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Die Körperfresser schnackeln

Der Gedanke fällt wie grün Erbrochenes vom Himmel: „Der Exorzist“ soll eine Wiederverfilmung erfahren. Als wenn die Schmach vom Prequel „Exorzist: Der Anfang“ verdaut wäre, bemüht sich Hollywood um Schadenspopulation, statt dass ein einfach schlichtes Werk der Filmgeschichte bestehen bleibt. Nicht genug, eine neue Generation zu füttern, die alte wird allemal bis ins Mark verschreckt.

Die Parallele dazu führt „Die Körperfresser kommen“, nach einem Roman von Jack Finney. Eine Revolution des Horrors, der tiefsten Ängste, heimgesucht von Außerirdischen, die Körper in Besitz nehmen. Im Laufe der Jahre wurden bei jenem Stoffe nicht nur der Titel aufs irdischste getrimmt, vom schlichten „Die Dämonischen“ (1956) auf ein Originalgedicht „Die Körperfresser kommen“ (1978), die absurd blödelige Verunstaltung „Body Snatchers – Angriff der Körperfresser“ (1993). Natürlich hing der Draht im Englischen nur über „Body Snatchers“ und „Invasion of the Body Snatchers“, doch zuletzt glichen sich beide um ein Haar: „Invasion“, „The Invasion“, in der Produktionsphase „The Visiting“. Doch ein- und dasselbe rieselt hier nieder, als Schund betitelt und ein Remake. Ein Remake eines Remakes eines Remakes. Einfallslos, aber dafür ist Hollywood gebucht.

Verstörend, wie subtil noch die zweite Fassung „Die Körperfresser kommen“ vor 30 Jahren die Leinwände erfreute. Stiller Genuss, aber zumindest auf der Mattscheibe minimal schlechter. Dort spielt er heute: 22:20 auf „Das Vierte“ oder „Dem Vierten“. Aber da weder „Das Vierte“ auf der 4 programmiert ist, noch Artikel die Düsternis von „Invasion“ retten konnten oder retten wollten, bleibt es so: 22:20 auf „Das Vierte“ mit „Die Körperfresser kommen“.

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J. B. wechselt die Fronten

Welch (un)erfreuliche Nachricht für all die Serienvernarrten, deren Lieblingsschützling Jack Bauer nun statt „RTL2“ den Münchener Konzern „ProSiebenSat.1 Media“ zum Strahlen befördert. Die kommende sechste Staffel „24“ des Echtzeitwettlaufens über 24 Stunden wird fortan im Reich der Arztserien (Pro7), Krimiergüsse (Kabel1) oder deutschen Ableger (Sat1) seinen Platz einnehmen. Genauere Informationen über den Start oder zur Sendezeit der neuen Staffel sind bislang nicht bekannt. Ob der Mann, mit denselben Initialen wie die Action-Kämpfer James Bond und Jason Bourne, darüber allzu glücklich ist?

Frau Soraly weiß zumindest einige alberne Nebensächlichkeiten über Herrn Bauer, die aber auch von Chuck Norris stammen könnten (weitere 97 hanebüchene Sätze):
– Jack Bauer could get off the „Lost“-island in 24 hours.
– Jack Bauer doesn’t take fingerprints, he takes fingers.
– Jack Bauer doesn’t laugh in the face of danger; Jack Bauer is the face of danger.

Frag dich in den Morgengrauen

Vermutlich hat es mit dem merkwürdigen Wochenendritus zu tun, grundlegend an akuter Faulheit zu leiden (was den Kritiken von „28 Weeks Later“ und „Die Vorahnung“ einen kleinen Solidaritätsbonus beschert), aber die Unterhaltungszeitpunkte der Soraly sind an jenen zwei Tagen der Woche höchst bedenklich rar gesät. Vielleicht liegt es auch eher an den mageren Fernsehausflügen oder der leichten Verwechslungsgefahr, falls doch etwas kommen sollte. So nannte sich gestern der Höllenritt „Jetzt wird eingelocht“. Das erinnerte die Soraly an ihre Kindheitstage, in denen sie immer gern Minigolf gespielt hatte. Ihre Eltern hatten die Freude allerdings immer weniger erfreut zur Kenntnis genommen, weil die Soraly bei Spielen mit Bällen eine unangenehm niedrige Aggressivitätsschwelle besitzt. Obwohl bei Minigolf doch eigentlich keine Gefahr besteht, den Ball an den Hinterkopf zu kriegen. Aber weniger nervtötend als selbst zu spielen, war „Jetzt wird eingelocht“ nur als Zuschauer. Auch ohne fliegende Bälle.

