Archiv für August 2007

Frau, Kriegerin, Königin

Elizabeth - The Golden Age

So heißt es zumindest auf dem Filmplakat zu „Elizabeth – Das goldene Königreich“. Wenn Cate Blanchett nicht gerade in der Übergangsphase zu Klaus Kinski in „Aguirre – Der Zorn Gottes“ (von Werner Herzog) stehen würde, könnte durchaus altertümliche Stimmung erzeugt werden. Eine wohlgeformte Schönheit wird dieser Wisch aber womöglich bis zur Oscarverleihung kaum mehr. Ob das pulverisierende Schwarz, der Übertitel oder der Untertitel, oder der Saum der Schriftart Schuld an all dem tragen, bis zum Kinostart am 20.12.07 herrscht Schweigen. Nach all dem Männerspielrat der Blanchett ist es allerdings Zeit, kurz einmal niederzuknien, vor diesem gewaltigen Mannsweib.

Trailer
Fotos

Blut um singendes London

Sweeney Todd

Des Nachts streift er durch die Straßen. Dunkel das Meer von schwarzen Seen, dunkel sein Haar, durchzogen von einigen weißen Streifen. Später wird es in blutiger Röte schimmern, vom Schwung eines Rasiermessers zerzaust. Ein Ruck und seine Opfer fielen dahin, den Hals aufgeschlitzt und die Kadaver gebacken zu Fleischstücken. „Sweeney Todd“, der dämonische Friseur, schlich durch London. Doch weder Ignoranz, noch leergefegte Geschichtsbücher konnten Tim Burton, einen Schlächter des Normalen, dem Künstler des Bizarren, davon abhalten, ein Musical über Todd in filmische Maße zu versetzen. „Sweeney Todd“ kommt mit Johnny Depp und einer R-Freigabe (entspricht dem Deutschen „ab 16“) daher. Und sein Fegefeuer leuchtet am 21.02.08 vor den Oscar-Festspielen in deutschen Lichtspielhäusern. In der kalten Winterszeit ein Genuss bester Fleischwaren.

Teilung im Quadrat

Rendition

Der Film mit pseudo-psychologischer Aufklärungsthematik hat einen verlassenen Touch abbekommen. Das Poster zu „Rendition“ (Trailer) sieht aus wie von der Pferdekoppel „Tsotsi“ und afrikanischer Steppenwüste. Aber verschleppt werden sie schließlich alle in fremde, unheimliche Länder. Auch, wenn Reese Witherspoon, Jake Gyllenhaal, Meryl Streep und Alan Arkin ihre Schauspielkünste beweisen. Peter Sarsgaard sei ignoriert.

Der Teufel trägt Kittel

Stanley Tucci in „Emergency Room“. Jetzt. 5 Folgen lang. Der sarkastische Himmel von Hollywood.

Die Prophezeiung III

„Großes Kino, ganz großes Kino.“

Bisweilen ist die Soraly merkwürdig. Manchmal auch sehr merkwürdig. Und öfters in dieser Untergruppierung hilflos merkwürdig. Und irgendwo zwischen hilflos und sehr trifft sie auch schlimmere Varianten. In Vorbereitung auf einen heutigen Beitrag zu „Survivor“ (Folge 3, Folge 2 und 1 bereits) schrieb sie gestern rettungslos die peinlichen Dialoge des Urwaldregimes mit. Trotzdem steht hier kein Beitrag über „Survivor“, weil ihr „Andreas“ als Lösungswort, die eingeschweißte Truppe beim Floßbau, der moderne Schrittmacher laut Integration, nach Eintritt des neuen Teammitglieds bei Gewinnerteam „Gunung“, ein Maul mehr zu stopfen und das „große Kino, ganz große Kino“ neben dem gekauten Gräten-Stöckerlfisch zu viel des Kauderwelsch waren. Vielleicht war es auch die Tatsache, dass ihr der neue Mitläufer, Andreas, eher als Orang-Utan-Klaus, anstatt einer Portion Haferschleim im Auge hängen blieb. Und das sie gelb schon immer den „Simpsons“ ans Bein frittiert hatte und blau seit Blogga-Ratiopharm einfach für eine gewisse Spielfreude mit Worten steht.

