: über Unterhaltung zu sprechen und schreiben, den Film in Worte zu fassen und dabei arglos wirken, so als wolle man nicht erklären, sondern in den eigenen Zeilen verstehen.

Kulturstätte

1. Was ist Unterhaltung?
2. Was ist Kunst?
3. Was ist Gleich?
4. Was ist Gut?
5. Was ist Film?

Den ganzen Artikel lesen »

Hollywood, die Rabenmutter aller Dramen

Reservation Road

Vergrößerte und vor allem komplette Darstellung auf den Klick.

Oh Graus, welch emotionale Schmäh nur betreibt das Plakat zu „Reservation Road“? Köpfe treiben dahin, drei an der Zahl zwischen den anbiedernden Farbtönen, und so geschlachtet, dass man kaum wagt ein weiteres Bildnis zu betrachten. Sie baumeln lose in den warmen Winden von Orange, sie sprießen dahin in ihrer kopflosen Weise. Sie, die Köpfe, unkenntlich vermacht, von der damals so schönen Gesamtheit. Das Kinn – hinfort. Die Haare – zerrupft. Ein Blick, nur gestaucht und nach der einen Prise Wahrheit suchend.

„To find the truth you have to find who’s hiding it.”

Ah, die Geheimniskrämerei schlägt zu, sie wölbt den Magen. Tatsächlich offenbaren drei Köpfe ein Maß aller Dinge: die Suche nimmt am Auge des Zuschauers ein Ende. Joaquin Phönix blickt mit trägen Augen und Bartwuchs tief in die vermutete Seele des Gaffenden und erkennt: „Hey, ihr da, ihr besitzt alles, was ich wissen muss. Ihr führt ein Geheimnis herum. Ihr seid die Truhe des Schicksals.“ Alle anderen schauen vorbei, Mark Ruffalo und Jennifer Connely gehen mir ihren Blicken mal nach rechts, mal nach links, sofern es in statischen Plakaten möglich ist. Vermutlich dachten die Damen und Herren der Marketingabteilung: Wenn nicht ganz, dann nicht halbiert, wenn nicht halbiert, dann nicht im Viertel, wenn kein Viertel, dann lieber sogleich ein Achtel. Wie das Amen in der Kirche beschwichtigt „Reservation Road“ ein weiteres Mal den Status einer voraussehenden Auszeichnungsfee, die alles zeigt, viel verspricht, aber wenig einhält. Ein Trailer von zweien (letzterer zeigt 90 Prozent der Handlung) wurde tatsächlich mit allen Informationen inklusive Ende ausgeschmückt, die das vorliegende Buch (natürlich ein Bestseller) enthielt. Mord bot es, Totschlag, Fahrerflucht, Liebe und Intrigen.

Den ganzen Artikel lesen »