Heute wunderte sie sich dann kürzlich, warum im ZDF um 22:05 „Hautnah“ kommt. Lief der nicht bereits auf Sat1??? Oder hatte Frau Soraly etwa ihre Sehhilfe in dem Moment verlegt??? Oder heißt der eigentlich „Hautnah – Die Methode Hill“ und ist eine unbekannte Krimiserie??? Und warum streiten sich hier immer drei Fragezeichen??? Und warum, verhext und zugeteufelt, muss die Soraly übernächste Woche unbedingt die gigantische Freude haben „Die drei ??? – Das Geheimnis der Geisterinsel“ zu sehen??? Und warum steht auf der Einladung „Sie dürfen gerne Kinder mitbringen“??? Und warum ist der Trailer allein schon traditionell so abschreckend, dass einem die Fragezeichen wie ein Heiligenschein um den Kopf tanzen??? Und warum erhöht die Soraly ihre Vorfreude grundsätzlich nicht, wenn sie demnächst immer statt einem „?“ gleich zwei weitere zu drei „???“ bündelt???

Von Freude oder Vor-Vor-Freude kann bei dem heutigen Fernsehprogramm allerdings nicht mehr gesprochen werden. „Auf der Jagd“, die olle „Fortsetzung“ (einziges Bindeglied ist Tommy Lee Jones) von „Auf der Flucht“ (als sie den Film zum ersten Mal sah, musste sie mit der Fassung für Hörgeschädigte klarkommen – vielleicht besser so, Frau Soraly meint bis heute, er wäre höchst komplex, zusätzliche Erklärungen könnten nie schaden) tingelt heute um 20:15 auf RTL, während James Bond im Brosnan-Anzug wieder schmierig den sterbenden Morgen rettet (20:15, Pro7). Ob „Billy Elliot“ (20:15, RTL2) eine zusätzliche Verbesserung bieten kann??? Schließlich hatte er bei der Soraly immer den Stand eines Schulfilms, den sie damals in jedem Jahrgang kurz vor den Ferien in Biologie (wenn der Themenkreis nicht gerade Sexualkunde umfasste) ertragen musste. So übel ist er allerdings nicht.

Ein kleiner Tipp darf von der Soraly aber doch gespendet werden: „Somersault – Wie Parfum in der Luft“ (23:45, ARD). Hat mit „Das Parfum“ von Tom Tykwer herzlich wenig gemeinsam, viel mehr aber doch mit Sexualkundeunterricht.

„Die australische Regiedebütantin Cate Shortland erzählt in (manchmal zu) ruhigen Bildern von der Rebellion und der Entdeckung der Sexualität eines Teenagers, zeichnet dabei ein sensibles Porträt, auch wenn die Handlung ums Erwachsenwerden Sprünge aufweist.“ (Prisma)

Der Teufel trägt Kittel

Stanley Tucci in „Emergency Room“. Jetzt. 5 Folgen lang. Der sarkastische Himmel von Hollywood.

Die Prophezeiung III

„Großes Kino, ganz großes Kino.“

Bisweilen ist die Soraly merkwürdig. Manchmal auch sehr merkwürdig. Und öfters in dieser Untergruppierung hilflos merkwürdig. Und irgendwo zwischen hilflos und sehr trifft sie auch schlimmere Varianten. In Vorbereitung auf einen heutigen Beitrag zu „Survivor“ (Folge 3, Folge 2 und 1 bereits) schrieb sie gestern rettungslos die peinlichen Dialoge des Urwaldregimes mit. Trotzdem steht hier kein Beitrag über „Survivor“, weil ihr „Andreas“ als Lösungswort, die eingeschweißte Truppe beim Floßbau, der moderne Schrittmacher laut Integration, nach Eintritt des neuen Teammitglieds bei Gewinnerteam „Gunung“, ein Maul mehr zu stopfen und das „große Kino, ganz große Kino“ neben dem gekauten Gräten-Stöckerlfisch zu viel des Kauderwelsch waren. Vielleicht war es auch die Tatsache, dass ihr der neue Mitläufer, Andreas, eher als Orang-Utan-Klaus, anstatt einer Portion Haferschleim im Auge hängen blieb. Und das sie gelb schon immer den „Simpsons“ ans Bein frittiert hatte und blau seit Blogga-Ratiopharm einfach für eine gewisse Spielfreude mit Worten steht.

