Archiv für Oktober 2007

Poster: Charlie Wilson’s War

Charlie Wilson’s War

Vergrößerte und vor allem komplette Darstellung auf den Klick.

Schleimiger, als das moderige Herbstwetter mit seinen herumirrenden Schnecken ohne Haus, ist allerhand das erste Poster zu Mike Nichols Oscar-Haben-Will-Anekdote „Charlie Wilson’s War“. Nicht nur zufällig spielt Tom Hanks den texanischen Kongressabgeordneten Charlie Wilson, der, ohnehin Gutmensch, die Welt rettet und einen Krieg in die Palisaden staucht. Spannend? Wenig. Interessant? Selten. Mittels dem damaligen Trailer und heutigen Poster beginnt alle Vorfreude Nichols Stück ein Stück weiter an den Strick zu führen. Der „Academy“ gefällt das Konzept realen Hintergrunds, adaptierter Buchfassung und malträtierender filmischer Umsetzung jedoch immer erstaunlich gut.

Advertisements

Demnächst

Im Zuge des „Asia-Filmfest“ bleibt es bis zum Abschlussfilm „Triangle“ kommenden Donnerstag auf „CeReality“ ruhig. Bis dato darf aber durchaus vor Freude mit Zähnen gefletscht werden. Nach der kurzen Zwangspause werden Kritiken zu dem bombastischen Anime-Action-Mär „Vexille“, der asiatischen Traumnovelle „Ploy“, des luftig süßen Generationenporträts „Strawberry Shortcakes“, sowie des Hong-Kong-Michael-Bay „Invisible Target“, der verzückenden Sci-Fi-Romanze „I’m a Cyborg but that’s OK“, Bai Lings ausufernden Erotikgestirn „Shanghai Baby“, einer kühlen „Brokeback Mountain“-Variation in „Eternal Summer“, Johnnie Tos „Eye in the Sky“ und dem Historienepos „A Battle of Wits“ aufschlagen.

Wenn man so will als zusätzliches Schmankerl: der als Überraschungsfilm dotierte „My Blueberry Nights“ von Wong Kar-wai unter dem Bestand eines Road-Movie leicht asiatisch angehaucht, wenn auch mit Norah Jones, Jude Law, Natalie Portman, Rachel Weisz und David Strathairn durchaus typisch amerikanisch.

Die summenden Klänge des Kim Ki-duk Oeuvres der Retrospektive schließen den Kreis. Besprechungen folgen zu seinem rohen Erstling „Crocodile“, der melancholischen Bezaubertheit „Frühling, Sommer, Herbst, Winter … und Frühling“, einer weiteren Poesiemelangerie „Bin Jip“ und seinem neusten Werk „Breath“. Restliche Werke des Meisters erfahren Kurzkritiken.

Asia-Filmfest 2007

Asia Filmfest

Eine Kreuzung, zwei Wege: In dunklen Grenzgebieten des Münchener „Asia-Filmfests“ lauern sie alle, warten sie hoffnungsvoll, starren angriffslustig, beäugen Spieldrang, faszinierende Gewalt in den Wogen der Spezialeffekte. Mal steril, mal arm, mal herzerfreut und doch immer mit einem Hohn für die andere Seite – dort, in Hollywood, wo Innovation fahrlässiger Konstruktion gewichen ist. In den Landen um die Welt des Asiatischen begegnet selbst der dumm Verkaufte einer unendlichen Fantasieparade. Hinter lichterlohem Glanz steckt so vieles, so manches unerwartete, aber eines sicher: Film. Davon bietet das vierte „Asia-Filmfest“ vom 25. Oktober bis 1. November eine vergnügliche, muntere und absonderlich viel versprechende Liste, die nicht nur wohlige Schauer sendet.

Den ganzen Artikel lesen »

Auf der anderen Seite ein Allerweltsfilm

22 Sprachen für Deutschland

Die größte Ehre eines deutschen Films ist die, im Ausland gefallen zu finden. Gut und gerne kann somit gleich gewisser Egoismus vorhergesagt werden, ein Perfektionismus, neben Schwermut, Arroganz und Einsilbigkeit. Aber es bedarf Anmaßung, dem Film von Fatih Akin auch nur eine Unterstellung zuzuraunen. Sein Beitrag über die einfühlsame, wie schlagartige Reise zwischen Deutschen und Türken, Liebe und Hass, Leben und Tod, zeigt gewiss den Teufel der Moderne in prickelnder Cinematographie auf. „Auf der anderen Seite“ fühlt der Zuschauer bittere Kälte und derbe Barmherzigkeit. Globalisiertes Kino nennt sich diese Art von Zumutung, ein Drehen und Wenden des Drehbuchs unter ächzenden Gebärden verlassener Charaktere. Die kämpfen für ein „Zusammen“, bis gen Ende die Trennung bestehen bleibt.