Aber sie vergaß: „Survivor“ ist kein Journalistenmagazin, noch nicht mal eine Illustrierte. Es ging um Immu, nicht um Illu und um geheime Schatzjagden von verstreuten toten Menschen. Denn es gibt noch mehr Knochen als die klapprigen von High-Heel-und-Fingernagel-Kima. Die sind halt schon abgelutscht (beide, Nägel und Gebein), und auch wenn der Unterschied zwischen Kima und dem geheimnisvollen Gerippe relativ klein ist, eine Respekteinlage für die Goldstücke gab es. Welch Streit entbrannte, welch Wehklagen ertönte, welch Vögel stimmten den Mähdrescher des neufundländischen Pestizidregens ein. Michael gegen Kima, Kima gegen Michael. Das war wie im Mittelalter, wie bei den Halb-Indianern, wie Sau um Stute. In Echtzeit wurde gedisst, gegenseitig wurde einander beschnuppert und fertig gemacht. Nur, weil zwei weiße Knochen von einer großen Reise mitgebracht wurden und zu Kämmen verarbeitet sollten. Warum verschaben? Warum nicht das Abenteuer Abenteuer sein lassen? Warum nicht Menschenknochen, bei denen man sich nicht sicher ist, ob sie Menschenknochen sind, in Frieden, in der Erde ruhen lassen? Unethisch, pah, Ethik und Anstand, das sind zwei paar Schuheinlagen in „Survivor“.

Es geht um Muskelkraft, um die große „Kraft-Challenge“, gleichzeitig die ewiggleiche „Immunitäts-Challenge“ voll Sack und Pack und Sehnenreißen. Wenn die starken drei Mannen und weinerlichen zwei Frauen gegen den Balken drücken, dann ist das Zuschauerauge beseelt ebenso zu drücken, drücken, drücken, auf die Fernbedienung, drücken. Nach einer ¾ Drehung muss auch der letzte eingestehen, Fehler macht man, oder nicht. Wenn Muckipower aber zu Muskelkater wird, ist Team „Tasik“ mit von der Partie. Jammerlappen, durch die Bank, das sich die Balken und der Gongschlag biegen. Die Soraly weinte bitterlich um ihre Wordseiten, die sich nunmehr sekündlich in Wohlgefallen auflösen und alle Wertigkeit vermissen lassen. Die Soraly fühlt sich nicht „wertiger“ und sie muss auch keinen Mucks mehr sagen, Alter. Sie muss doch drücken, drücken, drücken und ihre Schuheinlagen polieren, auf das sie für die nächste Staffel „Survivor“ blitzblank den Sand markieren.

Und wenn Michael seine, als persönlichen Gegenstand mitgenommen, Schuheinlagen nicht auf der Insel allein den leeren Gräbern hinterlassen hat, werden sie bis in alle Zeit fluchend auf Kima spucken und ihren feurigen respektlosen Atem verteilen. Deswegen steht hier nun doch ein Beitrag zu „Survivor“. Weil merkwürdig merkwürdig bleibt. Und Knochen Knochen bleiben. Keine Kämme.