Aber sie vergaß: „Survivor“ ist kein Journalistenmagazin, noch nicht mal eine Illustrierte. Es ging um Immu, nicht um Illu und um geheime Schatzjagden von verstreuten toten Menschen. Denn es gibt noch mehr Knochen als die klapprigen von High-Heel-und-Fingernagel-Kima. Die sind halt schon abgelutscht (beide, Nägel und Gebein), und auch wenn der Unterschied zwischen Kima und dem geheimnisvollen Gerippe relativ klein ist, eine Respekteinlage für die Goldstücke gab es. Welch Streit entbrannte, welch Wehklagen ertönte, welch Vögel stimmten den Mähdrescher des neufundländischen Pestizidregens ein. Michael gegen Kima, Kima gegen Michael. Das war wie im Mittelalter, wie bei den Halb-Indianern, wie Sau um Stute. In Echtzeit wurde gedisst, gegenseitig wurde einander beschnuppert und fertig gemacht. Nur, weil zwei weiße Knochen von einer großen Reise mitgebracht wurden und zu Kämmen verarbeitet sollten. Warum verschaben? Warum nicht das Abenteuer Abenteuer sein lassen? Warum nicht Menschenknochen, bei denen man sich nicht sicher ist, ob sie Menschenknochen sind, in Frieden, in der Erde ruhen lassen? Unethisch, pah, Ethik und Anstand, das sind zwei paar Schuheinlagen in „Survivor“.

Es geht um Muskelkraft, um die große „Kraft-Challenge“, gleichzeitig die ewiggleiche „Immunitäts-Challenge“ voll Sack und Pack und Sehnenreißen. Wenn die starken drei Mannen und weinerlichen zwei Frauen gegen den Balken drücken, dann ist das Zuschauerauge beseelt ebenso zu drücken, drücken, drücken, auf die Fernbedienung, drücken. Nach einer ¾ Drehung muss auch der letzte eingestehen, Fehler macht man, oder nicht. Wenn Muckipower aber zu Muskelkater wird, ist Team „Tasik“ mit von der Partie. Jammerlappen, durch die Bank, das sich die Balken und der Gongschlag biegen. Die Soraly weinte bitterlich um ihre Wordseiten, die sich nunmehr sekündlich in Wohlgefallen auflösen und alle Wertigkeit vermissen lassen. Die Soraly fühlt sich nicht „wertiger“ und sie muss auch keinen Mucks mehr sagen, Alter. Sie muss doch drücken, drücken, drücken und ihre Schuheinlagen polieren, auf das sie für die nächste Staffel „Survivor“ blitzblank den Sand markieren.

Und wenn Michael seine, als persönlichen Gegenstand mitgenommen, Schuheinlagen nicht auf der Insel allein den leeren Gräbern hinterlassen hat, werden sie bis in alle Zeit fluchend auf Kima spucken und ihren feurigen respektlosen Atem verteilen. Deswegen steht hier nun doch ein Beitrag zu „Survivor“. Weil merkwürdig merkwürdig bleibt. Und Knochen Knochen bleiben. Keine Kämme.

Tod auf Deutsch mit Mühe

Überraschend bissige Dialoge in einer ganz großen deutschen Krimi-Serie. „Der letzte Zeuge“ noch einmal hervorragend und in Farbe nach dem Tod von Ulrich Mühe auf Arte. Jeden Montag ab 20:40, zwei kurzweilige Folgen lang und jeden Freitag mit neuen Fällen im ZDF ab 21:15 Uhr. Und Frau Soraly dachte bisher, alles Doofe kommt aus Deutschland. Pech gehabt. Für den Trugschein eines ganz und gar langweiligen Montagabends ein blutiger Heidenspaß.