Die internationale Jury des Filmpreises „Lux“ sah ebenso die Wahrheit hinter grobstichigen Gebilden offenherziger Emotionen, und wählte; wählte für die kulturelle Vielfalt Europas, Werte und Moral aus 800 europäischen Filmen einen aus, der gesondert den Sinn des Preises verstand: „Auf der anderen Seite“. Ein Titel, wie er für die Auszeichnung im Buche steht, die vom Europaparlament vergegeben wird. Ein Titel, der Grenzen setzt und sie bekannt macht. So standen in der Endauswahl auch Cristian Mungius mit der goldenen Palme ausgezeichnetes Abtreibungsdrama „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ und „Belle Toujours“ von Manoel de Olivera, wohlgemerkt zwei ebenso willkommene Preisträger.

Das gerade „Auf der anderen Seite“ gewann, mag an seiner Struktur des Episodenfilms liegen, seinem Beitrag unterschiedlicher Dramaturgie und Denkweise im Gegensatz amerikanischer Pendants, den Filmen von Alejandro Gonzalez Inarritu, Paul Haggis, Robert Altman. Inarritus „Babel“ allerdings bleibt Akins Werk am Nächsten, weswegen nicht umsonst die Trophäe in Form eines Turms dargestellt wurde – genauer dem Reichtum sprachlicher Vielfalt, den der Turmbau zu Babel verkörperte. Es steht der Preis für eine erfrischende Prise. Mit dem Zusatz, dass der „Gewinner“ in 22 Sprachen der EU-Amtssprachen untertitelt wird.

Zum Glück ist das nur der Beginn: „Auf der anderen Seite“ tritt im Rennen um eine Nominierung bei den „Acadamy Awards“ an. Wieder gegen „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“. Gewinnen kann wiederum nur einer.

Kinostart: Nightmare Before Christmas

Captain Jack is back. Ein kleines Summen ist es doch: „Nightmare Before Christmas“ kehrt am 06.12 zurück in die Lichtspielhäuser. In den gespenstischen Hauptrollen des, dem Wahn nahem, Musicals im Puppenkostüm, spielen Skelette, Kürbisse und andere Klamotten im Vorrang auf ein nahes Weihnachten und vergangenes Halloween. Ein Heidenspaß in 3D. Von Tim Burton.

Poster: There Will Be Blood

There Will Be Blood

Vergrößerte und vor allem komplette Darstellung auf den Klick.

Grimmig, wie eh und je. Sowohl der Titel „There Will Be Blood“, als auch Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis kündigen den neuen Paul Thomas Anderson an. Das ist berauschend und beruhigend, den Gefühlen in Day-Lewis’ Gesicht zugeschrieben, gleich auch einer Tragik, Gewalt, dem gestrengen Bedürfnis nach Rache. Das ist mehr, mehr dahinter, in einer Zeit des Western. Galoppierende Pferde, Öl, noch mühsam aus dem Boden gewunden, Männern, mit Hüten und Bärten.

Die Körperfresser schnackeln

Der Gedanke fällt wie grün Erbrochenes vom Himmel: „Der Exorzist“ soll eine Wiederverfilmung erfahren. Als wenn die Schmach vom Prequel „Exorzist: Der Anfang“ verdaut wäre, bemüht sich Hollywood um Schadenspopulation, statt dass ein einfach schlichtes Werk der Filmgeschichte bestehen bleibt. Nicht genug, eine neue Generation zu füttern, die alte wird allemal bis ins Mark verschreckt.

Die Parallele dazu führt „Die Körperfresser kommen“, nach einem Roman von Jack Finney. Eine Revolution des Horrors, der tiefsten Ängste, heimgesucht von Außerirdischen, die Körper in Besitz nehmen. Im Laufe der Jahre wurden bei jenem Stoffe nicht nur der Titel aufs irdischste getrimmt, vom schlichten „Die Dämonischen“ (1956) auf ein Originalgedicht „Die Körperfresser kommen“ (1978), die absurd blödelige Verunstaltung „Body Snatchers – Angriff der Körperfresser“ (1993). Natürlich hing der Draht im Englischen nur über „Body Snatchers“ und „Invasion of the Body Snatchers“, doch zuletzt glichen sich beide um ein Haar: „Invasion“, „The Invasion“, in der Produktionsphase „The Visiting“. Doch ein- und dasselbe rieselt hier nieder, als Schund betitelt und ein Remake. Ein Remake eines Remakes eines Remakes. Einfallslos, aber dafür ist Hollywood gebucht.

Verstörend, wie subtil noch die zweite Fassung „Die Körperfresser kommen“ vor 30 Jahren die Leinwände erfreute. Stiller Genuss, aber zumindest auf der Mattscheibe minimal schlechter. Dort spielt er heute: 22:20 auf „Das Vierte“ oder „Dem Vierten“. Aber da weder „Das Vierte“ auf der 4 programmiert ist, noch Artikel die Düsternis von „Invasion“ retten konnten oder retten wollten, bleibt es so: 22:20 auf „Das Vierte“ mit „Die Körperfresser kommen“.