Kritik: Sicko

USA 2007
Start: 11.10.07

Sicko

Regie: Michael Moore
Drehbuch: Michael Moore
Darsteller: Michael Moore, George W. Bush, Reggie Cervantes, John Graham, William Maher, Richard Nixon, Linda Peeno

5/10 Punkte

Kritik: Von Michael Moore kann vieles gelernt werden. Vom dummen Amerikaner noch einiges mehr. Die Kombination aus Moores stoischer Naivität und der heuchlerischen Ignoranz des amerikanischen Volks allerdings ergibt in „Sicko“, dem mooreschen Ausholschlag gegen das amerikanische Gesundheitssystem, recht zweifelhafte Tatsachenberichte. So ist Hillary Clinton kommend waghalsig als „sexy“ zu bezeichnen, Fidel Castro sollte demnächst das zerrüttete Krankensystem, nachdem er in Kuba neue Maßstäbe setzte, aufpolieren und jeder Europäer spätestens nach Moores Bergpredigt am besten täglich in das nächste Krankenhaus rennen, den Mediziner nach Hause bestellen, die staatliche Putzhilfe nach der Schwangerschaft beanspruchen. Warum schwer, wenn es auch einfach geht? Nach „Sicko“ sollte doch tatsächlich der Gedanke entstanden sein, in europäischen Landen wäre das Wunderparadies, der neue amerikanische Traum, ausgebrochen und würde in Form des weißen Leibkittels durch die Straßen fliegen, Menschen von Leid und Unheil rasend schnell befreien. Ja, wenn der Herrgott Michael Moore heißen würde, bliebe Teufel George W. Bush der Menschheit jegliche Lügenmärchen schuldig. Doch bestand in den aufbegehrenden Propaganda-Fetzen eines früheren Moore noch ein Unterschied zu seinem Lieblingsrivalen Bush, verdeutlicht „Sicko“ wie wenig Schwarz und Weiß getrennt leben können.

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Kurzkritik: Hautnah – Closer

Closer
USA 2004
Start: 13.01.05

Hautnah - Closer

Regie: Mike Nichols
Drehbuch: Patrick Marber
Darsteller: Natalie Portman, Jude Law, Julia Roberts, Clive Owen, Nick Hobby, Colin Stinton

6/10 Punkte

Kritik: Sie lieben einander, sie hassen einander. Vier Menschen, die gegenseitig ihre Leben teilen und Opfer des verzweifelten Wunschs nach Liebe werden, prallen in „Hautnah“ aufeinander. Der erfolglose Schriftsteller Dan (Jude Law), die Stripperin Alice (Natalie Portman), Photographin Anna (Julia Roberts) und Arzt Larry (Clive Owen). Affären, Intrigen, Gier, unendliche Einsamkeit.

Mike Nichols Leinwandadaption „Hautnah“, des Bühnenstücks von Patrick Marber, erscheint ähnlich offenherzig und redselig wie seine klaustrophobisch realitätsnahe Theateraufführung, die den Menschen zum Tier, zu einer leidenden Statur des gebückten zweifelnden Gejagten degradiert. Triebe und Leid spielen die entscheidende Rolle im Leben der vier eingeengten Hauptprotagonisten, deren Beziehungen schneller von einem Gaul auf den anderen schalten, als eine Ampel. Von Liebe wird gesprochen und wie wahr, dass hinter vielen ausrufenden Floskeln mit Nichols („Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“) ein Mann den kalten, aber lehrreichen Erguss, in kammerspielartige Szenarien und ausgezeichnete Schauspieler voll uferloser Aufrichtigkeit umwandelt, der sein stoisches Handwerk versteht. Er entblößt seine Darsteller, die plappern von sexuellen Fantasien, als würde ihr Beruf es ihnen täglich vorschreiben. Mitunter überschäumend ehrlich ist Nichols, kann den Sprung zwischen seiner draufgängerischen, ungewöhnlichen Art und warmer Charakterentwicklung jedoch selten vollziehen, pendelt viel eher zwischen Sarkasmus und Tragödie, deren Mitleidslied in der fortwährenden Rolle des Beobachters abprallt.

Ein mitfühlender Effekt wird verspielt und erklärt „Hautnah“ wie von selbst zur grundehrlichen, aber gleichsam nur grundsoliden Schraffur kollidierender Liebesleben zwischen Betrug, Selbstverrat und Egoismus.

Autorin