„Mögen Sie Katzen? Ich nicht. Verwöhnte kleine Biester. Erinnern mich immer an meine Ehefrauen.“

Dudes Allträume hoch 2

Job der Fernseherin eigentlich, doch Frau Schäuble (Kommentar drei) lässt ihre Aufgabengebiete gerne sprießen und gedeihen und sie liebt, sie liebt wirklich die Mattscheibe nur halb so sehr, gegen die wirklichen cinematisch kinetischen Regeln im dunklem Saal. Zum heutigen Vor-Potter-Tag (sie ist schon ganz heiß) erfreut das Augenweihfest den Pfeffer in der Sahne, und schäumt gut die Milch auf, die Avocados lehnen sich gemütlich zurück in den biblischen Vorzeigelatschen. Tanz den dudschen Polka, den Freitag, den 20.07, eine Woche nach dem Freitag, dem 13. in der Glotze voll Rotze:

20:15 – The Big Lebowski (Tele 5)
• Entgegen hochhackiger Worte in den Püschen, dieser Hammer ist ein Pflichttermin eines jeden Frettchens, er schlägt locker dumpfes Gemetzel oder solche schreienden Al-Schlampen, er schlachtet den Tarantino ab, er kann einfach alles. Der Dude, die geile Sau, die Satzbau und Grammatik fehlgeleitet des Weges entlässt, er kann tanzen, bowlen, der Hippie hat’s drauf. Jeff Bridges, der Hummer, den „Ehrensenf“ gerne in die Show bekommen möchte, nie war er cooler, nie bedenklicher, nie perfekter. Im Auftrag der Coen-Brüder.

Die Glaskugel schweigt: 10/10 wässrigen Schadensersatzforderungen.

20:15 – Im Auftrag des Teufels (Pro 7)
• Exorzistenaustreibungssaga mal anders. Al Pacino klemmt sich Jung-Anwalt Keanu Reeves unters Reißbrett und reist mit Frau „Monster“ (Charlize Theron) in den Big Apple, wo die Äpfel genüsslich gespalten werden. Okkultik, keine schreienden Kamerafahrten im See-Umrandungs-Look a la „Blair Witch Project“ ist das ganze visuell berauschend, gespenstisch in seiner ausgebauten Atmosphäre gefangen. Und die Justiz kriegt ordentlich was an die Backe.

Die Glaskugel schweigt: 8/10 teuflischen Taktiken.

22:25 – 2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen (3SAT)
• Ja, ja, die Frost-Fortsetzung von Stanley Kubricks Allaufnahme „2001 – Odyssee im Weltraum“, die konnte ja nur schlechter und bedeutungsloser werden. Hey, Pappnasen, es rieselt ein gutes Stückchen amerikanischer Weltraumspielereien, auch adaptiert von Arthur C. Clarke (seit „Zodiac“ bleibt es bei Frau Soraly immer Arthur Leigh) und mal schlicht halb so schlecht, wie eine Fortsetzung heutzutage um ihr Überleben kämpft.

Die Glaskugel spricht: 7/10 überrannten Sci-Fi-Momenten.

00:25 – Hamlet (Arte)
• Aus der Reihe tanzend und stumm schwingend. Der weitere Klassiker (also erstes mit letzterem verbindet, ein Ding, Frau Soraly packt die Kettensäge immer wieder) ist stumm geschalten, bitte nicht wundern, für Stummfilme aus der Zeit um 1920, zudem aus deutschen Landen, gehört sich die Weichspülerei genau so. Frisch restauriert ist die Verfilmung nach Shakespeare (oder Huckleberry Finn?), erster großer Erfolg nach dem ersten Weltkrieg, gedreht in mittelalterlichen Festungstürmen, einem gotischen Rathaus plus gauklichem Kaisersaal. Nur halt auf stumm. Also, die Trillerpfeife darf den Wilhelm-Schrei lautmalerisch nachahmen. Amen.

Die Glaskugel spricht: 10/10 schniefenden Protagonisten.